Verbrauchsstiftung – die smarte Alternative

Auf zu neuen Stiftungs-Ufern, der Verbrauchsstiftung entgegen.
Auf zu neuen Stiftungs-Ufern, der Verbrauchsstiftung entgegen.

Im letzten Beitrag zeigte ich mich ob der Flut kleiner und kleinster Stiftungsgründungen skeptisch, ob das Modell Stiftung wirklich für so viele Einsatzgebiete taugt, wie es oft vorgeschlagen wird. Eine Alternative zur Gründung einer auf ewig existierenden Stiftung ist die Verbrauchsstiftung.

Die Verbrauchsstiftung stellt einen Sonderfall der Stiftung bürgerlichen Rechts dar. Das Modell der Verbrauchsstiftung wurde neu durch das Ehrenamtsstärkungsgesetz vom 21. März 2013 verankert, nachdem diese lange umstritten und von den Stiftungsaufsichten sehr unterschiedlich behandelt wurde. Die Verbrauchsstiftung stellt eine Alternative zur »ewigen« Stiftung dar. Bei ihr wird in der Satzung festgelegt, inwieweit nicht nur der Ertrag, sondern auch das eigentliche Stiftungskapital zur Zweckerfüllung eingesetzt werden kann. Dabei ist in der Regel ein Mindestzeitraum von zehn Jahren einzuhalten, über welchen das Kapital frühestens aufgezehrt werden darf.

Prominentes Beispiel für eine Verbrauchsstiftung (oft auch Verzehrstiftung genannt) ist die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Diese Stiftung musste nicht auf »ewig« angelegt werden, da die Entschädigung der Zwangsarbeiter zu Lebzeiten erfolgen muss.

Ein neues Fundraising-Instrument

Als Fundraising-Instrument ist die Verbrauchsstiftung noch nicht entdeckt worden. Dabei bietet sie spannende Gestaltungsmöglichkeiten. Die Vorteile der Verbrauchsstiftung liegen in der effektiven Verwirklichung des Stiftungszwecks auch bei kleinerem Grundstockvermögen. Damit wird die Zweckverwirklichung geschützt vor Finanzkrisen oder Missmanagement bei der Mittelanlage. Ferner lassen sich inhaltlich oder zeitlich begrenzte Stiftungszwecke mit der Lebensdauer der Stiftung abstimmen. Das Modell der Verbrauchsstiftung bietet sich aus Fundraising-Sicht auch an, wenn eine Erbschaft nachhaltig Verwendung finden soll, im Volumen aber nicht für eine normale Stiftung ausreichend erscheint. Ggf. ist einer Verbrauchsstiftung auch als Treuhandstiftung einzurichten. Allerdings ist dringend empfohlen, dies vorab mit der Stiftungsaufsicht abzustimmen.

Nach meiner Erfahrung sind durchaus nicht alle potentiellen Stifter so wild darauf, dass ihr Kapital „auf ewig“ in der Stiftung liegt, sondern stehen dem Gedanken einer Verbrauchsstiftung sehr positiv gegenüber. Möglicherweise kollidieren hier die Interessen der Stiftungsverwalter und der Stifter. Doch als Fundraiser, die wir auch immer Berater der Spender / Stifter sind, sollten wir diese Option im Hinterkopf haben. Denn primär geht es uns in unseren Stiftungen um Wirkung und nicht um die Verwaltung des größten Portfolios.

Eine kleine Anregung: Gerade bei den von mir gerne kritisierten Klein-Stiftungen zum Bauunterhalt von Kirchen, wäre die Option Verzehrstiftung bedenkenswert. Wie wäre es mit einem Passus in der Stiftungssatzung, der es erlaubt, das Vermögen nach beispielsweise 10 oder 15 Jahren langsam zu verzehren, wenn ein vorab festgelegtes Stiftungsvolumen (z.B. 1 Mio. Euro) nicht erreicht wird. Den Kirchengemeinden wäre damit sicher mehr geholfen, als durch das auf Konten schlummernde zu geringe Kapital.

Fazit: Mit der Verbrauchsstiftung gibt es eine spannende Ergänzung zum Stiftungsboom. Ich bin gespannt, wann dieser Stiftungstyp im Fundraising ankommt und welche Ausprägungen wir erleben werden. Tipps und Beispiele hierzu gerne an mich!

Nachtrag:

Sieglinde Ruf hat in der Evangelischen Landeskirche Baden bereits 2006 als Fundraisingbeauftragte die Treuhandstiftung GRATIA als Verbrauchsstiftung empfohlen, beraten und – gewissermaßen – in der Wiege angelächelt. Hier der Link zur Satzung, mit Hinweis auf §2 (6)

 

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