Zertifizierte Fundraiser – geht das?

Lohn der Arbeit. Das Zertifikat zum Großspenden-Fundraiser.
Ein Zertifikat. Doch was sagt es wirklich aus?

In der Fundraising-Szene wird gerade über ein kontroverses Thema diskutiert: Die Zertifizierung von Fundraisern. Was steht dahinter? Und was halte ich davon?

Seit etwa zwei Jahren gibt es im Deutschen Fundraising Verband  (DFRV) Bestrebungen, eine Personenzertifizierung für Fundraiserinnen und Fundraiser auf den Weg zu bringen. Die Mitgliederversammlung des DFRV hat hierzu 2012 einen Beschluss gefasst, dass gemeinsam mit der Fundraising Akademie solch eine Zertifizierung erarbeitet werden soll. Nach einigem Hin und Her trifft sich in diesen Wochen wieder eine Arbeitsgruppe, um dieses Projekt voran zu bringen.

Ziel ist, dass sich Fundraisende nach festgelegten Kriterien (im Gespräch sind Fortbildungen, Besuch von Kongressen, praktischen Arbeitsnachweisen) vor einer Prüfungskommission zertifizieren lassen können. Diese Zertifizierung gilt dann für einen definierten Zeitraum und muss periodisch erneuert werden.

Auch ich stimmte 2012 spontan für solch einen Ansatz, versprach mir davon eine höhere Qualität des Fundraisings in Deutschland. Heute überwiegen in mir aber die Zweifel und so stellen sich mir einige Fragen zur Zertifizierung.

10 Thesen zur Debatte um die Personenzertifzierung im Fundraising

Hier mal – nicht besonders trennscharf … – meine Gedanken zum Thema in Kurzform:

  1. Die Personenzertifizierung ist primär durch die Interessen der Zertifizierer getrieben und nachrangig durch die Bedürfnisse der Fundraiser und der gemeinnützigen Organisationen.
  2. Die Personenzertifizierung löst das Personalproblem der Organisationen nicht.
  3. Es gibt keine Branchenstandards im Fundraising. Damit fehlt die Grundlage für eine Zertifizierung.
  4. Das Berufsfeld des Fundraisers ist zu heterogen, als dass es mit einer einzigen Art der Zertifizierung erfasst werden könnte.
  5. Fundraising ist aufgrund der Auftraggeberstruktur und aufgrund seiner Vielfalt für eine Zertifizierung nicht besonders geeignet.
  6. Der Markt an Fundraisern / Beratern, für welche eine Personenzertifizierung relevant ist, ist zu klein, um den Aufwand der Entwicklung und Pflege eines Zertifizierungssystems zu rechtfertigen.
  7. Die Personenzertifizerung im Fundraising löst ein Problem, welches nicht existiert.
  8. Es gibt keine anerkannte Stelle mit entsprechenden Mitarbeitenden, welche neutral und unbefangen eine Zertifizierung durchführen könnte.
  9. Das Hauptinteresse zertifizierender Stellen liegt nicht im qualitativ hochwertigem Fundraising (was immer das sein mag), sondern im Erhalt der eigenen Macht.
  10. Eine Zertifizierung definiert ein Best-Practice im Fundraising, welches nicht existiert.

 

Soweit mal meine Thesen in der Kurzfassung. Hier nun etwas ausführlicher: „Zertifizierte Fundraiser – geht das?“ weiterlesen