3.000-Euro-Spende durch „verrückte“ Tauschaktion

In was werde ich wohl mal getauscht werden ...?
In was werde ich wohl mal getauscht werden …?

Tauschen ist im Trend, so scheint es mir. Hatte ich vor 14 Tagen noch ein Beispiel zitiert, so lese ich in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, eva-inteam Juli – September 2014, nachfolgenden Bericht, den ich ungekürzt wiedergebe:

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3.000-Euro-Spende durch „verrückte“ Tauschaktion

Eine ungewöhnliche Tauschaktion hat an Pfingstsamstag Sach- und Geldspenden im Wert von 3.000 Euro für den Schlupfwinkel eingebracht. Bei einem Seminar für Persönlichkeitsentwicklung hatten die Teilnehmer eine rote Bürokammer bekommen. Ihre Aufgabe: Sie sollten diese im Laufe eines Tages gegen immer wertvollere Dinge eintauschen. Ziel war es, die eigenen Grenzen zu überwinden und zugleich möglichst viele Spenden für ein Jugendhilfe-Pojekt zu sammeln.

In sieben Gruppen schwärmten die Teilnehmer aus ganz Deutschland aus, sprachen Passanten auf der Straße an, fragten in Geschäften nach und baten unzählige Menschen um Unterstützung für ihr Projekt. Dabei waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt, es gab viele amüsante, bewegende und skurrile Begegnungen. Und viele neue Erkenntnisse: Ein Teilnehmer war selbst erstaunt, dass es ihm keinerlei Mühe bereitete, die Menschen für diese gute Sache um Unterstützung zu bitten. „Für mich selbst hätte ich das niemals getan. Schon gar nicht bei 30 Grad im Schatten in einer fremden Stadt.“

Oliver Schwarz vom Schlupfwinkel nahm die getauschten Spenden in Empfang. Der Sozialpädagoge war mit einem VW-Bus zum Seminarhotel in Vaihingen gekommen, um all die Sach- und Geldspenden inklusive Gutscheine einzuladen. „Wir freuen uns sehr über diesen unverhofften Spendensegen, auch wenn ich anfangs ehrlich gesagt nicht so recht an diese ziemlich verrückte Spontanaktion geglaubt habe“, sagte er schmunzelnd.

Im „Millionärs-Seminar“ im Rahmen des Projekts Gedankendoping lernen die Teilnehmer gerade auch durch solche ungewöhnlichen Aktionen, die eigene Komfortzone zu verlassen, neue Wege zu gehen und so persönlich zu wachsen – eine Voraussetzung für inneren und äußeren Reichtum. Eugen Simon, Gründer des Projekts Gedankendoping, unterstützt selbst durch eine Stiftung den Bau von Schulen in Dritte-Welt-Ländern. Mit der Aktion „Büroklammer“ wurde nun in Stuttgart bei tropischen Temperaturen etlichen jungen Menschen geholfen. (Text: Barbara Fischer-Reineke)

Der Schlupfwinkel ist eine Anlauf- und Kontaktstelle für Kin-der und Jugendliche, die auf der Straße leben. Er wird gemeinsam von der eva und dem Caritasverband für Stuttgart getragen. Junge Menschen in schwierigen Lebenslagen können sich im Schlupfwinkel aufhalten, etwas essen und trinken, duschen, frische Kleidung bekommen und ihre Wäsche waschen. Jährlich nehmen etwa 300 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 21 Jahren diese Angebote wahr. Bei Bedarf vermitteln die Mitarbeitenden auch einen Schlafplatz.

Praxisbeispiel: Tauschaktion und Eincremen

Was könnte man durch fleißiges Tauschen wohl aus dieser Flasche Likör bekommen?
Was könnte man durch fleißiges Tauschen wohl aus dieser Flasche Likör bekommen?

Manchmal stößt man bei der Urlaubsplanung unvermutet auf Perlen. In diesem Fall auf eine Fundraising-Perle: Auf der Seite http://www.langeoognews.de/ entdeckte ich ein schönes Beispiel von einem Menschen, Jörg Runnebom, der mit viel Engagement, Spieltrieb, Begeisterung und Ehrgeiz es schafft, Spenden für wichtige Zwecke zu sammeln. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von „Langeoognews“ übernehme ich folgenden Artikel:

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Eincremen gegen Spende am Sportstrand

Am 16.07.2014

Am Freitag, 18. Juli, findet am Sportstrand unter dem Motto „Jörg cremt“ eine ganz ungewöhnliche Aktion für einen guten Zweck statt.

Jörg Runnebom ist zwar erwachsen, aber gleichzeitig im Inneren zu einem guten Teil ein absolutes Kind geblieben, das gerne verrückte Ideen umsetzt. Der Mann aus Steinfeld hat jede Menge seltsame Einfälle und zieht diese gnadenlos durch. Allerdings zum Glück jedes Mal zu einem guten Zweck.

Bestes Beispiel ist seine Tauschaktion im letzten Jahr: Eigentlich ist es ein Spiel für Kinder. An Kindergeburtstagen ziehen sie mit nur einem Apfel los, gehen von Haus zu Haus und versuchen, den Apfel gegen etwas Größeres und/oder Wertvolleres einzutauschen. Das so Ertauschte soll dann immer wieder gegen etwas anderes getauscht werden, sodass es nicht ungewöhnlich ist, wenn die Kinder am Ende des Nachmittags mit mehreren Beuteln voll Süßigkeiten wieder nach Hause kommen.

So wollte es auch Jörg machen – nur für Erwachsene und nicht zum selbst Naschen sondern für Andere. Beruflich verkauft er Mineralfutter für Schweine und Kühe und da seinem Chef auch die Firma Kreuzritter gehört, auch Schnaps. Im Fernsehen hatte der große Mann mit den roten Locken gesehen, wie es einem Kandier gelang, eine Büroklammer bis zum Haus hoch zu tauschen. Das weckte seinen Spieltrieb und seinen Ehrgeiz, zu schauen, wie weit er kommt. Mit einer Flasche Kreuzritter ging es los, immer mit einem klaren Ziel vor Augen: Aus dem Alkohol soll ein Geländewagen werden.

Mit vielen Tauschzwischenstationen – von Paletten voller Eier, einem Poloschläger, einer Motorsäge, drei Kälbern (ländliche Gegend eben!), einer LKW-Rutschbeschichtung usw. – gelang ihm letztendlich tatsächlich der große Coup zum Schluss in Form eines gebrauchten „Golfs Plus“, der noch so seine fast 10.000 Euro wert war.

Die eine Hälfte dieser Summe ging an die Aktion „Sportler gegen Hunger“ und die andere Hälfte an die Kinder-Krebs-Hilfe in Vechta. Tolle Aktion – und Jörg wäre wahrscheinlich nicht Jörg, wenn es nun schon genug hätte…

Schon nach kurzer Zeit juckte ihn der Reiz nach einer neuen Herausforderung und die wird er im Juli in Angriff nehmen: Er kommt für jeweils zwei Tage auf jede der Ostfriesischen Inseln und legt sich da nicht etwa faul auf seine Sommersprossenhaut, sondern nutzt die Zeit dort, um den Leuten am Strand den Rücken einzucremen.

Die hoffentlich reichlich prasselnden und knisternden Spenden die er für den klebrigen Job erhalten wird werden dann gemeinsam mit den Inseln dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke gespendet. Diese Einrichtung nimmt Kinder sowie Jugendliche und junge Erwachsene mit tödlich verlaufenden Krankheiten auf, bei denen eine Heilung nach dem Stand der Medizin ausgeschlossen ist.

Auf Langeoog wird Jörg Runnebom – mit ganz vielen Flaschen Sonnencreme – am 18. Juli sein. Gäste, die sich ebenfalls zu dem Zeitpunkt auf der Insel fürs Leben am Sportstrand tummeln, dann können sich das gegenseitige Einschmieren gegen Sonnenbrand an diesem Tagen sparen – Jörg erledigt das gerne!

Quelle: http://www.langeoognews.de/langeoog-aktuell/aktuelles/eincremen-gegen-spende-am-sportstrand-10661/35bd4e69f1b3659ec7ec19ef4652670e/

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Ein schönes Beispiel, wie ich finde. Wer noch so schöne Beispiele kennt, kann sie mir gerne schreiben, so dass sie hier veröffentlicht werden können. Und nochmals Danke an die Redaktion der „Langeoog-News“ für die Abdruckgenehmigung.