Erlebnis bringt Ergebnis

Kindererlebnisse – oft noch nach Jahrzehnten präsent.

An welche Vorgänge erinnern Sie sich denn am ehesten? Gibt’s ein Mailing, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist. Hat eine Broschüre Ihre Aufmerksamkeit so gefesselt, dass noch nach Jahren die Gedanken an die Lektüren lebendig sind?

Meist sind es doch eher konkrete Erlebnisse, welche in unserem Gedächtnis verankert bleiben. Erlebnisse, welche mehrere unserer Sinne ansprachen.

Welche Erlebnisse bieten wir denn den Spendern und Stiftern? Und was macht ein wirkliches Erlebnis denn aus?

Emotionen bleiben

Ob Einschulung, der erste wache Silvesterabend, ein Umzug, Sonnenuntergang auf den Lofoten, … jeder von uns kennt sie, die unvergeßlichen Momente des Lebens. Momente, die sich in der Rückschau weiter verklären, verblassen, aber nicht verschwinden. Momente, die später in Gesprächen immer wieder thematisiert werden können, Erlebnisse, welche uns miteinander verbinden. Es sind meist die freudigen Erlebnisse, die wir in Erinnerung behalten. Die negativen verdrängen wir, die neutralen werden vergessen.

Können wir solche – freudigen oder besonderen – Erlebnisse auch Spendern und Stiftern bieten?

Ein kleines Beispiel: Bei einer – exklusiven, da auf 10 Personen beschränkten – Führung erleben Spender und wichtige Multiplikatoren Stuttgart bei Nacht. Natürlich ist es Herbst oder zeitiges Frühjahr, damit es früh dunkel und auch kühl ist. Wärmestube, Rotlichtviertel, Polizeiposten am Hauptbahnhof, „Stricher-Café“, Curry-Wurst – und viele authentische Geschichten aus dem Alltag von Sozialarbeitern, Polizisten, … das sitzt! Das ist eine Welt, die wir sonst  nicht kennenlernen. Ein Erlebnis!

Erlebnisse verbinden und tragen Früchte

Solche Erlebnisse verbinden. Sie verbinden die Teilnehmenden, sie verbinden auch mit den Veranstaltenden. Diese Verbindung trägt Früchte. Ja, Erlebnisse schaffen Ergebnisse – flapsig, aber wahr!

Wo erleben Spender und Stifter uns im Laufe ihrer Beziehung zu unseren Vereinen? Denken wir an die Stationen der Spenderbeziehung:

  • Erstkontakt
  • Beziehungsaufbau
  • Beziehungspflege
  • Entwicklung der Beziehung (Upgrade)
  • Abschied

Wen laden wir wann zu was ein?

  • Spender- und Stiftertreffen mit authentischen Berichten durch die Sozialarbeiter
  • Neuspender-Treffen
  • Kranz für verstorbene gute Spender (das sehen auch andere …)
  • Einladung zu Eröffnungen, Festen, Tage der offenen Tür …
  • Filme im Internet mit kurzem Einblick in die Arbeit

Oftmals heißt es in den Lehrbüchern, dass zur Pflege der Spenderbeziehung Veranstaltungen nur für sehr gute Spender eingesetzt werden sollten  – aus Kostengründen. Doch diese Spender sind uns eh schon sehr treu und gewogen. Gerade im Bereich der Neuspenderpflege – wo die Beziehung am fragilsten ist – halte ich emotionale Ereignisse für sehr wichtig.

Papier ist austauschbar, Mailings oft nicht trennscharf, das Internet bleibt meist unpersönlich. Menschen geben Menschen, so ein häufig zitierter Spruch. Dies umso mehr, wenn Menschen diese Menschen auch persönlich kennen lernen können.

Visitenkarten-Kollekte

Spenden – mit seinem guten Namen.

Bei Veranstaltungen wird häufig um eine Spende für einen sozialen Zweck gebeten. Am bekanntesten ist hier sicherlich das Opfer im Gottesdienst. Aber auch bei Jahresfesten, Familienfeiern, Spendertreffen, Besuchergruppen etc. steht häufig ein Körbchen auf einem Tisch oder am Ausgang mit einem Hinweis auf den zu fördernden Zweck. Bei Choraufführungen gibt es gerne die „verschärfte“ Variante, bei der jüngere Kinder die Körbchen halten und mit treusorgendem Augenaufschlag um finanziellen Nachschlag bitten.

Schön und gut, doch die Methode hat zwei Haken.

Problem Nr. 1: Bargeldmangel

Immer weniger Leute haben nennenswerte Bargeldbeträge in der Geldbörse. Bereits 8 €-Käufe werden heutzutage im Drogeriemarkt per Karte bezahlt … wer in der Schlange dahinter steht, weiß ein Lied davon zu singen. Entsprechend gering fallen dann oft die Kollekten aus.

Problem Nr. 2: Steuerlast

Beim Spenden fängt für viele erst bei einer in Aussicht stehenden Zuwendungsbestätigung (also der guten alten Spendenbescheinigung) der Spaß an. Papa Staat soll sich gefälligst am Spenden indirekt beteiligen. Und bei Bargeldspenden ins Töpfchen ist das nunmal ein Problem.

Eine Lösung: Lassen Sie Ihre Spender mit ihrem guten Namen spenden

In den USA kennen wir aus vielen Berichten die Fundraising-Dinner, -Lunches etc. Dort wird einfach per Kreditkarte oder Scheck bezahlt. Doch wer hat hierzulande zuletzt mal einen Scheck gesehen oder gar selber ausgestellt? Euroschecks sind längst abgeschafft …

Kürzlich hatten wir (d.h. mein Brötchengeber, die eva Evangelische Gesellschaft Stuttgart) die tolle Gelegenheit, bei einer großen Firmenmesse eines unserer Projekte präsentieren zu dürfen – im Plenum, anmoderiert vom Ministerpräsidenten, rund 600 Zuhörende Firmenvertreter. Ausgangsidee war, im Nachgang die Leute anzuschreiben und um eine Spende zu bitten. Doch das erschien mir zu weit weg.

Also positionierten wir uns am Ausgang mit einem kleinen Stand und einer Spendensäule, um dort – ganz klassisch – um Spenden zu bitten. Denn: Erlebnis bringt Ergebnis – direkt nach der emotionalen Info gibt man doch am ehesten.

Um nun die beiden oben genannten Probleme bei der Bargeld-Kollekte zu umgehen, wurde bei der Präsentation eine weitere Möglichkeit erwähnt, spenden zu können:

Geben Sie uns einfach Ihre Visitenkarte. Wenn Sie möchten, können Sie bereits einen Betrag notieren, um den wir Sie dann nach der Messe bitten dürfen.

Irgendwo hatte ich von dieser Idee mal gehört, aber sie selber nie eingesetzt. Hier schien nun der geeignete Moment, denn Visitenkarten haben sicher alle Messegäste bei sich.

Visitenkartenspenden schlagen Geldspenden

Unser kleiner Stand (nur Spendensäule und ein Roll-Up) war danach gut umlagert und wir erhielten eine Menge Scheine. Nur ein einziger Besucher warf Münzen ein. Das erste Ergebnis:

  • Rund 110 Geldscheine (geschätzt einer pro Person) wurden eingeworfen: 1548,- Euro
  • 8 Visitenkarten wurden mit Betrag eingeworfen: 2.270 Euro
  • 10 Visitenkarten wurden ohne Betrag eingeworfen: … wir warten aufs Ergebnis …

Wir waren vom Ergebnis doch sehr begeistert, denn dass Messebesucher für ein soziales Projekt spenden, wo doch ganz andere Themen im Vordergrund stehen, war sehr bemerkenswert. Allerdings hat mein Chef auch wieder 5 Minuten exzellent gesprochen und die Anwesenden emotional berührt.

Die Barspenden kamen von Privatpersonen – vielleicht auch Firmeninhabern. Die Visitenkartenspenden – so ist zu vermuten – werden Firmenspenden sein. Auch daher möglicherweise der höhere Betrag im Durchschnitt und absolut. Immerhin lagen zwei Karten bei 500 Euro!

Mein Fazit: Auch wenn nur relativ wenige Visitenkarten eingeworfen wurden, so schlägt deren Ertrag doch deutlich den der Geldspenden. Ich würde diese Methode unbedingt wieder einsetzen und vielleicht bereits im Vorfeld oder am Stand visuell für diese Methode der Spende werben.

Und … vielleicht ergibt sich aus diesen Kontakten ja eine stärkere Beziehung!