Fundraisers Erntedank

Weihnachtszeit ist Dankzeit!
Weihnachtszeit ist Dankzeit!

Meine Kolleginnen in der Spendenbuchhaltung haben in diesen Wochen viel zu tun. Eine weitere Kollegin ist mit mir dabei, täglich ca. 200-250 Dankbriefe anzupassen, auszudrucken und – natürlich mit Füller – zu unterscheiben. Handschriftliche Grüße ergänzen den einen oder anderen Brief und unser Vorstandsvorsitzender erhält täglich mehrere Unterschriftsmappen mit der Bitte, eine handschriftliche Karte beizulegen. Nicht vergessen möchte ich noch die Kollegen, welche die Briefe kuvertieren, die richtige Beilage dazugeben und mit den schönen Weihnachts-Wohlfahrtsbriefmarken bekleben.Ja, jetzt, kurz vor Weihnachten, ist nicht nur in den Kaufhäusern Hochbetrieb. Auch bei spendensammelnden Organisationen ist Hochsaison. Und bei der so erfreulichen Fülle an Aufgaben könnte man in Versuchung sein, über die längeren Arbeitstage und das gestiegene Pensum zu klagen. Aber das nehme ich so überhaupt nicht wahr. Das Gefühl ist eher …

…Dankbarkeit

Ja, wir sind unseren Freunden und Förderern dankbar. Und das bedeutet auch, dass wir jede Spende genau so sorgfältig verbuchen, bedanken und wertschätzen, wie an Tagen, wo nur wenige Gaben eingehen.

Beim unterschreiben der vielen Dankbriefe, beim lesen der Namen und der Spendenzwecke kommt fast eine meditative Stimmung auf. Manche Namen sagen mir etwas, einige kenne ich, andere sind mir (noch) ganz fremd. Was bewegt den einen oder die andere, unsere Arbeit zu unterstützen? Warum wurden gerade unsere Dienste als förderwürdig angesehen? Oder ein Unternehmen spendet gerade zum zweiten Mal 1.000 Euro – also waren sie mit unserer Arbeit, unseren Informationen zufrieden. Toll!

Dazwischen einge Anrufe: Eine Adresskorrektur wird durchgegeben, eine Sachspende angekündigt, eine Kochplatte für den im Spenderheft skizzierten Mann angeboten, zwei große Kisten veganen und exotischen Duschgels werden kurz vor Haltbarkeitsdatum von einer Familie vorbeigebracht (freut unsere Dienste bei der Straßenkinderarbeit) und so manche Geldspende wird persönlich abgegeben.

Weihnachtszeit ist Erntedank

Die Zeit vor Weihnachten erinnert mich etwas an die Erntezeit in der Landwirtschaft. Das ganze Jahr über haben wir mit unseren Informationen und Veranstaltungen, im übertragenen Sinne, gesät, gedüngt und gepflegt. Und nun ist – bildlich gesprochen – die Zeit der Ernte gekommen. Und wie in der Landwirtschaft ist dies die Hochphase der Arbeit.

Wir freuen uns über all die Freunde und Förderer, welche die Arbeit unterstützen und es uns im kommenden Jahr ermöglichen, erneut rund 14.000 Hilfesuchenden zur Seite stehen zu können. Und so ist für uns Heiligabend so etwas wie das Erntedankfest. Der Dank für all das Gegebene, das Empfangene, was wir dann wieder an die Kinder, Familien, Wohnungslosen, Kranken und Hilfsbedürftigen in Form unserer Hilfen weiterreichen dürfen.

Egal, was die Spendenbarometer, die Umfragen über stagnierende oder sinkende Spendenbereitschaft sagen. Ich freue mich über alle Menschen, welche wir Fundraisenden erreichen konnten. Ich freue mich über jeden, der sagt: „Meine Spende bewegt etwas, macht einen Unterschied!“ Und ich freue mich über jeden Fundraiser, jede Fundraiserin, welche dieses Engangement wertschätzen kann.

Fundraising ist mehr als ein Job. Es ist ein kleines bisschen Weltverbesserung. Und mehr können wir eigentlich nicht verlangen. Oder?

 

Osterbeilage – Reziprozität II

Schöne Beilagen - doch passen sie für ein Mailing?

Vor einiger Zeit schrieb ich über den psychologischen Effekt der Reziprozität und seine praktische Auswirkung auf das Fundraising. Zwischenzeitlich erhielt ich – als Kaltmailing, also ohne bisher Spender zu sein – einen Spendenaufruf des NABU mitsamt drei Beilagen (s. Bild nebenan). Nun, über das Mailing als solchem könnte man auch den einen oder anderen kritischen Satz verlieren. Aber darum soll es heute nicht gehen. Mich beschäftigt die Frage, ob die Beilage hier passt oder nicht – und welche Kriterien man zur externen Betrachtung anlegen könnte.

„Osterbeilage – Reziprozität II“ weiterlesen

Kann ich mir einen Dankbrief leisten?

Folgt bald die Gebührenordnung für Spenderdank?

Spendenwerbung muss billig sein, die Verwaltungskosten sind niedrig zu halten. Das ist eine nachvollziehbare Einstellung und auch unsere Spenderschaft ist dieser Meinung.

Wo diese Haltung immer wieder thematisiert wird, ist beim Dankbrief. Ja, interessanterweise wird der Dankbrief häufig als Kostentreiber angesehen. Und aus diesem Grund wird ihm ein Zahlschein beigelegt (was ich persönlich überhaupt nicht mag). Dazu erreichte mich auch der Kommentar …

„Viele Organisationen könnten sich ohne einen Zahlschein, in der Bedankung diese Form der Spenderbindung gar nicht mehr leisten.“

Oups: Das heißt doch im Klartext, dass die Spender am besten einen frankierten Rückumschlag senden sollten, „Kann ich mir einen Dankbrief leisten?“ weiterlesen

Psychologie: Gibst Du mir … (Reziprozität)

Reziprozität: Wir wollen nicht in der Schuld stehen

Wem helfen Sie am ehesten beim Umzug? Vermutlich jemandem, der Ihnen auch schon mal bei der Schlepperei geholfen hat. Wir fühlen uns in solch einer Situation etwas in der Schuld und wollen uns davon befreien. Auf die Einladung von Nachbarn zum Kaffee folgt unweigerlich die Gegeneinladung. Unter Psychologen firmiert dieses Verhalten als „Reziprozität“. Gleiches wird mit Gleichem vergolten, oder zumindest so, dass das Gefühl von Schuld nicht mehr besteht. Und so endete schon manche Einladung auf einen Drink ungeplant im Bett.

In der politischen Debatte erleben wir dieses Phänomen immer dann, wenn es um den Verdacht von Korruption geht. Ein Unternehmer bezahlt einem Politiker den luxuriösen Urlaubsaufenthalt. Auch wenn der Politiker nicht beabsichtigt, sich korrumpieren zu lassen, so besteht doch die große Gefahr, „Psychologie: Gibst Du mir … (Reziprozität)“ weiterlesen

Spender verabschieden sich, wenn …

Oft bleiben unsere Briefe unbeantwortet

Spender für die eigene gute Sache zu begeistern ist die eine Seite der Medaille. Spender dann bei der Stange zu halten und sie auf den langen Weg an die Spitze der Spender- oder Beziehungspyramide mitzunehmen ist die andere Seite. Und auf diesem Weg können wir eine ganze Menge falsch machen.

Bei einem Seminar hatte ich die Teilnehmenden einmal nach Gründen suchen lassen, warum sich Spender nach einer ersten Spende wieder von uns verabschieden. Zum Thema Spender-Loyalität gibt es zwar auch mittlerweile Literatur, doch hier nun die Liste der ungefilterten Aussagen der Seminarteilnehmer:

  • Anlass-Spender (Kranz, Geburtstag o.ä.) ohne Bezug zur Organisation
  • Lange nichts mehr von der Organisation gehört
  • Flatter-Spender (spendet impulsiv auf schöne Mailings)
  • Verärgert (wodurch?)
  • Keinen Dank erhalten
  • Keinen zeitnahen Dank erhalten
  • Kleine Testspende gemacht, keine Reaktion erhalten
  • Das Give-Away/ Willkommensgeschenk oder -paket war zu aufwändig
  • Die Zuwendungsbestätigung kam spät oder war falsch
  • Zuviele Anschreiben der Organisation
  • Falsche Adresse
  • Organisation hatte keine Zeit / Lust Adressrecherche zu betreiben
  • Ständig neue Themen, die Organisation wirkt unklar
  • Organisationskultur passt nicht zur Mission (z.B. Vorstands-Dienstwagen)
  • Sperrvermerke wurden ignoriert (Anschreiben, Dank, etc.)
  • Tolles Agenturmailing motivierte extrinsisch (Beilage etc.), aber kein Interesse an der Organisation

Gerne führe ich diese Liste fort – wer bietet mehr?

 

Wie hältst Du’s mit der Treue?

 Sind Sie ein treuer Spender?

 

Gute Frage, zumindest auf den ersten Blick. Doch was ist denn ein guter Spender? Die Antwortkategorien der Umfrage lauten:

  • Ja, ich spende zumeinst an dieselbe Organisation.
  • Nein, ich spende oft an eine andere Organisation.

Nun will ich nicht aus soziologischer Sicht über die Trennschärfe und Verständlichkeit dieser Frage schreiben, wenngleich das den Artikel deutlich verkürzen würde … 🙂  Diese Umfrage ist seit gestern (26.1.12) online auf dem Fundraising-Wiki. Und als ich diese Meldung heute auf Twitter las, kam spontan der Gedanke auf, ob es nicht viel sinniger wäre, folgende Frage zu stellen:

Bist Du eine treue Spendenorganisation?

Wie hältst Du als Spendenorganisation es denn mit der Treue zu Deinen Spendern? „Wie hältst Du’s mit der Treue?“ weiterlesen