Rezension: „Zukunftsorientiertes Stiftungsmanagement“

Wie schreibe ich eine wohlwollende Rezension, wenn ich mit einem Buch so gar nicht warm werde? Am besten ist wohl, ich lasse die Katze mit dem ersten Satz gleich aus dem Sack…

Das Buch „Zukunftsorientiertes Stiftungsmanagement“ vereint im Herausgeber- und Autor*innen-Kreis namhafte und in der Stiftungsszene bekannte und teils langjährig erfahrene Persönlichkeiten. Der Klappentext verspricht „einen umfassenden Überblick des strategischen Managements von Organisationen im Stiftungswesen und der damit verbundenen Erfahrungen.“ Mein Respekt vor der Mühe, welche die Redaktion und die Koordination der vielen Autor*innen sicher ausgelöst hat und Dank den Autor*innen, ihr Wissen teilen zu wollen.

Doch nun zu den Inhalten und dazu, warum ich mit dem Buch nicht warm wurde: Das Buch ist ein Sammelband. Das führt dazu, dass gefühlt in jedem zweiten Beitrag auf die Heterogenität des Stiftungswesen hingewiesen wird. Das nervt irgendwann. Vor allem stört mich sehr, dass die Artikel dann doch mehr oder weniger implizit auf Stiftungen einer gewissen Größe und Professionalisierung abzielen. Es ist ja schön, wenn man auf die vielen ehrenamtlich geführten Stiftungen hinweist. Es ist aber inkonsistent, wenn diese dann im Beitrag doch wieder unter den Tisch fallen und zum Beispiel im Fundraising der Fundraiser bei der Geschäftsführung angesiedelt werden soll – doch wieviel Prozent der Stiftungen haben so etwas überhaupt? Fallbeispiele sind hervorragend, um etwas lernen zu können. Fallbeispiele bringen nichts, wenn sie oberflächlich und ohne Hintergrund und Details dargestellt werden. Der 100. Beitrag zur Wirkungsmessung trägt nicht mehr ernsthaft zur Debatte bei, wenn er doch nur an der Oberfläche kratzt und keinen Praxisbezug aufweist. Wenn sich der Artikel zum Stiftungsmanagement darüber auslässt, man solle sich nicht „Durchwursteln“, „Verzetteln“ und vor dem „unnötigen Vergeuden von Ressourcen“ warnt, ist noch nicht einmal das Niveau einer studentischen Arbeit ernsthaft erreicht. Ärgerlich. Und dann gibt es noch einen Beitrag, dessen Fußnoten mehr Raum einnehmen als der Beitrag selber. Da fragt sich der Leser doch, wo das Lektorat geblieben ist

Wenn schon die Autor*innen reihenweise auf die Vielfalt von Stiftungstypen hinweisen, dann sollte sich so ein Buch doch auch mal damit befassen. Aber so bleibt es ein Sammelband von und für die üblichen Verdächtigen, wie sie sich zum Beispiel in den Arbeitskreisen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen finden. Doch für 95% der Stiftungen, so möchte ich plakativ (vielleicht auch übertrieben?) behaupten, bringt das Buch keinen Erkenntnisgewinn. Das Problem vieler Beiträge ist: Es steht nichts Falsches drin. Aber leider steht auch wenig Hilfreiches drin.

Der Sammelband ist ein Zeitdokument, um den Stand der Stiftungsdebatte rund um die Szene „Bundesverband Deutscher Stiftungen“, „Deutsches Stiftungszentrum“ und die darum angesiedelte Beraterszene zu dokumentieren. Er wird aufgrund der Autor*innen-Riege Eingang in die Universitätsbibliotheken und die entsprechenden Nonprofit-Studiengänge finden. Er wird auch die Regale der Autor*innen und der von einem professionellen Management geführten Stiftungen füllen. Aber er wird, so meine Vermutung, keine Verbreitung bei der Vielzahl der kleinen, mittleren und ehrenamtlich geführten Stiftungen finden. Er wird nicht helfen, das Gros der Stiftungen auf ein höheres professionelles Level zu heben. Denn dafür ist er viel zu abstrakt.

Berndt, Reinhard/Kreutter, Peter/ Stolte, Stefan (Hrsg.): Zukunftsorientiertes Stiftungsmanagement. Herausforderungen, Lösungsansätze und Erfolgsbeispiele. Springer Gabler Verlag (Wiesbaden). ISBN 978-3-658-19266-2.

Zum Rezensenten: Kai Dörfner (Fundraiser (FA), Stiftungsmanager (DSA)) ist seit 1999 mit Stiftungen befasst. Er konzipierte drei Gründungen von Gemeinschaftsstiftungen und ist seit 2003 Geschäftsführer einer großen, von ihm aufgebauten diakonischen Gemeinschaftsstiftung (17 Mio. Kapital, 11 Immobilien, 226 Stifter*innen – Stand 2018).

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