Verortung der Fundraising-Stelle im Aufbau der NPO

Wer als Fundraiser*in in einer NPO startet (von innen oder von außen kommend), muss erst einmal mit den gegebenen Zuständen in der Aufbau- und Ablauforganisation zurechtkommen. Ein Teil der Aufgabe ist, das Fundraising ideal in der NPO zu verorten und vernetzen.

Drei Modelle, wie Fundraising innerhalb einer NPO eingegliedert ist, dürften die meisten Fälle abbilden:

a) Fundraising als Stabsstelle zur Leitung der NPO:

Dieses Modell stellt meistens den Idealfall dar und wird in der Fachliteratur empfohlen. Es ist eine Struktur, welche sich in der Praxis bewährt hat.
Fundraising wird dabei als Stabsstelle zum Vorstand bzw. der Geschäftsführung eingerichtet. Damit sind kurz Wege und eine ideale Kommunikation zur NPO-Spitze möglich. Je nach Größe der NPO kann diese Stabsstelle eine ganze Abteilung darstellen.

Positiv

  • Nähe zur Leitung (Spenderkommunikation).
  • Leichte Absprache zur Spenderkommunikation.
  • Schnelle Freigabe von Mailings etc.
  • Verständnis für Fundraising lässt sich in Regelgesprächen vermitteln.

Negativ

  • Wenn die Leitung zu gefordert ist oder kein Verständnis für FR hat, steht man schnell allein auf weiter Flur. Dann wird der Vorteil der 1:1-Kommunikation zum Nachteil.
  • Fundraising ist Führungsaufgabe. Aber wenn der Vorstand oder die Geschäftsführung nicht mag oder nicht kann, muss eine andere Lösung gefunden werden. Vorstände z.B. in Misch-NPOs haben oft eine Vielzahl an Aufgaben, so dass man realistisch nicht davon ausgehen kann, dass Fundraising automatisch zu den Lieblingsthemen gehört.

Wir finden diese Idealzuordnung in den vielen kleinen und mittleren NPOs häufig nicht vor. Fundraising hat sich „irgendwie“ entwickelt und wurde aufgrund aktueller persönlicher und struktureller Konstellationen verortet. Typisch sind dann die beiden nächsten Modelle:

b) Fundraising als Teil der Finanzabteilung oder des Rechnungswesens

Da Fundraising »irgendwie mit Geld zu tun hat«, wird diese Konstellation manchmal gewählt oder hat sich so entwickelt. Da sich der monetäre Aspekt des Fundraisings im Alltag auf das Verbuchen von Spenden beschränkt, ansonsten in erster Linie Marketing- und Kommunikationsarbeit ansteht, ist das eher eine Notlösung. Der Vorteil liegt klar in der Nähe zur Spendenbuchhaltung, welche in anderen NPOs manchmal in einer parallelen Abteilung liegt. Wenn die Leitung des Bereichs sich nur für Zahlen interessiert und zugleich wenig Verständnis für das Fundraising als Kommunikationsaufgabe hat, wird die Arbeit schwerfallen. In diesem Fall sollte eine Verlagerung des Fundraisings in eine andere Abteilung oder als Stabsstelle angestrebt werden.

c) Fundraising im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Hier ist Fundraising gar nicht so schlecht aufgehoben. Die Gemeinsamkeiten von Fundraising und Presse-/Öffentlichkeitsarbeit sind nicht von der Hand zu weisen. Und es gibt sehr gut funktionierende Modelle, wie das in einer Abteilung funktionieren kann. Vorteil ist, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit traditionell direkt an der Leitung der NPO angedockt ist. Damit ist auch die Nähe des FR zur Leitung gegeben. Ein weiterer Vorteil ist, dass man, gerade wenn man allein für das Fundraising in der NPO zuständig ist, Kolleginnen zum direkten Austausch hat. Der Nachteil dieser Konstellation kann darin liegen, dass bei einer reinen Presse-Fokussierung der Kolleginnen, die Marketing-Aspekte unter den Tisch fallen. Und es besteht die Gefahr, dass die Fundraising-Stelle als willkommene Aufstockung für den Bereich angesehen wird. Plötzlich ist man mit Veranstaltungsmanagement oder Öffentlichkeitsarbeits-Publikationen ohne Fundraising-Bezug beschäftigt, denn die Abgrenzung zwischen FR und ÖA ist manchmal sehr fließend.

Tipp für die Praxis

Fundraising ist im Idealfall direkt an der Leitung der NPO angesiedelt. Das geht aber von einer Leitung aus, welche sich mit dem Arbeitsfeld Fundraising identifiziert.

In vielen Beratungsgesprächen dreht sich das Denken von Fundraiser*innen um diese „ideale Struktur“. Und häufig wird dabei das Kerngeschäft Fundraising vernachlässigt. Anstelle die vorhandenen Freiheiten für das Fundraising zu nutzen, arbeitet man sich an der gegebenen Struktur ab und hofft auf einen Idealzustand.

Das Abarbeiten an Strukturen und das Streben nach dem in Literatur und Vorträgen propagierten Idealzustand kostet viel Kraft. Wirkungsvoller ist ein pragmatischer Ansatz mit Fokus auf das Fundraising-Kerngeschäft. Nutzen Sie alle Freiheiten, welche Ihnen geboten werden. Und erst dann, wenn Sie wirklich an eine Grenze aufgrund der Struktur stoßen, überlegen Sie sich planvoll, wie Sie diese Grenze – alleine oder mit Unterstützung – überwinden können. Die Aufbau- und Ablauforganisation in Ihrer NPO können Sie nach ersten Erfolgen im Fundraising immer noch diskutieren.

Wesentlich bedeutsamer als die hierarchische Einordnung in den Aufbau der NPO ist das Verhältnis zu dem/der direkten Vorgesetzten und die von ihm/ihr erfahrene Unterstützung. Ob das direkt die Spitze der NPO ist, ist zweitrangig.
Auch wenn es in manchen Lehrbüchern so klingt: Als Fundraiser*in sind wir nicht die wichtigsten Personen in einer NPO. Wir tragen unseren Beitrag zum Gelingen bei, aber das tun andere auch. Im Alltag ist wichtiger, dass die Schnittstellen auf der Arbeitsebene zu den anderen Arbeitsbereichen/Abteilungen passen.

2 Gedanken zu „Verortung der Fundraising-Stelle im Aufbau der NPO“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu.