Entspannter sein

brunnenKönnen Perfektionisten zufrieden sein? Ich habe da so meine Zweifel. Zumindest dann, wenn ein Perfektionist mit anderen – nicht perfekten – Menschen zusammenarbeiten muss. Perfektionismus ist eine Welt für sich. Er braucht feste Regeln. Und er braucht vor allem Grenzen. Denn Grenzen schützen vor der unperfekten Welt, vor dem Chaos hinter der Mauer, in der anderen Abteilung, am Nachbarschreibtisch.

Perfektionismus ist auch prima, um nie fertig werden zu müssen. Wie viele unvollendete Flyer, Broschüren, Konzepte, etc. lagern in unseren Ablagen? Manchmal schützt Perfektionismus auch vor dem Anfangen, wenn das letzte Quäntchen Unsicherheit uns vom Projektstart abhält. Wir wissen ja nicht, was wäre, wenn …

Auch Fundraiserinnen und Fundraiser sind manchmal in der Perfektionismus-Falle gefangen. Am stärksten merke ich es dann, wenn wir mit den Umständen an unserem Arbeitsplatz hadern. Wenn wir nicht so in die Struktur eingebunden sind, wenn wir nicht die Kompetenzen haben, wie es uns in all den schönen Handbuchartikeln als Ideal vorgestellt wird.

Perfektionisten arbeiten sich an so etwas ab. Sie wissen, wie die Welt sein müsste, und sie setzen alles daran, dass sie so wird. Das tut meist allen Beteiligten nicht gut. Die Perfektionisten reiben sich auf, das Umfeld reibt sich an den Perfektionisten und das, worum es eigentlich geht, gerät in den Hintergrund. Ergebnis von Perfektionismus ist meist Unzufriedenheit. Aber ist allgemeine Unzufriedenheit das, was wir als spendensammelnde Organisation leben und vermitteln wollen?

Unser Ziel als Fundraiserinnen und Fundraiser ist es, ausreichend und nachhaltig Förderer für die benötigten Mittel unserer Organisation zu finden. Wir müssen begeistern können. Wir müssen eine gewisse Entspanntheit vermitteln. Das muss im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen. Unsere Projekte sind nicht perfekt, unsere Förderer sind es auch nicht. Warum müssen wir perfekt sein? Wir müssen optimistisch und mit Vertrauen ausgestattet sein. Optimismus und Vertrauen, das sind Leitwährungen im Fundraising.

Wer als Perfektionist sich nur mit den mangelhaften Aspekten seiner Arbeit beschäftigt, verliert den Fokus auf das Wesentliche. Das heißt nicht, dass wir nicht unser Bestes geben dürfen. Aber wir müssen erkennen, dass es immer mehrere Wege gibt und wir das große Ganze im Blick haben müssen.

Und wenn das Umfeld in der eigenen Organisation nicht ideal ist: Es sollte uns nicht daran hindern, das Beste daraus zu machen. Der richtige Augenblick kommt nie, die ideale Welt ist eine Utopie. Wir Menschen sind nicht perfekt. Gut so!

Oder kurz: entspannte Fundraiser sind gute Fundraiser.

Ein Gedanke zu „Entspannter sein“

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