Fallstricke beim Rechnungsnachlass gegen Spendenbescheinigung

Rechnungsnachlässe von Firmen gegen Zuwendungsbestätigung (Spendenbescheinigung) sind immer wieder eine Quelle der Unsicherheit von Fundraiser*innen und Mitarbeitenden in der Buchhaltung von NPOs.

Diese Tage erreichte mich ein in doppelter Hinsicht bemerkenswertes Exemplar. Kurz skizziert stand auf ihr folgender Text am Ende einer langen Aufzählung von Gewerken:

Firma Müller Rollladenbau GmbH, Musterstraße 1, 12345 Musterstadt. 
Geschäftsführer: Max Müller, Ines Müller, Johanna Müller. 

(...)
Summe netto:        10.000,00 Euro
abzgl. Spende:       3.000,00 Euro
Summe netto:         7.000,00 Euro
Mehrwertsteuer 19%:  1.330,00 Euro  
Summe brutto:        8.330,00 Euro

Bitte lassen Sie uns über den Betrag in Höhe von 3.000 Euro eine Spendenbescheinigung an Max Müller, Musterstraße 1, 12345 Musterstadt zukommen. 
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Bittbriefe oder Bettelbriefe?

Mit manchen Sachen kann man mich ja ärgern. Eine solche Sache ist ein Wort. Ein ganz bestimmtes Wort. Es vergeht kein Einführungsseminar im Fundraising, in welchem es nicht mindestens einmal fallen würde. Und sogar von Fundraiser*innen habe ich dieses Wort bereits gehört:

Bettelbrief.

Bettelbrief ist ein Wort, welches ich überhaupt nicht mag. Es ist ein Wort, bei welchem sich mir die Nackenhaare aufstellen und ich in Abwehrhaltung gehe. Bettelbrief, das klingt so fürchterlich abwertend gegenüber den eigenen und fremden Spenden-Mailings. Und dann bedeutet Bettelbrief ja auch, dass wir als Fundraiser*innen betteln würden. Das gefällt meinem Selbstbild überhaupt nicht.
Doch warum sitzt dieser Begriff so in den Köpfen und was wären denn die Alternativen?

Spendenwerbung / Fundraising hat das Ziel, benötigte Mittel (meist Geld, oft auch Mitarbeit, Sachleistungen, Unterstützung) für einen guten, gemeinnützigen Zweck zu erhalten. Dazu müssen wir uns mit anderen Menschen verständigen. Vier grundlegende Ansätze fallen mir dazu ein.

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Ethik im Fundraising: eine Fallgeschichte und meine Meinung dazu

Diese Tage machte mich ein Kollege auf einen Beitrag der Sendung Panorama in der NDR-Mediathek aufmerksam. In dem Beitrag geht es darum, dass Seniorenberater der Malteser im Rahmen einer Beratung zum Hausnotruf für eine Fördermitgliedschaft werben. Diese Werbung wird provisionsbasiert honoriert und ist Teil der Zielvorgabe des Arbeitsvertrages:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Foerdermitgliedschaft-Die-Tricks-der-Malteser,malteser124.html

Auf Facebook habe ich diesen Sachverhalt kurz gepostet mit meiner Einschätzung, dass ich dieses Verhalten für ethisch zweifelhaft halte und den Ethik-Ausschuss des Deutschen Fundraisingverbandes um Befassung bitte. Wohlgemerkt, es handelt sich dabei um meine Einschätzung, nicht um ein Urteil. Inhaltlich begründete ich dies wie folgt:

  • Koppelung einer Beratung bei Senioren mit Fördermitgliedwerbung,
  • monatliche Zielvorgabe für Seniorenberater von 1.250 Euro,
  • die vom Geschäftsführer im Interview genannte Zielklarheit als Christlicher Organisation, welche dies rechtfertigen soll.

Nachdem ich den Eindruck hatte, dass die Debatte auf Facebook (siehe Zitate unten) etwas querfeldein verläuft und mit meiner Ausgangsfeststellung nicht mehr viel gemein hat, hier meine differenziert dargestellte Sicht. „Ethik im Fundraising: eine Fallgeschichte und meine Meinung dazu“ weiterlesen

Plakative Ethik, die niemandem hilft

So, sie tun’s mal wieder: öffentlichkeitswirksam auf Geld verzichten. Dieses Mal auf Mittel der EU und der Bundesrepublik Deutschland. Wie „Ärzte ohne Grenzen“ heute mitteilen, werden sie aus Protest gegen die Abschottungspolitik der EU gegenüber Flüchtlingen, ab sofort auf die Beantragung und Annahme von Mitteln der EU und ihrer Mitgliedsländer (+ Norwegen) verzichten.

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/aerzte-ohne-grenzen-stopp-eu-gelder

Zitat:

Die Organisation verzichtet damit auf Finanzierungen in Höhe von derzeit rund 50 Millionen Euro jährlich und setzt verstärkt auf Privatspender.

Ach wie schön ist es doch, wenn man es sich moralisch so leicht machen kann. Gut, dass es Privatspender gibt. Und die 50 Millionen können dann ja anderen Haushaltspositionen zugute kommen, E-Auto-Prämien oder Flughafenbauten. „Plakative Ethik, die niemandem hilft“ weiterlesen

Wie lauter sind Spendenshops?

T-Shirts und Unterwäsche bestellen, aber Schlappen und Hemd geliefert bekommen? Kein Problem, wenn es ein Spendenshop ist.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

-> Sie bestellen bei einem Online-Shop 2 Pullover, 1 Hose und 4 Paar Socken.

-> Geliefert werden dann aber 7 T-Shirts.

-> Verwundert blicken Sie auf die Rechnung und dort steht etwas von FAQ.

-> Sie lesen die FAQ auf der Website des Unternehmens. Dort steht dann:

2. Wenn ich z.B. ein T-Shirt in den Warenkorb lege, wird dann davon wirklich ein T-Shirt geliefert?

Nein. Die Produkte werden nicht 1:1 geliefert, sie stehen vielmehr symbolisch für die Produkte, die unsere Kunden benötigen. In unserem Shop finden Sie beispielhafte Produkte, die unsere Kunden täglich tragen. Ihr Einkauf wird dabei immer so ausgeführt, wie unsere Lagerbestände gerade sind.

Ich glaube, niemand von uns würde jemals wieder bei so einem Laden einkaufen.

Aber warum wird dann in einem bedeutenden Teil der Fundraising-Szene genau so ein Verhalten toleriert und als vertretbar gut geheißen? Ich hatte bereits einmal meine deutliche Irritation über das grenzwertige Angebot in Spendenshops geschrieben gehabt. Häufig sind diese Shops nichts anderes als die gute alte „Shopping-List“, also eine beispielhafte Darstellung, was aus einer gespendeten Summe x finanziert werden kann.

Nun stoße ich auf Tipp meines Kollegen Clemens Matern erneut auf einen solchen Shop und ich ärgere mich ganz enorm. Denn hier ist das System einfach perfektioniert. Der Spendenshop der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung sieht hervorragend aus und ist optisch und funktional wunderbar programmiert. „Wie lauter sind Spendenshops?“ weiterlesen

Zahlenspiele

Es wird viel gerechnet, um Spender zu überzeugen.
Es wird viel gerechnet, um Spender zu überzeugen.

Was kostet’s? Die Frage, um die sich so vieles dreht.

Was bei einem Paar Schuhe noch sehr einfach zu beantworten ist – siehe Preisschild -, wird beim Handy schon schwieriger. Anschaffungs- und Folgekosten, 12 oder 24 Monate strapazieren unser Rechenvermögen.

Aber das ist ja noch gar nichts gegen die Rechenkünste, welche wir Vertreter von gemeinnützigen Organisationen unseren Förderern auf den Weg geben. Diese Tage stieß ich auf zwei Rechnung(en). Dabei gibt es eine Organisation A, welche Bildung für Entwicklungshilfearbeit betreibt und als Hauptzweck Spenden für die entsprechende Arbeit von Organisation B einwirbt. „Zahlenspiele“ weiterlesen

Spenden bedanken – Spender würdigen

Stifterwand - Würdigung ohne Bezug auf die Höhe der Zustiftung.
Stifterwand – Würdigung ohne Bezug auf die Höhe der Zustiftung.

Dankbriefe und den Akt des Dankens halte ich für wichtig im Fundraising. Das habe ich schon häufig geschrieben. Und ich denke nach wie vor, dass grundsätzlich jede Spende bedankt werden soll.

Nun erreicht mich regelmäßig die Frage, ob das denn

  • unter wirtschaftlichen Aspekten vertretbar sei und
  • ob es nicht doch einen großen Unterschied mache, ob jemand 10 oder 1.000 Euro spendet.

„Spenden bedanken – Spender würdigen“ weiterlesen

Müssen Sie Ihr Gehalt reinbringen?

Fundraising muss mehr, als nur auf "Null" aufgehen. Fundraising ist ein Hebel.
Fundraising muss mehr, als nur auf „Null“ aufgehen. Fundraising ist ein Hebel.

Kürzlich erreichte mich bei einem Seminar in der Mittagspause nach längerer Zeit wieder die Frage: „Müssen Sie Ihr Gehalt eigentlich über Spenden reinbringen?“ Wer jetzt schmunzelt, dem sei gesagt, dass ich diesen Satz schon häufiger gehört habe.

Von wem hörte ich diesen Satz am häufigsten? Es sind nach meiner Wahrnehmung in erster Linie neue Fundraiser/innen, welche ganz oder neben einer Haupttätigkeit in einer gemeinnützigen Einrichtung, das Fundraising neu aufbauen sollen und noch keine beruflichen Erfahrungen im Fundraising haben. Aber auch aus kirchlichen Kontexten habe ich diese Frage schon gehört, von Pfarrern oder Fundraising-Beauftragten verschiedener Ebenen.

Wie kommt es zu diesem Satz, „Müssen Sie Ihr Gehalt eigentlich über Spenden reinbringen?“ Folgende Erklärungsmuster sehe ich: „Müssen Sie Ihr Gehalt reinbringen?“ weiterlesen

So nicht: Mailing mit Druck

Rosenkranz in einem Spendenmailing
Maximaler Druck: Beiliegender Rosenkranz in einem Mailing.

Grauslich, was einem manchmal in die Hände fällt. In diesem Fall ist es ein Spendenmailing des „Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V.“ Als Absenderadresse wird Niederaula angegeben, laut Homepage und DZI ist das Büro aber in Berlin zu finden.

Das Mailing ging an die Mutter (ca. 80 Jahre alt) einer Kollegin. Rund 1 cm dick ist es, in einer durchsichtigen Weichplastik-Verpackung kommt es an. Hier das Package mit vierseitigem Brief und einem Prospekt mit Anleitung zum Rosenkranz-Gebet: „So nicht: Mailing mit Druck“ weiterlesen

Ehrlich sein – auch im Kleinen

Ein "Disclaimer", der im 21. Jahrhundert deplaziert ist.
Ein „Disclaimer“, der im 21. Jahrhundert deplaziert ist.

Eine kleine Unehrlichkeit, die vermutlich nur noch aus Gewohnheit geschieht. Aber weil sie so penetrant ist – mir fällt sie seit über 10 Jahren auf -, muss ich es doch mal loswerden.

Liebe Verantwortliche des Fundraising von Bethel: Bitte verzichtet doch endlich auf den nebenstehenden Absatz in Euren Mailings.

Es ist geheuchelt bis zum geht-nicht-mehr, wenn behauptet wird, dass der Überweisungsträger nur deswegen im Briefumschlag ist, weil sich damit der Versand des ¨Bote von Bethel¨ so einfach und preiswert adressieren lässt. Es ist eine sehr gebogene Wahrheit, wenn ich lese, dass natürlich niemand durch die Zusendung des Zahlscheins zu einer Spende genötigt werden soll. Der gesamte Brief, Zahlschein, Inhalt des ¨Boten¨ dreht sich um nichts anderes, als darum, Menschen zu einer Spende, einer Geburtstagsaktion oder einem Vermächtnis für Bethel zu bewegen.

Dieser verschämt-verdruckte Absatz, der leider – und deshalb schreibe ich es so deutlich – von einigen Werken im evangelisch-pietistischen Milieu kopiert wurde, ist im Jahre 2014 nicht mehr glaubhaft. Das ist ein Absatz, der die Lesenden für einfältig hält und drückt ein Menschenbild der Spender aus, welches – davon bin ich überzeugt – in der Organisation selber längst nicht mehr gelebt wird. Solch ein Passus strahlt letztendlich auf die gesamte Kommunikation aus, zumindest unbewusst.

Also: Bitte streichen! Mit etwas Glück fällt er auch irgendwann bei all den Nachahmern weg, welche „blind“ kopieren, was das große Traditionswerk und Vorbild im Fundraising macht..

Hier übrigens das gesamte Zahlschein-Formular (persönliche Daten verfälscht):

Zahlschein- und Lastschrift-Formular von Bethel.
Zahlschein- und Lastschrift-Formular von Bethel.

PS: Als ich bei meinem Arbeitgeber anfing, war dieser Absatz auch auf den Mailings drauf. Das war 2002. Dieser Passus fiel als erstes weg.