Die Unterschrift macht den Dank zum Dank

Eigentlich hätte die Überschrift auch „Qualitätssicherung durch unterschriebene Dankbriefe“ heißen können. Aber fangen wir mal von vorne an: In Seminaren ernte ich häufig Unverständnis, wenn ich berichte, dass wir (also meine Kolleg*innen und ich) jeden Dankbrief eigenhändig mit Füller unterschreiben. Denn das, so die Meinung, wäre doch nun wirklich unnötig im Zeitalter guter Scanner und leistungsfähiger Farbdrucker. Oder wie ein Kollege meinte: „Dafür haben wir einen Unterschriftsautomat gekauft. Der beherrscht drei verschiedene Unterschriften des Vorsitzenden und schreibt mit Tinte, da merkt kein Spender einen Unterschied.“ „Die Unterschrift macht den Dank zum Dank“ weiterlesen

Was soll ich denn schreiben? Tipps für schöne Dankbriefe.

Wenn zu jeder Spendenbitte ein eigener Dankbrief verfasst wird, so kommen im Laufe der Jahre doch ganz schön viele Dankbriefe zusammen. Und da kann es einem schon einmal schwer fallen, erneut einen ansprechenden Text entwerfen zu müssen.

Grundgerüst des Dankbriefes

Aber beginnen wir erst mit dem Grundgerüst des Dankbriefes, den Essentials. Folgende Elemente enthält ein guter Dankbrief: „Was soll ich denn schreiben? Tipps für schöne Dankbriefe.“ weiterlesen

Wie viele verschiedene Dankbriefe brauche ich?

In Seminaren komme ich immer wieder auf das Thema der Beziehungspflege zu Spenderinnen und Spendern zu sprechen und damit zwangsläufig zum Dankbrief. Meine Einstellung ist, dass von wenigen Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich jede Spende zu bedanken ist.

Nun erreichte mich die Frage, wie viele Dankbriefe man denn pro Jahr schreiben müsse.

Also, mal kurz skizziert, wie ich mir eine nützliche Dankbrief-Häufigkeit vorstelle: „Wie viele verschiedene Dankbriefe brauche ich?“ weiterlesen

Raus aus den Spenderklischees und Fundraising-Strukturfallen

Spender-Schubladen
In welche Schubladen stecken Sie Ihre Förderer? Und was bedeutet das im Alltag?

Jan Uekermann hat eine Erfahrung gemacht, die ihm nicht gefiel. Auf eine bedeutende Spende in Höhe von 500,- Euro, online getätigt, gab es eine blitzschnelle automatische Bestätigungs-E-Mail. Doch dabei blieb es dann auch. Keine persönliche E-Mail danach, kein Anruf, kein Dankbrief. Nun sind 500,- Euro sicher nicht nur für Jan eine höhere Spende. Als Einzelspende bewegt sich das schon in den oberen 5-10% der Spendenbeträge. Die Begründung der Organisation auf Nachfrage war dann, dass Offline-Spenden offline und Online-Spenden online bedankt werden. Punkt. Im Blog von RaiseNow beschreibt er seine Erfahrung. Seine Erwartung fasst er wie folgt zusammen:  „Aber hey, ich denke dass ich auf so eine Spende doch wohl erwarten darf, dass mir dafür nochmal persönlich gedankt wird, gerne ja via E-Mail, dürfte aber auch ein Brief sein – so, wie ich viele Spendenbriefe dieser Organisation erhalte.“

Eine andere Erfahrung schildert die Bloggerin fraurebis. Ein Arzt, unbestrittene Koryphäe seines Faches, wird von eben jener Krankheit betroffen, welche er sonst heilt. Nicht nur, dass ihn – den Fachmann – niemand behandeln will und er viel in der Auseinandersetzung mit einem fachfremden Kollegen über sich und seine Erkrankung erfährt. Er erfährt auch, wie es sich als Patient lebt und wie dies seine Haltung, als er wieder als Arzt tätig wird, zu den Patienten verändert. Jetzt ist ihm klar, was die Patienten von ihm als Arzt erwarten, wie viel Überflüssiges kommuniziert wurde und wie sich das hilflose Liegen anfühlt.

Szenenwechsel – Fundraising-Bühne: Was wissen wir von den Spenderinnen und Spendern, welche wir zu hunderten, zu tausenden, zu hunderttausenden anschreiben? Wissen wir mehr als Seniorinnen-Klischees, als Stichworte zu Sinus-Milieu-Kartoffeln? Wer von uns hat regelmäßig Kontakt zu Spenderinnen und Spendern? „Raus aus den Spenderklischees und Fundraising-Strukturfallen“ weiterlesen

Ein Stein für den Klosterplatz

Gespaltene Fluss-Steine als Spender-Boden vor dem Kloster Einsiedeln.
Gespaltene Fluss-Steine als Spender-Boden vor dem Kloster Einsiedeln.

Ein haltbarer Dank soll es sein, eine Wertschätzung mit Sichtbarkeit – so sind Stifterwände und Spendentafeln konzipiert. Wir finden sie mittlerweile an vielen Stellen. Ich sah solche Namenstafeln auf Holzschindeln an einer Wandervereinshütte, auf Plexiglas im Innenhof eines Caritasverbandes, auf Messing in Museen, in kleinen oder größeren lasergravierten Klinkerausführungen etc. Solche Wände haben eine mehrfache Funktion. Sie sollen

  • an den Spender / die Spenderin öffentlich erinnern,
  • den Dank für die Gabe dauerhaft ausdrücken und
  • andere Menschen motivieren, ebenfalls zu spenden oder zu stiften.

Je nach kultureller oder sozialer Prägung ist ein solcher öffentlicher Dank nicht gewünscht. Statt dessen wird der Dank z.B. bei einer Stifterwand „Im Angedenken an ….“ (verstorbene Menschen, welche dem Stifter etwas bedeuten) ausgeführt, oder ein schlichtes „Danke!“ als Platzhalter für anonym bleibende Spender formuliert.

Vor dem Kloster Einsiedeln stieß ich auf eine auch ansprechende und sehr schön integrierte „Spenderwand“. Im Zuge einer langjährigen Sanierung des Kloster-Vorplatzes wurde der Bodenbelag neu angelegt. Die historischen verlegten, gespaltenen Flußsteine, wurden wieder verwendet. „Ein Stein für den Klosterplatz“ weiterlesen

Einmal ist keinmal – oder: Die zweite Spende zählt!

How would you change your fundraising ...Ich behaupte gerne, dass Fundraising etwas mit dem richtigen Leben da draußen zu tun hat. In meinen Seminaren verwende ich häufig Vergleiche aus dem zwischenmenschlichen Beziehungsleben, um den einen oder anderen Ansatz zu illustrieren. Vielleicht mag das damit zu tun haben, dass ich Fundraising als beziehungsorientierte Tätigkeit verstehe. Und deshalb will ich in diesem Text einmal mit einer solchen Analogie beginnen:

Gibt es einen Unterschied in der Anmache, wenn ein Mitte-20-Jähriger eine Frau als One-Night-Stand ansieht, oder als potentielle (Lebens)-Gefährtin?

Spontan würde ich sagen: Ja!

Doch was macht nun den Unterschied aus? „Einmal ist keinmal – oder: Die zweite Spende zählt!“ weiterlesen

Spenden bedanken – Spender würdigen

Stifterwand - Würdigung ohne Bezug auf die Höhe der Zustiftung.
Stifterwand – Würdigung ohne Bezug auf die Höhe der Zustiftung.

Dankbriefe und den Akt des Dankens halte ich für wichtig im Fundraising. Das habe ich schon häufig geschrieben. Und ich denke nach wie vor, dass grundsätzlich jede Spende bedankt werden soll.

Nun erreicht mich regelmäßig die Frage, ob das denn

  • unter wirtschaftlichen Aspekten vertretbar sei und
  • ob es nicht doch einen großen Unterschied mache, ob jemand 10 oder 1.000 Euro spendet.

„Spenden bedanken – Spender würdigen“ weiterlesen

Der andere Spendenstein

Dreingabe für Spender - ein Original-Stein des Alten Schlosses Stuttgart.
Dreingabe für Spender – ein Original-Stein des Alten Schlosses Stuttgart.

Diese Tage erhielt ich das aktuelle Förderermagazin des Landesmuseum Württemberg (Altes Schloss). Darin war ein Spendenprospekt, der für einen Beitrag zur Renovierung des Museums warb. Was mir sofort ins Auge stach, war der überall präsent dargestellte Stein mit der Aufschrift „Mein Stück Altes Schloss“.

Jeder Spender erhält ab einer Spende von 50 Euro ein Exemplar dieses Steines. Das besondere dabei ist: Die Steine stammen tatsächlich vom Alten Schloss, dem Sitz des Landesmuseums Württemberg. Sie sind die Reste einer Mauer, welche bei einem Durchbruch weichen musste.

Ich finde diese Idee sehr ansprechend. Für echte Fans ist es sicher reizvoll ein Stück dieses alten Gemäuers in Händen zu halten, in der Wohnzimmervitrine auszustellen. Eine Idee übrigens, die zuvor schon nur einen Kilometer entfernt erfolgreich war. Damals hatte die Staatsgalerie Stuttgart ihren markanten grünen Noppen-Bodenbelag ausgetauscht und die noch ordentlich erhaltenen Stücke in handlichen Größen im Museumsshop verkauft.

Tipp: Planen Sie eine Renovierung? Ist es ein Gebäude mit „Erinnerungswert“? Dann überlegen Sie doch mal, ob Sie von dieser Aktion etwas lernen können. Alte Dachziegel des Kirchturms, …  „Devotionalien“ lassen sich aus vielem machen.

 

Happy End – Spender gut verabschieden

Ein guter Abschied rundet eine Spenderbeziehung erst so richtig ab.
Ein guter Abschied rundet eine Spenderbeziehung ab.

Wir geben uns im Allgemeinen viel Mühe, wenn es darum geht, neue Spender in einer Organisation willkommen zu heißen. Zumindest ist es uns eine Menge Papier wert, wenn ich mir die Begrüßungs-Umschläge so ansehe, die ich erhielt. Doch wie sieht es aus, wenn uns Spenderinnen und Spender verlassen?

Gute Abschiede sind selten

Wenn Spender nicht mehr spenden (möchten, können), dann erfahren wir das nicht immer direkt. Die meisten verlassen uns still und leise. Doch bei zwei Förderergruppen erhalten wir in der Regel eine direkte Mitteilung: Lastschrift-Spender (Paten etc.) und verstorbene Spender. Bei letzteren erfolgt die Info häufig durch deren Angehörige.

Wie komme ich nun darauf, dass gute Abschiede selten sind? „Happy End – Spender gut verabschieden“ weiterlesen

Geht raus!

Raus gehen! Dorthin, wo die Arbeit geleistet wird, für die wir werben.
Raus gehen! Dorthin, wo die Arbeit geleistet wird, für die wir werben.

Fundraiser müssen auch mal raus. Nein, ich spreche nicht von zu hohem Kaffeekonsum und schwacher Blase. Und ich denke heute auch nicht an Besuche bei Spenderinnen und Spendern. Mein Thema heute ist: Fundraiser müssen raus zu den eigenen Einrichtungen, Diensten, Angeboten.

Wer Geschichten erzählen will, muss dies authentisch tun können. Und eine Erzählung aus dem eigenen Erleben kommt immer viel besser rüber als sämtliches angelesene Wissen aus Jahresberichten oder Erzählungen Dritter.

Als ich meine Stelle vor 12 Jahren antrat, schickte mich mein Chef erst mal auf eine große Tour durch 30-40 unserer Angebote (von damals rund 100). Und so hielt ich es auch, als ich vor 7 und 1 1/2 Jahren neue Stellen schuf. Auch die damals neue Kollegin und der neue Kollege gingen die ersten Monate fleißig auf Hospitationen durch die verschiedensten Angebote.

Anfangs sind wir immer etwas skeptisch, wie das wohl in den Diensten ankommt. Sind wir willkommen? Werden wir als „Kontrolle“ wahrgenommen? Doch die Erfahrung zeigt, dass wir praktisch überall sehr willkommen waren und sind. Endlich interessiert sich jemand aus der Zentrale für unsere Arbeit, so klang es manches Mal durch. Ja, solch ein Besuch hat auch etwas mit innerbetrieblicher Wertschätzung zu tun.

Diese Besuche dauern meist zwischen ein und drei Stunden, selten länger. Und es ist gut investierte Zeit. Die Effekte sind:

  • Wir Fundraiser kennen die Angebote aus eigener Anschauung und können eigene Eindrücke erzählen, aus eigenem Erleben berichten.
  • Die besuchten Dienste erfahren Wertschätzung ihrer Arbeit. Etwas, was im Alltag oft zu kurz kommt.
  • Nicht nur wir erfahren etwas. Wir werden natürlich auch immer gefragt, was wir im Fundraising denn so machen? So manche schräge Vorstellung konnten wir da zurecht rücken und Verständnis für unser Vorgehen, unsere Arbeit schaffen. Das ist ein wichtiger Baustein für die viel gerühmte und oft als fehlend bemängelte „Institutional Readiness“.
  • Im Nachhinein ist es viel leichter, persönlich bekannten KollegInnen anzusprechen, wenn zum Beispiel für ein Mailing Infos oder Fallgeschichten benötigt werden und Texte abzustimmen sind.

Wer neu als Fundraiser anfängt, kann diese Hospitationen noch problemlos in seinen Alltag integrieren, da er noch nicht mit Aufgaben dicht ist. Und als Einsteiger/in ist der Erklärungsbedarf minimal, warum man hospitieren möchte. Aber auch für langjährige Fundraiser sollte es zur Gewohnheit werden, jedes Jahr mal wieder „ins Feld“ zu gehen und sich frisch von dem infizieren zu lassen, für das wir werben.

Und im Idealfall lernt sogar der Texter oder die Texterin in Ihrer Full-Service-Mailing-Agentur einmal Ihre Arbeit vor Ort kennen und ist nicht nur auf Ihr schriftliches / mündliches Briefing angewiesen …