Mehr Schein als Sein? Oder: Wann ist ein Shop ein Shop?

Schwein - oder nur Schein?
Schwein – oder nur Schein?

Durch einen Newsletter stieß ich letzte Woche wieder auf einen schön aufgemachten Spendenshop der Welthungerhilfe. Dabei fiel mir auf, dass im Newsletter bereits darauf hingewiesen wurde, dass der Shop eigentlich gar kein Shop sei. Merkwürdig, dachte ich bei mir. Das interessiert mich jetzt aber. Und somit erfüllte der Newsletter seinen Zweck und leitete mich auf die Website.

Und mir gefiel der Shop der Welthungerhilfe auf den ersten Blick sehr gut. Nett gefaltete Origami-Tiere illustrieren die Shop-Artikel. Und wer sich – wie ich – nicht lange mit den Randtexten aufhält und einfach mal einen Artikel anklickt, wird z.B. beim Schwein lesen: „Mehr Schein als Sein? Oder: Wann ist ein Shop ein Shop?“ weiterlesen

Muss der Vorstand zuerst geben? Demontage eines populären Mythos.

debatte-2„Der Vorstand gibt zuerst!“ Dieser Imperativ wird nicht nur an der Fundraising Akademie gelehrt, sondern findet sich immer wieder in Veröffentlichungen. Dabei wird meist auf die USA als gelobtem Land des Fundraisings verwiesen, wo dies wohl sehr häufig der Fall sei. Und im nächsten Atemzug wird – immer – darüber lamentiert, wie weit wir in Deutschland von dieser Praxis entfernt sind.

Nun schreibt mein sehr geschätzter Kollege Jan Uekermann auf swissfundraising.org zum Thema und schlägt in die gleiche Kerbe:

Meines Erachtens sollte die Regel allerdings heissen: Give and Get or Go. Denn authentisch um Spenden bitten können ja nur diejenigen, die selber das Projekt finanziell unterstützen.
Wenn Ihr Vorstand Ihre Organisation auch mit Geldspenden unterstützt, ist das sehr gut. Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Den Zulieferern? Nachbarn? Freunden und Familie?   In einem weiteren Schritt können wir uns dann noch Gedanken um die Form der Unterstützung machen. Falls Sie aktiv darauf hinweisen, dass Ihre Organisation im Testament bedacht werden kann, dann gehört Legate-Marketing zu Ihrem Fundraising-Mix. Sofort muss ich Ihnen allerdings die Frage stellen: Haben Sie selber Ihre Organisation im Testament bedacht? Und Ihre Vorstands-Frauen und -Männer.
(Quelle: http://swissfundraising.org/index_de.php?TPL=26010&x26000_ID=575 )

Doch in seiner Zuspitzung schafft Jan es, dass mir klar wird, warum ich dieses Dogma „Der Vorstand gibt zuerst!“ schon immer sehr kritisch sah. Jetzt bin ich mir sicher, ich lehne diesen Satz in seiner Absolutheit ab. Hier meine Argumente: „Muss der Vorstand zuerst geben? Demontage eines populären Mythos.“ weiterlesen

Fundraising muss wieder Spaß machen – ein Zwischenruf

bild-blogAus meinem kleinen Fundraising-Manifest – ja, der Begriff ist wirklich etwas überhöht – wurde nun ein „Zwischenruf“. Es ist gar nicht so einfach, ein passendes Wort zu finden …

Das Ergebnis finden Sie hier abgedruckt und als pdf-Datei: Zwischenruf – Fundraising

Viele Anregungen konnte ich aufnehmen, so manche inhaltliche und stilistische Unebenheit glätten. Mein herzlicher Dank gilt allen, welche sich so aktiv mit Beiträgen in der Kommentarspalte oder per E-Mail und Telefon beteiligt haben.

Sehr deutlich wurde mir, wie stark teilweise die Sichtweisen, die Eigen- und Fremdeinschätzungen von angestellten Fundraisern und freiberuflichen Kollegen bzw. Agenturinhabern differieren. Hier sehe ich großen Gesprächsbedarf, um die – vielleicht schon vorhandene – Kluft zu schließen.

Dieser Zwischenruf ist keine abgestimmte Verbandsposition und hat seine Ecken und Kanten. Ich habe nicht den Anspruch, dass sich jeder damit völlig identifizieren kann. Aber wenn er hilft,

  • eine Diskusssion in Gang zu setzen,
  • Anregung für die Positionierung des Deutschen Fundraising Verbandes bietet,
  • Blaupause für ein Bewerbungsgespräch bei einem potentiellen Arbeitgeber zu sein,
  • das eigene Selbstverständnis als Fundraiser in einer Organisation oder als Dienstleister zu schärfen,

dann ist damit schon mehr erfüllt, als ich eigentlich erwarten darf.

Mit herzlichem Gruß allen Lesenden, Mitdenkenden und Diskutierenden,

Kai Dörfner

 

PS:Da dieser Zwischenruf sicher nicht gleich erledigt ist, habe ich ein neues Menü oben auf der Seite eingerichtet, wo er auch zu finden ist.

Charta der Spenderrechte

Auf der Website des DFRV findet sich – versteckt – manche Perle.

Im April 2012 hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Fundraising Verbandes nach etwa zweijähriger Diskussion die „Charta der Spenderrechte“ verabschiedet. Bei der Diskussion und der Ausformulierung habe ich mich intensiv eingebracht und konnte – so hoffe ich – praxisnahe Aspekte einbringen. Leider ist seither von dieser Charta in der Öffentlichkeit praktisch nichts mehr zu hören oder zu lesen gewesen. Daher drucke ich sie hier einmal ab – auch als mein persönliches berufliches Bekenntnis zum Wortlaut und Inhalt der Charta.

Charta der Spenderrechte

Präambel

Menschen streben nach einer besseren Gegenwart und Zukunft, einer menschenwürdigen, solidarischen und die Natur achtenden Gesellschaft. Freiwillig Unterstützende helfen konkret, sie ermöglichen mit ihrem Engagement die Verwirklichung von Projekten und Programmen.

Diese Charta ist eine freiwillige Selbstverpflichtung gemeinwohlorientierter Organisationen zum fairen und transparenten Umgang mit Spendern sowie eine ausdrückliche Anerkennung ihrer gesetzlich geregelten Rechte.

Diese Charta festigt die einmaligen, gelegentlichen oder regelmäßigen Beziehungen zwischen Spendern sowie den von ihnen geförderten Organisationen. Hierbei werden die Interessen von Spendern durch die in dieser Charta niedergelegten Prinzipien guten Verwaltungshandelns für Zwecke des Gemeinwohls über ihre bestehenden Rechte hinaus wahrgenommen und geachtet. Die Organisationen verstehen sich als Mittler zwischen Gebenden und Empfangenen und als Treuhänder der gegebenen Unterstützung.

Der Deutsche Fundraising Verband (DFRV) empfiehlt allen im Dritten Sektor tätigen Organisationen, diese Charta anzuwenden. Seine Verbandsmitglieder beachten die Charta als verbindlich und tragen zur internen und externen Verbreitung der Charta bei.

Die Charta bezieht sich auf alle Menschen, die gemeinnützige und andere gute Zwecke durch Geld, Sach- und Zeitspenden unterstützen. Alle Personenbezeichnungen dieser Charta beziehen sich auf beiderlei Geschlecht.

 

 1. Freie Entscheidung

Spender entscheiden frei, wem und welchen Zwecken, wie, wann und in welcher Höhe sie ihre Zuwendungen geben.

Ihre Entscheidungen dürfen nicht durch unangemessenen direkten oder indirekten – moralischen oder sozialen – Druck beeinflusst werden.

 

2. Zweckbestimmung

Jede satzungsgemäße Zweckbestimmung, mit der eine Zuwendung versehen ist, ist für die Organisation verpflichtend. Für den Fall, dass die Einhaltung einer Zweckbestimmung nicht möglich ist, ist die Organisation verpflichtet, schnellstmöglich darauf hinzuweisen.
Spender haben in diesem Fall das Recht

– ihre Zuwendung zurückzuerhalten,

– den Zweck im Rahmen der Möglichkeiten der Organisation umzuwidmen oder aufzuheben,

– die Weiterleitung an eine andere Organisation zu ermöglichen.

 

3. Wahrhafte Informationen

Spender haben Anspruch auf wahrheitsgemäße, möglichst umfassende und zeitnahe Informationen über die Arbeit der Organisation und deren Ergebnisse.

 

4. Transparenz der Rechnungslegung

Spender haben Anspruch auf die Einsicht in die Satzung sowie den aktuellen Tätigkeits- und Finanzbericht der Organisation. Dieser wird unaufgefordert öffentlich, mindestens aber auch Anfrage zugänglich gemacht, spätestens 12 Monate nach Abschluss des Geschäftsjahres.

Die im Finanzbericht darzustellende Rechnungslegung muss vollständig und nachvollziehbar sein. Im Finanzbericht weißt die Organisation den der Spendenwerbung anzurechnenden Anteil der Werbe.- und Verwaltungskosten im Verhältnis zu den durch die Spendenwerbung erzielten Einnahmen und den Ausgaben aus und erläutert, welche Kosten enthalten sind.

 

5. Informationen über die Organisation und die Organe

Spender haben Anspruch auf Information über die Struktur der Organisation (Satzung, Organigramm, ggf. Leitbild) und die verantwortlichen Personen – insbesondere der Mitglieder der Geschäftsführung, des Vorstandes und der Aufsichtsorgane. Diese Informationen werden veröffentlicht bzw. auf Anfrage zugänglich gemacht.

 

6. Auftreten in der Öffentlichkeit

Spender haben Anspruch darauf, zu erfahren, in welcher Rolle, Funktion und in welchem Auftragsverhältnis ihnen handelnde Personen einer Organisation gegenübertreten.

 

7. Transparenz der Vergütung

Spender haben Anspruch darauf, zu erfahren, nach welchem Modell Fundraiser in den Organisationen bzw. diejenigen die als Dienstleister auftragsgemäß entsprechend tätig werden, vergütet werden. Sofern erfolgsabhängige Entgeltbestandteile gezahlt werden, ist deren prozentualer Anteil an der Gesamtvergütung zu belegen.

 

8. Umgang mit Spenderdaten

Spender haben Anspruch darauf, zu erfahren, aus welcher Quelle ihre Adressdaten stammen, was über sie in den Datenbanken der Organisation gespeichert ist und wie diese Informationen organisationsintern verwendet werden.

Sie haben Anspruch darauf, dass Datensicherheit und Datenschutz in der Organisation gemäß den gesetzlichen Vorgaben gewährleistet werden.

Spender haben Anspruch auf Schutz ihrer Privatsphäre. Sperrvermerke werden von den Organisationen dokumentiert und befolgt.

 

9. Umgang mit Anliegen und Beschwerden

Spender haben Anspruch darauf, dass ihre Anliegen und Beschwerden, welche die Arbeit der Organisation betreffen, sorgfältig bearbeitet werden und sie in angemessener Zeit Auskunft erhalten.

 

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Verabschiedet am 20. April 2012 durch die Mitgliederversammlung des Deutschen Fundraising Verbandes in Berlin

 

 

Wieviel Druck üben Sie auf Spender aus?

Üben Sie Druck auf Spender aus? Natürlich nicht, oder? Oder irgendwie doch? Spannende Frage, denn was ist Druck überhaupt?

Diese Frage ist gerade sehr relevant, denn im April möchte der Deutsche Fundraising Verband eine „Charta der Spenderrechte“ auf seiner Mitgliederversammlung beschließen. Und bei diesem sehr löblichen Vorhaben fällt auch das Stichwort Druck an einer der ersten Positionen.

Wörtlich heißt es im Antrag, der vom Vorstand auf Vorschlag „Wieviel Druck üben Sie auf Spender aus?“ weiterlesen

Wie hältst Du’s mit der Treue?

 Sind Sie ein treuer Spender?

 

Gute Frage, zumindest auf den ersten Blick. Doch was ist denn ein guter Spender? Die Antwortkategorien der Umfrage lauten:

  • Ja, ich spende zumeinst an dieselbe Organisation.
  • Nein, ich spende oft an eine andere Organisation.

Nun will ich nicht aus soziologischer Sicht über die Trennschärfe und Verständlichkeit dieser Frage schreiben, wenngleich das den Artikel deutlich verkürzen würde … 🙂  Diese Umfrage ist seit gestern (26.1.12) online auf dem Fundraising-Wiki. Und als ich diese Meldung heute auf Twitter las, kam spontan der Gedanke auf, ob es nicht viel sinniger wäre, folgende Frage zu stellen:

Bist Du eine treue Spendenorganisation?

Wie hältst Du als Spendenorganisation es denn mit der Treue zu Deinen Spendern? „Wie hältst Du’s mit der Treue?“ weiterlesen

Den Himmel verdienen …

 Ökonomisch war die Entscheidung der Reformation gegen den Ablasshandel schwierig. Theologisch natürlich richtig.

(Bischof July beim Empfang der Landeskirchlichen Stiftung, 23.1.12)

Warum geben kirchlich gebundene Menschen?

Im Seminar frage ich die Teilnehmer immer wieder nach den besten Gründen, warum Menschen spenden. Und oft kommt als Grund „den Platz im Himmel verdienen“. Nun sind wir 500 Jahre nach der Reformation, der Ablasshandel ist – zumindest kirchlicherseits, nicht im Umweltbereich – abgeschafft und das Thema „Himmel verdienen“ sollte keine Rolle mehr spielen. „Den Himmel verdienen …“ weiterlesen