Über Spender sprechen

Würden Ihre Förderer im Fundraising-Vortrag den gleichen Menschen erleben, wie im persönlichen Kontakt?
Würden Ihre Förderer im Fundraising-Vortrag den gleichen Menschen erleben, wie im persönlichen Kontakt?

Wie sprechen Sie Ihre Spenderinnen und Spender an? Ich erlebe dabei ganz unterschiedliche Begriffe, wenn ich mir die Spendenbriefe oder Internet-Seiten von gemeinnützigen Organisationen ansehe. Bei meinem Arbeitgeber haben wir den Begriff „Freunde und Förderer“ 2004 eingeführt. Diese Worte empfanden wir damals – und tun es heute noch – als respektvoll und aufrichtig. Und so ähnlich handhaben es die meisten NGOs: Für die öffentliche Kommunikation werden Bezeichnungen gewählt, welche mit gutem Gewissen veröffentlicht und von Unterstützern gelesen werden können.

Auf einem Seminar, welches ich einmal besuchte, erlebte ich eine Referentin, welche sehr engagiert und kompetent über ihre Arbeit sprach und die Kontakte zu den Förderern betonte. Das klang alles sehr stimmig. Doch gegen Ende des Vortrags wurden auch forderndere Kontakte zu Förderern beschrieben. Und da erhielt der Vortrag eine Drehung: „Über Spender sprechen“ weiterlesen

Zertifizierte Fundraiser – geht das?

Lohn der Arbeit. Das Zertifikat zum Großspenden-Fundraiser.
Ein Zertifikat. Doch was sagt es wirklich aus?

In der Fundraising-Szene wird gerade über ein kontroverses Thema diskutiert: Die Zertifizierung von Fundraisern. Was steht dahinter? Und was halte ich davon?

Seit etwa zwei Jahren gibt es im Deutschen Fundraising Verband  (DFRV) Bestrebungen, eine Personenzertifizierung für Fundraiserinnen und Fundraiser auf den Weg zu bringen. Die Mitgliederversammlung des DFRV hat hierzu 2012 einen Beschluss gefasst, dass gemeinsam mit der Fundraising Akademie solch eine Zertifizierung erarbeitet werden soll. Nach einigem Hin und Her trifft sich in diesen Wochen wieder eine Arbeitsgruppe, um dieses Projekt voran zu bringen.

Ziel ist, dass sich Fundraisende nach festgelegten Kriterien (im Gespräch sind Fortbildungen, Besuch von Kongressen, praktischen Arbeitsnachweisen) vor einer Prüfungskommission zertifizieren lassen können. Diese Zertifizierung gilt dann für einen definierten Zeitraum und muss periodisch erneuert werden.

Auch ich stimmte 2012 spontan für solch einen Ansatz, versprach mir davon eine höhere Qualität des Fundraisings in Deutschland. Heute überwiegen in mir aber die Zweifel und so stellen sich mir einige Fragen zur Zertifizierung.

10 Thesen zur Debatte um die Personenzertifzierung im Fundraising

Hier mal – nicht besonders trennscharf … – meine Gedanken zum Thema in Kurzform:

  1. Die Personenzertifizierung ist primär durch die Interessen der Zertifizierer getrieben und nachrangig durch die Bedürfnisse der Fundraiser und der gemeinnützigen Organisationen.
  2. Die Personenzertifizierung löst das Personalproblem der Organisationen nicht.
  3. Es gibt keine Branchenstandards im Fundraising. Damit fehlt die Grundlage für eine Zertifizierung.
  4. Das Berufsfeld des Fundraisers ist zu heterogen, als dass es mit einer einzigen Art der Zertifizierung erfasst werden könnte.
  5. Fundraising ist aufgrund der Auftraggeberstruktur und aufgrund seiner Vielfalt für eine Zertifizierung nicht besonders geeignet.
  6. Der Markt an Fundraisern / Beratern, für welche eine Personenzertifizierung relevant ist, ist zu klein, um den Aufwand der Entwicklung und Pflege eines Zertifizierungssystems zu rechtfertigen.
  7. Die Personenzertifizerung im Fundraising löst ein Problem, welches nicht existiert.
  8. Es gibt keine anerkannte Stelle mit entsprechenden Mitarbeitenden, welche neutral und unbefangen eine Zertifizierung durchführen könnte.
  9. Das Hauptinteresse zertifizierender Stellen liegt nicht im qualitativ hochwertigem Fundraising (was immer das sein mag), sondern im Erhalt der eigenen Macht.
  10. Eine Zertifizierung definiert ein Best-Practice im Fundraising, welches nicht existiert.

 

Soweit mal meine Thesen in der Kurzfassung. Hier nun etwas ausführlicher: „Zertifizierte Fundraiser – geht das?“ weiterlesen

Spendenwerbung oder Fundraising?

Almosen oder langfristige Hilfe? So ähnlich ist der Unterschied zwischen Spendenwerbung und Fundraising.
Almosen oder langfristige Hilfe? So ähnlich ist der Unterschied zwischen Spendenwerbung und Fundraising.

Warum müssen wir denn immer „Fundraising“ sagen? Bleiben wir doch beim schönen alten Wort „Spendenwerbung“. So oder so ähnlich höre ich das hin und wieder. Und – ich arbeite in einer sozialen Einrichtung – von Sozialarbeitern kommt gerne die Frage, was an diesem „Fundraising“ denn nun so besonders sei. So besonders, dass man dafür extra Leute einstellen und aus- und fortbilden muss. Denn eine Brief schreiben und Eierlikör mit älteren Damen trinken, sei ja nun keine große Kunst.

Nun könnte ich lange Vorträge halten (mache ich auch manchmal), doch wenn es schnell gehen muss, dann gibt’s meine „Zwischen-Tür-und-Angel-Definition“ von Fundraising in Abgrenzung zur Spendenwerbung:

Der Unterschied zwischen Spendenwerbung und Fundraising ist so ähnlich wie der Unterschied zwischen dem Essen in einer Armenspeisung und dem sozialarbeiterischen betreuten und mit einem Hilfeplan strukturierten Leben in einem Haus für Wohnungslose.

Und manchmal macht es dann „Klick“.

Geiz ist nicht geil

tresorVor kurzem las ich auf imgriff.com den Beitrag „Geiz ist nicht geil„. Und mein Gedanke war: Ja, die haben recht. Und das gilt ganz besonders auch im Fundraising.

Nein, nicht was Sie jetzt vielleicht denken. Ich spreche nicht von Spenderinnen und Spendern, welche weit unter ihren Möglichkeiten geben.

Mein Gedanke ging spontan dahin, dass Geiz im Denken von uns Fundraisern nichts zu suchen hat.  „Geiz ist nicht geil“ weiterlesen

Frohe Festtage und einen guten Start ins Neue Jahr!

Geschichten können bei uns und unserem Gegenüber ein Feuerwerk an Empfindungen auslösen.

Ich verabschiede mich so langsam in die Weihnachtsferien. Vielen Dank allen, welche dieses Blog im laufenden Jahr begleitet, gelesen, kommentiert, ertragen und empfohlen haben. Danke allen, welche meine Haltung zum Umgang mit Spenderinnen und Spendern teilen. Gerade beim Fundraising-Zwischenruf (erst: Manifest) im Sommer, gab es eine sehr lebendige Debatte, für welche ich allen Beteiligten herzlich danken möchte.

Oder, um es mit dem Namensgebers des Blog, Knigge, zu sagen:

Die Kunst des Umgangs mit Menschen … die Kunst, sich bemerkend, geltend, geachtet zu machen, ohne beneidet zu werden; sich nach den Temperamenten, Einsichten und Neigungen der Menschen zu richten, ohne falsch zu sein; sich ungezwungen in den Ton jeder Gesellschaft stimmen zu können, ohne weder Eigentümlichkeit des Charakters zu verlieren, noch sich zu niedriger Schmeichelei herabzulassen.

Ich wünsche Dir / Ihnen frohe, besinnliche, aber auch fröhliche Festtage und einen guten und gesunden Start ins Neue Jahr.

Ab der zweiten Januarwoche geht es weiter mit „unfrisierten Gedanken um Fundraising“.

Kai Dörfner

Die Angst vorm leeren Blatt – einen Spendenbrief verfassen

blogparade
 
 
 
Der nachfolgende Text erscheint im Rahmen der „Blogparade gegen die Schreibblockade„, welche von Dr. Kerstin Hoffmann auf ihrem Blog PR-Doktor initiiert wurde. Er enthält Inhalte, welche ich schon mal hier und hier ähnlich beschrieb.

 

Welcher Fundraiser kennt das Gefühl nicht … was schreibe ich nur in meinem Spendenbrief? Ich habe doch schon alles geschrieben gehabt, was es zu schreiben gab.

10 Tipps, um aus einem weißen Blatt einen wunderschönen – und erfolgreichen – Spendenbrief zu machen:

„Die Angst vorm leeren Blatt – einen Spendenbrief verfassen“ weiterlesen

Jäger und Sammler

sanddorn-klIch liebe kollegialen Austausch. Es ist für mich spannend, mit welchen Ansätzen und Ideen andere Fundraiserinnen und Fundraiser an ihre Aufgaben gehen. Manches davon finde ich sehr gut, bei anderem habe ich meine Fragezeichen und hin und wieder denke ich darüber nach, was sich adaptiere ließe. Ja, das Rad muss nicht immer neu erfunden werden.

Mein Tipp: Lassen Sie sich inspirieren von dem, was andere machen.

Blindes Kopieren bringt meist wenig. Denn gute Fundraisende passen eine Idee genau auf ihre Organisation an. Wer blind kopiert, spart sich zwar viel Zeit, aber das Ergebnis wird auch hinter den Erwartungen zurück bleiben. Und … reines Kopieren ist auch oft nicht zulässig – denken Sie an das Urheberrecht. „Jäger und Sammler“ weiterlesen

Einiges nicht geschafft – Hurra!

Nicht nur das, was wir schaffen, bringt uns weiter. - Auch das, was wir lassen!
Nicht nur das, was wir schaffen, bringt uns weiter. – Auch das, was wir lassen!

Es geht auf das Jahresende zu. Die Planungen für 2014 sind im Arbeit und der Blick geht etwas zurück ins vergangene Jahr. Bei unserer letzten Teamklausur haben wir gut zwei Dutzend tolle Maßnahmen, Projekte, Aktivitäten indentifiziert, welche wir -zusätzlich zum Tagesgeschäft – auf den Weg brachten.Und dann gab es noch eine Liste mit offenen Posten. Wir haben

– über neue Projekte nachgedacht – teilweise sehr lange – und

– Konzepte verfaßt und nicht umgesetzt

Auf den ersten Blick sind das zwei Punkte, welche nicht unbedingt nach Erfolg klingen. Wenn ich es mir aber genauer ansehe, bin ich darauf sogar stolz. Denn Erfolg bemißt sich nicht nur danach, was wir leisten, sondern auch danach, was wir lassen.

Erfolg ist auch das, was wir lassen

Ja, das klingt etwas exotisch, gebe ich gerne zu. Meistens werden wir daran gemessen, was wir neu auf den Weg brachten. Aber ich denke, dass es auch sehr wertvoll ist, einmal etwas nicht umzusetzen.

Ein vielzitiertes Mantra lautet: Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen. Auch wenn es viel zitiert wird, dieses Mantra ist quatsch. „Einiges nicht geschafft – Hurra!“ weiterlesen

Mythos Online-Fundraising

Online-Spendentools - das Ufer ist noch weit.
Online-Spendentools – das Ufer ist noch weit.

Jetzt wird wieder getrommelt. Nicht nur die Hauptspendenzeit beginnt, auch die Onlinefundraising-Hauptsaison soll starten. Die Anbieter von Online-Spendentools wurden in den letzten Monaten nicht müde, verstärkt auf die tollen Möglichkeiten ihrer Schnittstellen und ihre Kompetenz hinzuweisen.

Und so werden auch in diesem Herbst wieder viele Vereine und Organisationen sich eines der feinen Online-Spendentools auf die Website integrieren lassen.

Doch leider werden vermutlich fast ebenso viele Organisationen feststellen, dass sich an ihrem Spendenaufkommen dadurch praktisch nichts verändert hat.

Denn: Wer ein Online-Spendentool integriert und hofft, dass dadurch die Spenden fließen, ähnelt im Verhalten einem Jugendlichen, der sein erstes Girokonto eröffnet und sich wundert, warum darauf kein Geld liegt. „Mythos Online-Fundraising“ weiterlesen

Rückblick: Ausbildung zum Großspenden-Fundraiser

Lohn der Arbeit. Das Zertifikat zum Großspenden-Fundraiser.
Lohn der Arbeit. Das Zertifikat zum Großspenden-Fundraiser.

Nach drei Seminarblöcken und insgesamt 12 Seminartagen, durfte ich gestern mit 13 Kolleginnen und Kollegen das Zertifikat „Großspenden-Fundraiser“ entgegen nehmen. Es ist eine tolle Fortbildung gewesen und ich werbe gerne für sie.

Anfangs fragten mich einzelne Kollegen, warum ich denn zu dieser Fortbildung ginge. Ich hätte doch schon Erfahrung mit großen Spenden und Zustiftungen. Das ist zweifellos richtig. Aber diese Fortbildung war doch komplexer. Zentral war immer wieder „Rückblick: Ausbildung zum Großspenden-Fundraiser“ weiterlesen