Vier Gründe, warum der Effektive Altruismus eine Fehlentwicklung ist

Es gibt Fundraiserinnen, die sich bemühen, die Zahl der Spenderinnen und Spender in Deutschland zu erhöhen. Und es gibt auf der anderen Seite diejenigen, welche für den „Effektiven Altruismus“ werben.

Seit Anfang der 10’er Jahr dieses Jahrtausends kennt man die Philosophie des »Effektiven Altruismus«.

„Der Effektive Altruismus (abgekürzt EA) ist eine Philosophie und soziale Bewegung der frühen 2010er Jahre, die darauf abzielt, die beschränkten Ressourcen Zeit und Geld optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern. Als Mittel hierzu dienen empirische Erkenntnisse und rationale Argumente.
Effektive Altruisten streben danach, alle bekannten Ursachen und Maßnahmen zu berücksichtigen, um so zu handeln, dass ihr Handeln die größten positiven Auswirkungen hat. Dieser auf Evidenz basierende Ansatz unterscheidet den Effektiven Altruismus vom traditionellen Altruismus oder der klassischen Wohltätigkeit.«

Wikipedia

Kurzum: Effektiven Altruisten reicht es nicht aus, die Welt ein bisschen zu verbessern. Sie wollen es gleich perfekt tun.

Und was soll daran schlecht sein? Meine Antwort fällt etwas ausführlicher aus:

„Vier Gründe, warum der Effektive Altruismus eine Fehlentwicklung ist“ weiterlesen

Provokation: Heben oder senken wir Fundraiser.innen die Spendenbereitschaft?

Auf den ersten Blick ist das eine unsinnige Frage. Klar, mit unseren Mailings, Face-to-Face-Aktionen, Beilagen, Gesprächen und Telefonaten bewegen wir jedes Jahr Millionen von Menschen, eine Spende zugunsten einer gemeinnützigen Organisation zu geben.

Aber irgendwie scheinen sich alle Forschenden einig zu sein: Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung wächst nicht, sie sinkt eher. Diejenigen, welche geben, geben dafür mehr.

Sind wir Fundraiser.innen also nur dafür gut, das Maximum an Spenden zu erwirken?

Wie steht es um unsere Fähigkeit, bisherige Nicht-Spender.innen von der Sinnhaftigkeit des Spendens zu überzeugen? 

Oder ist es gar so, dass wir mit unserem Instrumentarium eher das Gegenteil erreichen? Wir messen bei einem Mailing nur, wie viel Prozent der Angeschriebenen mit einer Spende reagieren. Wir sehen aber nicht, wie viel Prozent der Angeschriebenen nicht nur desinteressiert, sondern von den „Bettelbriefen“ abgestoßen sind.

Wir messen nur, wie viel Abschlüsse im Dialog-Fundraising auf den Fußgängerzonen gemacht werden. Wie messen nicht, wie viele Menschen diese Art der Kontaktaufnahme als bedrängend oder störend empfinden und diese Abneigung mit den werbenden Organisationen verknüpfen.

Unter’m Strich:

  • Wie gut sind sind wir als Fundraiser.innen darin, das philanthropische Verhalten der Bevölkerung zu vergrößern?
  • Haben unsere Fundraising-Aktivitäten auch einen abschreckenden Charakter und führen zu bewussten oder unbewussten „Nicht-Spenden“?
  • Was tun wir als spendensammelnde Organisationen dafür, um die Bedeutung von Spenden als Zeichen einer pluralen Zivilgesellschaft Wert zu schätzen – und diese Wertschätzung zu kommunizieren?
  • Was machen unsere Interessensvertretungen (die Dachverbände auf Bundesebene, der Deutsche Fundraisingverband) effektiv, damit mehr Menschen die Freude am Geben entdecken? Wo werden gezielt die bisher Nicht-Spendenden, welche finanziell zu einer Spende in der Lage wären, angesprochen?

tl;dr: Der gemeinnützige Sektor muss lernen, die wachsende Gruppe derjenigen, welche trotz vorhandener Geldmittel nicht spenden, zu erreichen und positiv mit dem Erlebnis „Spende“ in Berührung zu bringen. Wir brauchen Forschung, um mögliche „Anti-Wirkungen“ von Fundraising-Maßnahmen zu erkennen.

Datenschutz: kirchliche Ergänzung zur Auftragsdatenverarbeitung

Das Thema Datenschutz lässt uns leider noch nicht ganz los. „Uns“ heißt in diesem Fall alle kirchlichen Träger, alle Einrichtungen von Caritas und Diakonie. Alle Einrichtungen also, welche den jeweiligen Kirchengesetzen auf evangelischer oder katholischer Seite unterliegen.

Parallel zur DS-GVO haben die katholische und die evangelische Kirche eigene Datenschutzgesetze erlassen, welche im Bereich von Kirche und Caritas/Diakonie Gültigkeit und Vorrang vor der DS-GVO haben. „Datenschutz: kirchliche Ergänzung zur Auftragsdatenverarbeitung“ weiterlesen

Adress-Recherche in der Praxis

Unklare Adressen von Spendern sind Alltag jeder Spendenbuchhaltung. Häufig geben Spender bei der Überweisung keine oder keine vollständige Anschrift in den Verwendungszweck-Zeilen ein. Dies kann absichtlich geschehen, um keine Folge-Spendenaufrufe zu erhalten, oder weil keine Zuwendungsbestätigung (Spendenbescheinigung) benötigt wird. Anderen reicht vielleicht der Platz nicht oder sie vergessen es einfach.

Im Fundraising ist jede unklare Adresse ein Problem. Denn damit endet die Beziehungspflege zum Spender, noch bevor sie angefangen hat. Das macht sich finanziell bemerkbar. „Adress-Recherche in der Praxis“ weiterlesen

1. Marktübersicht Ziegen in Spendenshops

Das ist soviel Ziege, wie bei den meisten Spendenshops nach dem „Kauf“ einer Ziege tatsächlich Bedürftigen zur Verfügung gestellt wird.

Spendenshops liegen im Trend. Doch wonach sollen wirkungsorientiert geneigte Spenderinnen und Spender nun gehen, wenn sie, dem veganen Zeitgeist trotzend, sich zur Spende einer Ziege für eine bedürftige Familie z.B. in Afrika entschieden haben? Welchen der vielen Shop-Anbieter soll ich als potentieller Spender nun auswählen? Die Marktwirtschaft bietet hier, vergleichbare Ziegenqualität vorausgesetzt (die Shops bieten hier keine ergänzenden Informationen) ein zentrales Unterscheidungsmerkmal: den Preis.

Und so findet sich hier die erste deutsche Marktübersicht über Ziegen in deutschsprachigen Spendenshops. „1. Marktübersicht Ziegen in Spendenshops“ weiterlesen

Amazon Smile – das Lachen vergeht schnell

Seit kurzer Zeit hat man als Kunde von Amazon die Möglichkeit, über eine spezielle Startseite auf Amazon einzusteigen und dann mit seinem Einkauf eine soziale Organisation seiner Wahl zu unterstützen. Als Kunde muss man zuvor erstmals in seinem Profil eine Organisation auswählen. Dabei werden einem einige von Amazon beworbene Organisationen vorgeschlagen, alternativ kann man aus einer Liste von „tausenden“ Organisationen seine gemeinnützige Wunschorganisation auswählen und festlegen. Diese Festlegung bleibt solange gültig, bis sie wieder geändert wird. Wer also im realen Leben an mehrere NGOs spendet, muss sich entscheiden oder immer wieder die Einstellung ändern. Die Unterstützung beträgt übrigens 0,5% des Einkaufswertes, welche der Organisation dann zugeht. Soweit mal aus der Käufersicht.

Als Organisation kann man sich direkt bei Amazon anmelden. Und viele NGOs werden überrascht feststellen, dass sie bereits in einer Datenbank bei Amazon gelistet sind. „Amazon Smile – das Lachen vergeht schnell“ weiterlesen

Planen – erledigen – reflektieren

In der Theorie sieht es immer ganz einleuchtend aus. Im Fundraising – egal ob im Alltag oder bei Projekten – folgt man dem Dreiklang von Planen, Handeln und Reflektieren. Wir gehen beispielsweise im Herbst in die Jahresplanung für das Folgejahr, setzen dann die geplanten Maßnahmen sorgfältig im Laufe der folgenden Monate in die Realität um, und vor der nächsten Planungsrunde reflektieren wir die gemachten Ergebnisse und Erfahrungen als Grundlage für die erneute Planungsrunde.

Leider ist es in der Praxis häufig nicht so. Ich erlebe in Beratungen oder beim Blick von außen, dass Fundraising-KollegInnen sich entweder im Prozeß der Planung verlieren oder vor lauter operativer Hektik weder zum Planen, noch zum Reflektieren kommen. Und beide Szenarien sind verhängnisvoll für die Weiterentwicklung des Fundraisings in der Organisation. „Planen – erledigen – reflektieren“ weiterlesen

Freundeskreis oder Förderverein – Pro und Contra

Der §58 der Abgabenordnung, in welchem die Zulässigkeit reiner Fördervereine geregelt ist.

Die Begriffe Freundes- bzw. Förderkreis und Förderverein werden häufig gleichwertig verwendet. Darunter wird eine Gruppe von Personen verstanden, welche durch ihre Aktivitäten Spendenwerbung oder Fundraising für eine gemeinnützige Organisation betreibt.

Rechtlich, in ihrer Wirkung und ihren Möglichkeiten sind aber beide Organisationsformen sehr unterschiedlich zu betrachten und zu bewerten. „Freundeskreis oder Förderverein – Pro und Contra“ weiterlesen

Mailings sammeln – aber sinnvoll

In meinen Vorträgen sage ich gerne, dass wir Fundraiser*innen voneinander lernen müssen. Und dazu zählt, dass wir – Jäger und Sammler die wir sind – uns die Mailings und Spendenbitten anderer Organisationen ansehen. Viele Kolleg*innen machen dies auch und es haben sich in der Praxis zwei Sammelformen herauskristallisiert: „Mailings sammeln – aber sinnvoll“ weiterlesen