Fundraising-Systematik

Jedes Fachbuch im Fundraising folgt seiner eigenen Struktur. Und man wird in verschiedenen Büchern unterschiedliche Modelle für das Fundraising finden. Diese Vielfalt ist kein Widerspruch. Man muss nur darauf achten, welchen Geltungsbereich und welche Schlussfolgerungen aus dem jeweiligen Modell gezogen werden. Dann kann man sich ein Urteil bilden, welches Modell einem für seine Arbeit den größten Nutzen verspricht.

Eine Auswahl der am meisten gelesenen Überblicks-Fundraising-Bücher. Über 5.000 Seiten – aber von jedem Autor und jeder Autorin mit eigener Struktur versehen.

Ein Modell …

  • ist ein meist stark vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit,
  • verfolgt einen zuvor festgelegten Zweck,
  • ist ein Hilfsmittel, um Zusammenhänge zu verstehen,
  • erleichtert, Aufgaben zu identifizieren und Konzepte zu entwickeln,
  • erklärt nie alles,
  • verleitet auch einmal zu »schrägen« Interpretationen.

Nachfolgend versuche ich, die manchmal unübersichtliche Welt des Fundraisings in sieben – einigermaßen logisch aufeinander aufbauenden Abschnitten – einzuteilen. Dazu habe ich mir folgendes Schema in einem ersten Entwurf (Version 0.6) entwickelt:

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Bittbriefe oder Bettelbriefe?

Mit manchen Sachen kann man mich ja ärgern. Eine solche Sache ist ein Wort. Ein ganz bestimmtes Wort. Es vergeht kein Einführungsseminar im Fundraising, in welchem es nicht mindestens einmal fallen würde. Und sogar von Fundraiser*innen habe ich dieses Wort bereits gehört:

Bettelbrief.

Bettelbrief ist ein Wort, welches ich überhaupt nicht mag. Es ist ein Wort, bei welchem sich mir die Nackenhaare aufstellen und ich in Abwehrhaltung gehe. Bettelbrief, das klingt so fürchterlich abwertend gegenüber den eigenen und fremden Spenden-Mailings. Und dann bedeutet Bettelbrief ja auch, dass wir als Fundraiser*innen betteln würden. Das gefällt meinem Selbstbild überhaupt nicht.
Doch warum sitzt dieser Begriff so in den Köpfen und was wären denn die Alternativen?

Spendenwerbung / Fundraising hat das Ziel, benötigte Mittel (meist Geld, oft auch Mitarbeit, Sachleistungen, Unterstützung) für einen guten, gemeinnützigen Zweck zu erhalten. Dazu müssen wir uns mit anderen Menschen verständigen. Vier grundlegende Ansätze fallen mir dazu ein.

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Stiftung und Zustiftung als Fundraising-Instrument

Das Fundraising-Instrument Stiftungsgründung birgt großes Potential für das Großspenden-Fundraising. Allerdings muss es sorgfältig konzipiert und umgesetzt werden, da Fehler in diesen Phasen später nur aufwändig – falls überhaupt – behoben werden können. Als Gemeinschaftsstiftung konzipiert, kann eine Stiftung eine wertvolle Stütze für eine Organisation darstellen und gleichzeitig ein bedeutender Baustein im Fundraising sein. Stiftungen erschließen andere Vermögensbereiche als „normales“ Fundraising.


Der nachfolgende längere Artikel erschien zuerst im Werk:
Fundraising Akademie (Hrsg.): Fundraising – Handbuch für Grundlagen, Strategien und Methoden; 5., vollständig aktualisierte und neu bearbeitete Auflage; Springer Fachmedien Wiesbaden 2016.

Dieser Artikel steht auch zur leichteren Lesbarkeit als pdf-Datei zur Verfügung: Stiftung_als_Fundraising-Instrument


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Provokation: Heben oder senken wir Fundraiser.innen die Spendenbereitschaft?

Auf den ersten Blick ist das eine unsinnige Frage. Klar, mit unseren Mailings, Face-to-Face-Aktionen, Beilagen, Gesprächen und Telefonaten bewegen wir jedes Jahr Millionen von Menschen, eine Spende zugunsten einer gemeinnützigen Organisation zu geben.

Aber irgendwie scheinen sich alle Forschenden einig zu sein: Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung wächst nicht, sie sinkt eher. Diejenigen, welche geben, geben dafür mehr.

Sind wir Fundraiser.innen also nur dafür gut, das Maximum an Spenden zu erwirken?

Wie steht es um unsere Fähigkeit, bisherige Nicht-Spender.innen von der Sinnhaftigkeit des Spendens zu überzeugen? 

Oder ist es gar so, dass wir mit unserem Instrumentarium eher das Gegenteil erreichen? Wir messen bei einem Mailing nur, wie viel Prozent der Angeschriebenen mit einer Spende reagieren. Wir sehen aber nicht, wie viel Prozent der Angeschriebenen nicht nur desinteressiert, sondern von den „Bettelbriefen“ abgestoßen sind.

Wir messen nur, wie viel Abschlüsse im Dialog-Fundraising auf den Fußgängerzonen gemacht werden. Wie messen nicht, wie viele Menschen diese Art der Kontaktaufnahme als bedrängend oder störend empfinden und diese Abneigung mit den werbenden Organisationen verknüpfen.

Unter’m Strich:

  • Wie gut sind sind wir als Fundraiser.innen darin, das philanthropische Verhalten der Bevölkerung zu vergrößern?
  • Haben unsere Fundraising-Aktivitäten auch einen abschreckenden Charakter und führen zu bewussten oder unbewussten „Nicht-Spenden“?
  • Was tun wir als spendensammelnde Organisationen dafür, um die Bedeutung von Spenden als Zeichen einer pluralen Zivilgesellschaft Wert zu schätzen – und diese Wertschätzung zu kommunizieren?
  • Was machen unsere Interessensvertretungen (die Dachverbände auf Bundesebene, der Deutsche Fundraisingverband) effektiv, damit mehr Menschen die Freude am Geben entdecken? Wo werden gezielt die bisher Nicht-Spendenden, welche finanziell zu einer Spende in der Lage wären, angesprochen?

tl;dr: Der gemeinnützige Sektor muss lernen, die wachsende Gruppe derjenigen, welche trotz vorhandener Geldmittel nicht spenden, zu erreichen und positiv mit dem Erlebnis „Spende“ in Berührung zu bringen. Wir brauchen Forschung, um mögliche „Anti-Wirkungen“ von Fundraising-Maßnahmen zu erkennen.

Rezension: „Zukunftsorientiertes Stiftungsmanagement“

Wie schreibe ich eine wohlwollende Rezension, wenn ich mit einem Buch so gar nicht warm werde? Am besten ist wohl, ich lasse die Katze mit dem ersten Satz gleich aus dem Sack…

Das Buch „Zukunftsorientiertes Stiftungsmanagement“ vereint im Herausgeber- und Autor*innen-Kreis namhafte und in der Stiftungsszene bekannte und teils langjährig erfahrene Persönlichkeiten. Der Klappentext verspricht „einen umfassenden Überblick des strategischen Managements von Organisationen im Stiftungswesen und der damit verbundenen Erfahrungen.“ Mein Respekt vor der Mühe, welche die Redaktion und die Koordination der vielen Autor*innen sicher ausgelöst hat und Dank den Autor*innen, ihr Wissen teilen zu wollen.

Doch nun zu den Inhalten und dazu, warum ich mit dem Buch nicht warm wurde: „Rezension: „Zukunftsorientiertes Stiftungsmanagement““ weiterlesen

Rezension: Wozu die Wirkung sozialer Arbeit messen?

Die altruistische Motivation zur Unterstützung in Not geratener Menschen hat scheinbar ausgedient. Sozialstaatliche Leistungen sollen einen gesellschaftlichen Mehrwert und finanzielle Überschüsse in der Zukunft generieren. Der Wirkungsnachweis sozialer Arbeit wird zur Bedingung für eine Finanzierung.

So vereinfacht könnte man die Debatte um das Thema „Wirkung in der sozialen Arbeit“ charakterisieren. Das Thema Wirkung ist nach Jahrzehnten des Fachdiskurses nun in der öffentlichen Debatte um NGOs und Stiftungen angekommen: sei es nun in Form der 2015 im „Kursbuch Wirkung“ von der Bertelsmann-Ausgründung PHINEO veröffentlichten Wirkungstreppe (Output/Outcome/Impact) oder dem SROI (Social Return on Investment) als Versuch, die Wirkung sozialer Arbeit zu messen.

Nun, Wirkungsmessung ist keine besonders neue Erfindung, das zeigen Monika Burmester und Norbert Wohlfahrt im bewusst kontrovers angelegten und auf 63 Seiten komprimierten Taschenbuch „Wozu die Wirkung sozialer Arbeit messen?“ auf. Neu ist aber die Investoren-Denke, welche sich im Fahrtwind der neoliberalen Entwicklung ausbreitet. „Rezension: Wozu die Wirkung sozialer Arbeit messen?“ weiterlesen

Datenschutz: kirchliche Ergänzung zur Auftragsdatenverarbeitung

Das Thema Datenschutz lässt uns leider noch nicht ganz los. „Uns“ heißt in diesem Fall alle kirchlichen Träger, alle Einrichtungen von Caritas und Diakonie. Alle Einrichtungen also, welche den jeweiligen Kirchengesetzen auf evangelischer oder katholischer Seite unterliegen.

Parallel zur DS-GVO haben die katholische und die evangelische Kirche eigene Datenschutzgesetze erlassen, welche im Bereich von Kirche und Caritas/Diakonie Gültigkeit und Vorrang vor der DS-GVO haben. „Datenschutz: kirchliche Ergänzung zur Auftragsdatenverarbeitung“ weiterlesen

Sachspendenangebote durch Unternehmen

Sachspenden, welche von Mitarbeitenden einer Firma für die Weitergabe an Klienten gesammelt wurden.

Sachspenden durch Unternehmen sind für einige Organisationen wesentlicher Bestandteil im Fundraising. Organisationen in der Entwicklungs-Zusammenarbeit erhalten oft palettenweise Sachspenden durch Unternehmen, welche dann in die Empfängerländer weitergeleitet werden.

Doch auch im Alltag von lokal oder regional tätigen gemeinnützigen Organisationen kommen Sachspenden durch Unternehmen häufig vor. Aus meiner Praxis bei der eva Evangelischen Gesellschaft Stuttgart der letzten Jahre waren dies beispielsweise „Sachspendenangebote durch Unternehmen“ weiterlesen

Rezension: Fundraising zwischen Ökonomisierung und Mitmenschlichkeit

Masterarbeiten geht ja selten der Ruf voraus, wirklich Neues zu beschreiben. Und so war ich etwas skeptisch, als ich die Abschlussarbeit von Stefanie Hirschfeld im Rahmen des Masterstudiums „Mehrdimensionale Organisationsberatung“ in die Hände bekam.

Die Arbeit im überschaubaren Umfang von 120 Seiten beginnt mit einer fundierten Einführung in die Welt des Fundraisings, der konzeptionellen Grundlagen, der Professionalisierung, der Positionierung und der Ethik.

Im ersten Fazit kommt sie zur Erkenntnis, dass sich sowohl Fachzeitschriften als auch weite Teile der Fachliteratur primär mit der Perfektionierung einzelner Fundraising-Instrumente befassen und dass kritische oder belastende Themen kaum zur Sprache kommen, wenngleich diese dauerhaft präsent im Alltag von Fundraiser*innen sind. Fokus der Arbeit ist daher die spezifische emotionale, soziale und organisationale Herausforderung an die Berufsgruppe der Fundraiser*innen. Hierzu führte Stefanie Hirschfeld fünf ausführliche Einzelinterviews mit langjährig erfahrenden Fundraiser*innen aus unterschiedlichen Hilfsfelder des sozialen und kulturellen Sektors. „Rezension: Fundraising zwischen Ökonomisierung und Mitmenschlichkeit“ weiterlesen

Kanaltreue

Kanaltreue ist, wenn Spender auf eine 1-Cent-Überweisung (mit der Frage nach ihrer Anschrift) mit einer 2-Cent-Überweisung (und der Anschrift) antworten.

Ich war fast in Versuchung, noch ein „Danke“ zurück zu überweisen … ist ja günstiger als jede SMS.

Eine Methode, welche übrigens gar nicht so schlecht funktioniert, wenn es darum geht, unvollständige Spender-Anschriften zu recherchieren. Ich schrieb hier mal darüber.