Spender finden ist nicht schwer …. Zukunftsmarkt Spenderpflege

Spenderpflege - kein Licht im Dunkel

Ich warte noch immer auf den Anruf, mit dem mir ein Fundraising-Dienstleister verspricht, die Spender-Verlustquote um 10% zu senken. Das würde, ich schrieb es neulich, die Erträge aufs Spenderleben bezogen um 50% erhöhen.

  • Wann bietet mir eine Spendenagentur an, gleich zum Mailing auch noch den Dankbrief oder eine Dankbrieffolge passend zu texten?
  • Wer entwirft oder überarbeitet die Danksystematik als Dienstleistung?
  • Welche Agentur ist nicht nur am schnellen Einmal-Erfolg eines Spendenmailings interessiert, sondern lässt sich daran messen, wie viel Prozent der Spender eine Zweitspende tätigen?

Ja, warum hat sich bei mir noch nie eine Agentur gemeldet und gesagt, sie hätte tolle Ideen zur Spenderpflege?

Ist dieser Gedanke wirklich so absurd?

Jaaaa, wird der eine oder andere einwenden. Wir machen doch Angebote für

  • Telefonmarketing,
  • Stiftungsmarketing,
  • Erbschaftsmarketing!
Wie bitte? Da habe ich mich wohl noch nicht richtig ausgedrückt: Werbung für immer noch mehr Angebote, Upgrading in der Fachsprache, ist KEINE Pflegestrategie für unsere Gönner! Das ist bestenfalls vergifteter Alibidank.
Aber vielleicht ist dies so in uns angelegt. Wir haben erreicht, was wir wollen, also kümmern wir uns nicht weiter.
  • Kirchenvertreter sind froh, wenn Kinder getauft werden – lassen danach aber den Kontakt schleifen.
  • Kirchengemeinden geben Eigenmittel für ihre kirchlichen Kindergärten, haben aber kein Konzept, wie diese für einen nachhaltigen Gemeindeaufbau genutzt werden könnten.
  • Wir tun alles, um jemanden in die Wohnung, ins Bett, vor den Traualtar zu bekommen. Danach können wir wieder “die Sau rauslassen”. Wie viele Beziehungen scheiterten schon daran.
  • Für die Gehaltserhöhung versprechen wir das Blaue vom Himmel. Haben wir sie, ist sie nach kurzer Zeit schon Gewohnheit und die Arbeitsleistung die gleiche wie vorher.
Scheinbar sind wir mental noch nicht ganz aus der Zeit der prähistorischen Jäger und Sammler raus gekommen und im Stadium der Ackerbauern und Viehzüchter angelangt. Nachhaltigkeit wird als Begriff gerne verwendet, im Alltag aber umso lieber ignoriert.

Zukunftsmarkt Spenderpflege

Wenn es stimmen sollte, dass die Zahl der Spendenwilligen stagniert, dann ist es umso bedeutsamer, die begeisterten Erstspender auch weiterhin von der Organisation zu überzeugen. Dies beginnt bereits mit dem ersten Dankbrief.
In den Abbildungen zur Spenderpyramide wird immer gelehrt, dass die Intensität der Beziehungspflege nach oben steigt. In der Praxis sieht das so aus, dass Erst- oder Gelegenheitsspender so billig und einfach wie möglich betreut werden. Wundert sich da noch jemand, dass so viele gleich wieder das Handtuch werfen und der Organisation untreu werden?
Und ich bin mir sicher, dass der richtige Weg nicht nur darin liegt, erneut einen Spendenbrief zu schicken oder telefonisch um die Genehmigung des Lastschrifteinzugs zu bitten.
Also: Die erste Agentur, der erste Dienstleister, der mir von sich aus anbietet, Dankbriefe zu texten oder eine Dankkonzeption, ein Pflegekonzept für Förderer  zu entwerfen, wird hier gehuldigt und lobend erwähnt werden!
Wer die Kunst des Umgangs mit Menschen beherrscht – und dazu gehört maßgeblich die Spenderpflege (nicht die Spendergewinnung) – wird beim Aufbau einer verlässlichen Fördererbasis erfolgreich sein.

4 Gedanken zu „Spender finden ist nicht schwer …. Zukunftsmarkt Spenderpflege“

  1. Also: Die erste Agentur, der erste Dienstleister, der mir von sich aus anbietet, Dankbriefe zu texten oder eine Dankkonzeption, ein Pflegekonzept für Förderer zu entwerfen, wird hier gehuldigt und lobend erwähnt werden!

    WIR sind zwar keine Agentur und kein Dienstleister, aber (ich) vermessen genug unsere eigene Vorgehensweise der Erstspenderbindung und Spenderpflege zur Nachahmung zu empfehlen -:).

    Details soweit nicht bekannt gerne im persönlichen Austausch.

    Huldigen ist gar nicht notwendig. Kritische Rückmeldung ist mehr als “genug”.

  2. Lieber Kai Dörfner,

    das Problem liegt in Ihrem Aufruf: Eine Agentur kann keine Förderer binden. Das ist Aufgabe der jeweiligen Fundraiser/innen in den Organisationen. In meinen 15 Jahren Erfahrung bin ich zu dem Schluss gekommen: Ich kann vieles, aber nicht fundraisen. Meine Aufgabe kann nur darin bestehen, entweder die Konzepte und Beratung, Begleitung oder Training zu liefern oder die Medien. Die eigentliche Arbeit liegt leider in den Organisationen. Da kann ich als Externer leider nicht helfen.

    Was man machen kann, ist relativ einfach: Nicht auf das Geld schielen, sondern eine Beziehung aufbauen. Danken ohne den nächsten Euro im Blick (und zwar schnell und möglichst direkt), jede Spende wertschätzen und regelmäßig informieren und die Möglichmeit zur Interaktion bieten. Hierfür wiederum bedarf es konkreter Einladungen (persönlich).

    Solange es Fundraiser/innen im Kern um Geld geht, wird aus der Bindung nichts. Erst wenn es um Beziehungen zur Verbesserung der Welt und um Gemeinschaft und Netzwerk geht, werden sich Förderer binden (und nicht binden lassen, denn wer will sich schon gerne fesseln lassen).

    Viele Grüße
    Kai Fischer

    1. Lieber Herr Fischer,
      vielen Dank für den Kommentar, dessen Intention ich nur unterschreiben kann. Gleichwohl wäre es sicher für manche Organisation hilfreich, wenn eine Agentur auch ein Bindungs-Konzept (sic!) anbieten würde. Die tatsächliche Begeisterungs-Arbeit ist, da stimme ich völlig überein, eine Aufgabe der Einrichtung. Aber die Frage des “Wie”, ist eine, die unterstützt werden kann.
      Grüße gen Norden und guter Start der jungen neuen Agentur!
      Kai Dörfner

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