Wie lauter sind Spendenshops?

T-Shirts und Unterwäsche bestellen, aber Schlappen und Hemd geliefert bekommen? Kein Problem, wenn es ein Spendenshop ist.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

-> Sie bestellen bei einem Online-Shop 2 Pullover, 1 Hose und 4 Paar Socken.

-> Geliefert werden dann aber 7 T-Shirts.

-> Verwundert blicken Sie auf die Rechnung und dort steht etwas von FAQ.

-> Sie lesen die FAQ auf der Website des Unternehmens. Dort steht dann:

2. Wenn ich z.B. ein T-Shirt in den Warenkorb lege, wird dann davon wirklich ein T-Shirt geliefert?

Nein. Die Produkte werden nicht 1:1 geliefert, sie stehen vielmehr symbolisch für die Produkte, die unsere Kunden benötigen. In unserem Shop finden Sie beispielhafte Produkte, die unsere Kunden täglich tragen. Ihr Einkauf wird dabei immer so ausgeführt, wie unsere Lagerbestände gerade sind.

Ich glaube, niemand von uns würde jemals wieder bei so einem Laden einkaufen.

Aber warum wird dann in einem bedeutenden Teil der Fundraising-Szene genau so ein Verhalten toleriert und als vertretbar gut geheißen? Ich hatte bereits einmal meine deutliche Irritation über das grenzwertige Angebot in Spendenshops geschrieben gehabt. Häufig sind diese Shops nichts anderes als die gute alte “Shopping-List”, also eine beispielhafte Darstellung, was aus einer gespendeten Summe x finanziert werden kann.

Nun stoße ich auf Tipp meines Kollegen Clemens Matern erneut auf einen solchen Shop und ich ärgere mich ganz enorm. Denn hier ist das System einfach perfektioniert. Der Spendenshop der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung sieht hervorragend aus und ist optisch und funktional wunderbar programmiert.

Spendenshop der McDonald's Kinderhilfe StiftungIch kann als Spender aus ganz unterschiedlichen Kategorien Artikel auswählen. Beispielsweise Grillkohle für einen gemütlichen Abend in einem der Häuser, Kindersitz und Fahrradhelm für unterwegs, Reinigungsmaterial oder Zutaten für ein Verwöhnfrühstück. Und für Heimwerker unter den Spendern steht auch eine Bohrmaschine im Angebot. Und perfekt: Ich kann das Ganze einem Haus meiner Wahl zukommen lassen.

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Im Shop lese ich dann die folgenden Artikelbeschreibungen:

Fahrrad-Equipment
Mit einer Spende von 30 Euro können Kindersitz, Fahrradhelm, Fahrradkorb etc. zur Verfügung gestellt werden. (Fahrrad-Equipment)
Grill & Grillkohle
Grill und Grillkohle sind im Sommer und Winter gefragt. Mit 70 Euro helfen Sie dabei, sie zur Verfügung zu stellen. (Grill und Grillkohle)
Gartenzauber-Set
Blumen, Saat, Pflanzen, Schaufel und Harke: Mit einer Spende von 30 Euro können wir im Garten aktiv werden. (Set)
Küchengeräte
Kühlschrank, Herd, Spülmaschine: Mit einer Spende von 1.000 Euro kann eines dieser Geräte angeschafft werden. (Küchengeräte)

Wenn ich nun auf “Kostenpflichtige Spende durchführen” klicke, gehe ich als durchschnittlicher Spender davon aus, dass diese Artikel dem Haus meiner Wahl zur Verfügung gestellt werden, bzw. der Betrag zum Kauf dieser Artikel. Ob jemanden die Worte “können” dabei irritieren?

Aber nun hat mich jemand dazu gebracht, eine Seite anzuklicken, welche ich nie anklicke: die AGB-Seite, bzw. hier heißt sie FAQ. Wie üblich ist sie unten auf der Seite:

FAQ-Link des Spendenshops

Und hier lese ich dann im Punkt 2:

FAQ ausführlich

2. Wenn ich z.B. ein Verwöhn-Frühstück in den Warenkorb lege, wird dann davon wirklich ein Frühstück für die Eltern gekauft?

Nein. Die Produkte werden nicht 1:1 gespendet, sie stehen vielmehr symbolisch für den Bedarf, der in den Ronald McDonald Häusern täglich entsteht. In unserem Spendenshop finden Sie beispielhafte Produkte, die wir bei unserer täglichen Arbeit einsetzen. Ihre Spende wird dabei immer dort eingesetzt, wo sie am nötigsten gebraucht wird.

Kommt dieser Text bekannt vor? Ja, es ist praktisch der identische Text, den ich oben beim konstruierten Klamotten-Shop persiflierte.

Ich hatte für mich das Thema der Spendenshops gedanklich etwas zur Seite gelegt und gehofft, dass mündige Spenderinnen und Spender schon sehen werden, dass die Produkte in vielen Shops nichts, aber auch gar nichts mit der konkreten Spendenverwendung zu tun haben.

Das ganze Gehabe mit dem Spendenshop dient einzig und alleine dem Zweck, Spenderinnen und Spender die Illusion zu geben, einen konkreten Bedarf in einem der Häuser zu decken. Spender sollen über die Kaufillusion dazu gebracht werden, eine möglichst hohe Spende zu geben, indem sie mehrere Artikel in den Warenkorb legen. Dabei suggerieren die Texte eindeutig, dass auch dieser Artikel dem Haus zugute kommen wird.

Ich weiß nicht, ob es rechtlich wasserdicht ist, Spenderinnen und Spender derart  – mit einer in meinen Augen bewussten Irreführung – zu einer Spende zu bewegen. Ja, in den FAQ steht es groß drin, dass es sich um eine symbolische Produktauswahl handelt. Aber auch in AGB dürfen keine Passagen vorkommen, mit welchen der durchschnittliche Käufer nicht rechnen muss.

Ich bin gespannt, ob es einmal ein Mitbewerber einer via Fake-Onlineshop agierenden spendensammelnden Organisation wagt, auf dem Weg der Wettbewerbs-Abmahnung eine Klärung der Frage zu initiieren, wann ein Spenden-Shop als solcher bezeichnet werden darf.

 

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