Über Spender sprechen

Würden Ihre Förderer im Fundraising-Vortrag den gleichen Menschen erleben, wie im persönlichen Kontakt?
Würden Ihre Förderer im Fundraising-Vortrag den gleichen Menschen erleben, wie im persönlichen Kontakt?

Wie sprechen Sie Ihre Spenderinnen und Spender an? Ich erlebe dabei ganz unterschiedliche Begriffe, wenn ich mir die Spendenbriefe oder Internet-Seiten von gemeinnützigen Organisationen ansehe. Bei meinem Arbeitgeber haben wir den Begriff “Freunde und Förderer” 2004 eingeführt. Diese Worte empfanden wir damals – und tun es heute noch – als respektvoll und aufrichtig. Und so ähnlich handhaben es die meisten NGOs: Für die öffentliche Kommunikation werden Bezeichnungen gewählt, welche mit gutem Gewissen veröffentlicht und von Unterstützern gelesen werden können.

Auf einem Seminar, welches ich einmal besuchte, erlebte ich eine Referentin, welche sehr engagiert und kompetent über ihre Arbeit sprach und die Kontakte zu den Förderern betonte. Das klang alles sehr stimmig. Doch gegen Ende des Vortrags wurden auch forderndere Kontakte zu Förderern beschrieben. Und da erhielt der Vortrag eine Drehung: Die Förderer wurden nun, als wäre ein Damm gebrochen, als schwierig, unzuverlässig, geschwätzig etc. skizziert. Das so positive Bild, welches ich von der Referentin hatte, erhielt einen dunklen Schatten. Ich empfand sie plötzlich als nicht mehr authentisch, die Spenderbeziehung als bemüht.

Persönliche Beziehungserwartung zurückstellen

Nun, natürlich sind nicht alle Kontakte immer unproblematisch. Doch wir dürfen die professionellen Kontakte zu Förderern nicht mit persönlichen Freundschaften verwechseln. Als Fundraiser gehört es zu unserer Aufgabe, ein positives Menschenbild in Bezug auf unserer Unterstützer zu haben. Und dazu zählt auch, sie so anzunehmen, wie sie sind. Und es gehört zur Professionalität, unsere persönlichen Erwartungen an den Gegenüber zurückzustellen. Die Förderer unserer Organisation sind nicht deswegen Förderer geworden, um uns Fundraiser mit ihrem angenehmen Wesen und anregenden Gesprächen zu erfreuen. Wer diese Erwartung hegt, sollte sein professionelles Verständnis dringend auf den Prüfstand stellen.

Über Abwesende sprechen

Wie sprechen Sie im fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen über Spender? Mir fällt dabei ein Artikel ein, in welchem von Menschen berichtet wurde, welche unbemerkt mithörten, wie ihre Operateure über sie sprachen. Was sie hörten, ließ sie erschaudern, soviel Abwertendes kam aus deren Mündern. Erklärt wurde dies damit, dass auch die Ärzte ein Ventil bräuchten, um mit dem Stress fertig zu werden. Eine Begründung, welche mir bis heute nicht gefällt.

Gleiches gilt auch im Fundraising. Es ist auch kein sehr schöner Zug, über seine Förderer in Abwesenheit in wertenden Begriffen zu sprechen. Oder provokativ gefragt:

Würden Sie einen Vortrag, in welchem Sie das Fundraising Ihrer Organisation beschreiben, in den identischen Worten und im gleichen Aufbau halten, wenn hinten im Saal 15 Ihrer Unterstützer säßen? Was wäre anders? Welche Begriffe würden Sie rauswerfen? Blieben Worte wie “Upgrade-Potential”, “C-Spender”, “abtrünnig”, etc. noch erhalten?

Fazit: Sprechen Sie immer so über Ihre Förderer und Ihr Fundraising, als ob Ihnen Ihre Förderer zuhören könnten. Diese Form von Respekt ersetzt viele Ethik-Regeln.

Ein Gedanke zu „Über Spender sprechen“

  1. Hallo Kai,

    sehr richtig erkannt! Gerade wenn man in der “Massenkommunikation” (E-Mail, Direct Mail …) arbeitet, muss man sich immer wieder einen respoktvollen Umgang mit jedem einzelnen Unterstützer ins Gedächtnis rufen. Das gerät bei dieser daten- und statistikgetriebenen Arbeit nämlich schnell in Vergessenheit. Trifft man strategische Entscheidungen doch immer anhand von Reaktionen vieler Spender. Aber niemand hat gesagt, es wäre einfach 😉

    Grüße, Matthias

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