Anträge bei Stiftungen stellen – aber richtig!

So sollte eine Biite an eine Stiftung nicht aussehen.
So sollte eine Bitte an eine Stiftung nicht aussehen.

Wenn eine Stiftung eine Website hat, Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen ist oder auf anderem Weg in einem öffentlichen Stiftungsverzeichnis gelandet ist, wird sie früher oder später Förderanträge erhalten. Mich erreichte bei eva’s Stiftung kürzlich beispielsweise ein Antrag, aus welchem der nebenstehende Textausschnitt stammt. Mir wird in einem zweiseitigen Brief ein soziales Beratungsprojekt vorgestellt. Als Bitte lese ich die Formulierung:

“Unsere Bitte an Sie: Unterstützen Sie [xxx] in seiner Startphase und beim weiteren Aufbau mit einem finanziellen Beitrag. Denn gute Árbeit und soziale Gerechtigkeit muss für alle möglich sein. Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung. Selbstverständlich stellen wir dafür Spendenquittungen aus. Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen, gerne füllen wir auch Ihre Antragsformulare aus.” „Anträge bei Stiftungen stellen – aber richtig!“ weiterlesen

Verbrauchsstiftung – die smarte Alternative

Auf zu neuen Stiftungs-Ufern, der Verbrauchsstiftung entgegen.
Auf zu neuen Stiftungs-Ufern, der Verbrauchsstiftung entgegen.

Im letzten Beitrag zeigte ich mich ob der Flut kleiner und kleinster Stiftungsgründungen skeptisch, ob das Modell Stiftung wirklich für so viele Einsatzgebiete taugt, wie es oft vorgeschlagen wird. Eine Alternative zur Gründung einer auf ewig existierenden Stiftung ist die Verbrauchsstiftung.

Die Verbrauchsstiftung stellt einen Sonderfall der Stiftung bürgerlichen Rechts dar. Das Modell der Verbrauchsstiftung wurde neu durch das Ehrenamtsstärkungsgesetz vom 21. März 2013 verankert, nachdem diese lange umstritten und von den Stiftungsaufsichten sehr unterschiedlich behandelt wurde. Die Verbrauchsstiftung stellt eine Alternative zur »ewigen« Stiftung dar. Bei ihr wird in der Satzung festgelegt, inwieweit nicht nur der Ertrag, sondern auch das eigentliche Stiftungskapital zur Zweckerfüllung eingesetzt werden kann. Dabei ist in der Regel ein Mindestzeitraum von zehn Jahren einzuhalten, über welchen das Kapital frühestens aufgezehrt werden darf.

Prominentes Beispiel für eine Verbrauchsstiftung (oft auch Verzehrstiftung genannt) ist die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Diese Stiftung musste nicht auf »ewig« angelegt werden, da die Entschädigung der Zwangsarbeiter zu Lebzeiten erfolgen muss.

Ein neues Fundraising-Instrument

Als Fundraising-Instrument ist die Verbrauchsstiftung noch nicht entdeckt worden. Dabei bietet sie spannende Gestaltungsmöglichkeiten. Die Vorteile der Verbrauchsstiftung liegen in der effektiven Verwirklichung des Stiftungszwecks auch bei kleinerem Grundstockvermögen. Damit wird die Zweckverwirklichung geschützt vor Finanzkrisen oder Missmanagement bei der Mittelanlage. Ferner lassen sich inhaltlich oder zeitlich begrenzte Stiftungszwecke mit der Lebensdauer der Stiftung abstimmen. Das Modell der Verbrauchsstiftung bietet sich aus Fundraising-Sicht auch an, wenn eine Erbschaft nachhaltig Verwendung finden soll, im Volumen aber nicht für eine normale Stiftung ausreichend erscheint. Ggf. ist einer Verbrauchsstiftung auch als Treuhandstiftung einzurichten. Allerdings ist dringend empfohlen, dies vorab mit der Stiftungsaufsicht abzustimmen.

Nach meiner Erfahrung sind durchaus nicht alle potentiellen Stifter so wild darauf, dass ihr Kapital “auf ewig” in der Stiftung liegt, sondern stehen dem Gedanken einer Verbrauchsstiftung sehr positiv gegenüber. Möglicherweise kollidieren hier die Interessen der Stiftungsverwalter und der Stifter. Doch als Fundraiser, die wir auch immer Berater der Spender / Stifter sind, sollten wir diese Option im Hinterkopf haben. Denn primär geht es uns in unseren Stiftungen um Wirkung und nicht um die Verwaltung des größten Portfolios.

Eine kleine Anregung: Gerade bei den von mir gerne kritisierten Klein-Stiftungen zum Bauunterhalt von Kirchen, wäre die Option Verzehrstiftung bedenkenswert. Wie wäre es mit einem Passus in der Stiftungssatzung, der es erlaubt, das Vermögen nach beispielsweise 10 oder 15 Jahren langsam zu verzehren, wenn ein vorab festgelegtes Stiftungsvolumen (z.B. 1 Mio. Euro) nicht erreicht wird. Den Kirchengemeinden wäre damit sicher mehr geholfen, als durch das auf Konten schlummernde zu geringe Kapital.

Fazit: Mit der Verbrauchsstiftung gibt es eine spannende Ergänzung zum Stiftungsboom. Ich bin gespannt, wann dieser Stiftungstyp im Fundraising ankommt und welche Ausprägungen wir erleben werden. Tipps und Beispiele hierzu gerne an mich!

Nachtrag:

Sieglinde Ruf hat in der Evangelischen Landeskirche Baden bereits 2006 als Fundraisingbeauftragte die Treuhandstiftung GRATIA als Verbrauchsstiftung empfohlen, beraten und – gewissermaßen – in der Wiege angelächelt. Hier der Link zur Satzung, mit Hinweis auf §2 (6)

 

Scheinriese Stiftung

Je niedriger die Sonne am Fundraiser-Horizont steht, desto länger der Schatten einer Stiftung.
Je niedriger die Sonne am Fundraiser-Horizont steht, desto länger der Schatten einer Stiftung.

Ich bin ein Freund von Stiftungen … wenn sie zum Fundraising-Mix einer Organisation passen. Zwei Stiftungen habe ich auch maßgeblich konzipiert und bei einer Geburtshilfe geleistet. Doch wie ich auch hier im Blog schon schrieb: Eine Stiftung zu gründen, weil es gerade in Mode scheint oder einem nichts besseres einfällt, halte ich für einen groben Fehler. Eine Stiftung muss immer zu den Fundraising-Zielen passen und zum Mix der Fundraising-Instrumente.

Wie komme ich darauf? Nun, vor einer Woche flatterte mir folgende Meldung in den elektronischen Postkasten:

Aichwald (epd). Die bauliche Zukunft ihrer mittelalterlichen Kirchen will die Evangelische Kirchengemeinde Aichwald (Kreis Esslingen) mit einer Stiftung absichern. Mit der “Vier-Kirchen-Stiftung, die am 14. November gegründet wird, sollen Finanzierungsquellen über die Kirchengemeinde hinaus erschlossen werden, (…) Die Kirchengemeinde Aichwald mit 3.500 Mitgliedern ist zuständig für denkmalgeschützte Kirchen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert (…).

Die Kirchengemeinde, (…) wolle keine der Kirchen aufgeben müssen, (…) Als Startkapital für die Stiftungsgründung hätten mehr als 70 Privatpersonen, Vereine, Firmen und die Kommune 114.000 Euro zusammengetragen. Pfarrer Jochen Keltsch nannte als nächste Baumaßnahmen an den Kirchen die Außenrenovierung der Schanbacher Kirche mit 260.000 Euro, einen neuen Motor für die Glocke in Aichelberg und Reparaturen an der Heizung in Krummhardt mit rund 30.000 Euro.

(Quelle: epd-Südwest/Kirchen/Baudenkmale/Finanzen/; 2555/07.11.2014; epd lbw mu- cr)

Wenn ich lese, dass zum Start “gerade mal” 114.000 Euro zusammen kamen, aber alleine als aktuelle Baumaßnahmen 290.000 Euro anstehen, so erschließt sich mir die Strategie hinter der Stiftungsgründung nicht. Natürlich, so wird mir jetzt entgegnet werden, soll es ja nicht bei den 114.000 Euro bleiben, sondern es sollen Zustiftungen und Vermächtnisse folgen. Aber ist es realistisch, anzunehmen, dass dadurch ein Betrag von einer Million oder deutlich darüber zusammenkommen wird? Immerhin ist hier die Rede vom Bauunterhalt von vier (!) mittelalterlichen Kirchen. Beim aktuellen Zinsniveau, wo sogar schon Strafzinsen für Festgeldanlagen diskutiert werden, bringt Kapital nicht so viel ein.

Als Benchmark dazu die “Drei-Kirchen-Stiftung” im nicht weit entfernten Kirchenbezirk Geislingen. Diese wurde 2006 mit 192.000 Euro errichtet und hat Ende 2012, also nach sechs Jahren Werbung, 307.000 Euro Kapital erreicht. Und eine tragende Säule ist die Stiftung noch lange nicht, wenn man die notwendigen laufenden Bausummen und die möglichen Zuschüsse aus der Stiftung im Rundbrief der Stiftung gegenüberstellt.

Wenn ich mir diese Projekte ansehe und gleichzeitig die demografische Situation der Kirchenmitgliedschaften vor Augen führe, so stellt sich mir doch die Frage, ob einzelne gezielte Fundraising-Maßnahmen für den Bauunterhalt der Kirchen nicht ertragbringender wären als die sehr geringen Zinserträge der Mini-Stiftungen. Und muss eine Kirchengemeinde wirklich alle Kirchen erhalten, nur damit “die Kirche im Dorf bleibt”? Zementiert eine Stiftung hier nicht Strukturen, Gebäudestrukturen, welche vielleicht in bereits 50 Jahren völlig überholt sind?

Diese Überlegungen sehe ich noch viel zu selten aufschimmern zwischen all den Jubelmeldungen über eine Stiftungserrichtung nach der anderen. De facto wird hier das Geld von Kirchenmitgliedern “begraben”. Wäre es für eine Kirchengemeinde nicht belebender, alle 2-4 Jahre einmal ordentlich die Fundraising-Karte zu ziehen und damit die den Bauunterhalt der Kirchen aktiv und lebendig in die Gemeinde zu bringen? Nun, vielleicht wurden diese Überlegungen ja getätigt … leider finde ich sie nirgends dokumentiert.

Fazit: Die Gründung einer Stiftung wird noch immer als Allheilmittel angesehen und gepriesen, wenn es um die nachhaltige Finanzierung gerade von Bauprojekten geht. In der Realität sind diese Stiftungen so ehrfuchtseinflößend wie der Scheinriese Herr Tur Tur  in Michael Endes “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer”. Aus der Ferne wirkt der Stiftungsbegriff mächtig, finanziell potent und mit hohem Fundraising- und Wachstumspotential. Je mehr man sich diesen Stiftungen aber nähert, desto kleinerund wirkungsloser erscheinen sie, schrumpfen auf Normalmaß.

Kleiner Ausblick: Wäre eine Verzehrstiftung nicht eine zeitgemäßere und der Realität angepasstere Alternative? Mehr dazu in einem der nächsten Blog-Artikel.

Disclaimer: Als Fundraiser und Geschäftsführer einer diakonischen Stiftung in Stuttgart stehe ich natürlich in einem gewissen Wettbewerbsverhältnis zu den Stiftungsgründungen in der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Allerdings weiß ich dadurch auch um die Mühen, eine Stiftung groß werden zu lassen.

Stiftung gründen oder: ich kauf’ mir meinen Verein

Einsam oder gemeinsam? Stiftung als One-Man-Verein?
Einsam oder gemeinsam? Stiftung als One-Man-Verein?

Stiftungen gibt es jetzt schon zum Dumpingpreis. Wer bei einigen Trägern, welche ihre Stiftung über das Stiftungszentrum München verwalten lassen, als Stifter aktiv werden will, kann dies mit 5.000 Euro und einer Treuhandstiftung bereits verwirklichen. Aber auch über dieser Minimalgrenze werden sehr viele Stiftungen mit einer verhältnismäßig geringen Kapitalausstattung errichtet. Bei den rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts sind es rund 73 Prozent, welche weniger als eine Million Euro Grundkapital haben. Bei den Treuhandstiftungen sieht die Zahl sicher eher noch schlechter aus. Und so ist, ohne dass man boshaft sein muss, der Zweifel naheliegend, ob sie jemals aus eigener Kraft tätig nachhaltig sein können. Viele Stiftungen sind nur dann in der Lage, wirksam zu werden, wenn sie hierfür Spenden erhalten und nicht auf Kapitalerträge bauen. Und damit unterscheidet sich solch eine Stiftung in der Wirkung gar nicht mehr so sehr von einem Verein. „Stiftung gründen oder: ich kauf’ mir meinen Verein“ weiterlesen

Stiftungen im Wert erhalten

Welchen Weg nimmt Ihre Stiftung? Vermögenserhalt netto, brutto oder eine Zwischenlösung?
Welchen Weg nimmt Ihre Stiftung? Vermögenserhalt netto, brutto oder eine Zwischenlösung?

In diesen Tagen wird in vielen Stiftungen Kassensturz gemacht: Wie hat sich das Stiftungsvermögen entwickelt und – vor allem – welche Erträge wurden im Vorjahr erwirtschaftet, um den Stiftungszweck erfüllen zu können? Gerade jetzt, in Zeiten niedriger Zinsen und gleichzeitig hoher Erwartung an Stiftungen, tränt da mehr als ein Auge. Die Erträge aus den Geldanlagen sind erschreckend niedrig, meist springen nicht mehr als 2-3% Ertrag heraus.

Parallel haben wir derzeit eine moderate Inflationsrate, im Jahr 2012 betrug sie 2%.

Aufgabe: Vermögenserhalt

Neben der Erfüllung ihres Stiftungszwecks haben Stiftungen noch eine weitere wichtige Aufgabe: Sie müssen ihr Vermögen erhalten. Dies kann nun auf zwei Wegen geschehen: „Stiftungen im Wert erhalten“ weiterlesen

Was macht eine Gemeinschaftsstiftung aus?

Eine Stifterwand ist schön, aber sie schafft noch keine Gemeinschaft

Als ich vor 13 Jahren mit der “Stiftung Wanderjugend” meine erste Gemeinschaftsstiftung auf den Weg brachte, gab es noch nicht viele Vorbilder zu diesem Stiftungstyp. Mit der Gründung von eva’s Stiftung 2003 und der Publizierung des Vorgehens der Stiftungsgründung wurde die Gemeinschaftsstiftung für viele zu einem Modell für Stiftungsneugründungen.

Was ist das Besondere an einer Gemeinschaftsstiftung? Warum Gemeinschaft? „Was macht eine Gemeinschaftsstiftung aus?“ weiterlesen

Geldbörse oder Tresor?

Aus welcher Quelle speisen sich die Spenden? Börse oder Tresor?

Welche Kriterien haben Sie, um zu entscheiden, ob eine Ausgabe niedrig oder hoch ist? Die Preisbildung ist im kommerziellen Marketing eine alles andere als triviale Aufgabe und Gegenstand der betriebswirtschaftlichen Forschung.

Und auch im Fundraising stehen wir immer wieder vor der gleichen Frage: Um welchen Betrag darf ich bitten? Und wenn man die üblichen “PS: Bereits mit 20, 50 oder 100 Euro …” – Phrasen im Kopf hat, scheint es dabei nicht viel Auswahlmöglichkeit oder Fantasiebereitschaft zu geben. Wir orientieren uns an den bisherigen Spenden und schlagen eventuell noch den einen oder anderen Euro drauf. Darin erschöpft sich bei uns häufig die Preisbildung. Denn man möchte ja keinen verschrecken oder gar unmäßig erscheinen.

Haben Sie schon mal – als Minimum – 5.000 Euro angefragt? Auch von Rentnern? Und das mit gutem Gefühl? Das geht! Und ich erkläre gleich, warum das funktionieren kann. „Geldbörse oder Tresor?“ weiterlesen

Knapp bei Kasse? Stiftung gründen?

Stiftungen sprudeln nicht von alleine...

Der seit einigen Jahren anhaltende Boom neu gegründeter Stiftungen und der hohe Erfolg einzelner Stiftungsgründungen macht dieses Fundraisinginstrument für viele attraktiv.

Im Hinterkopf steckt dabei die Vorstellung, dass, ist erst einmal die Stiftung errichtet, das Geld schon sprudeln wird.

In Seminaren werde ich oft um Ratschläge gebeten, wie man am besten eine Stiftung für den Zweck XY (wahlweise Jugendreferentenstelle, Kirchenerhalt, …) gründet.

An diesem Punkt des Gesprächs bremse ich meist erst einmal. Denn eine Stiftung nur zu gründen, weil es gerade in Mode ist, ist unsinnig. Eine Stiftung, welche nachhaltig Gelder für Ihren Verein oder Ihre Gemeindearbeit erwirtschaften soll, muss zu ihrem Fundraising-Mix und vor allem zu ihren finanziellen Zielen passen. „Knapp bei Kasse? Stiftung gründen?“ weiterlesen

Reaktanz: Praxisbeispiel Stiftungsgründung

Reaktanz ist, kurz zur Erinnerung, der Effekt, dass wir auf das Einschränken von Verhaltensspielräumen, ein “Jetzt erst recht”-Gefühl entwickeln. Das Verbotene wird reizvoll (auch wenn wir es vorher überhaupt nicht wollten) und die als eingeschränkt empfundene Handlung wird als attraktiver als zuvor bewerten. „Reaktanz: Praxisbeispiel Stiftungsgründung“ weiterlesen