Stilkritik: Zwei Appelle ans Christsein

einsiedelnInnerhalb weniger Tage erreichten mich zwei Spendenbitten. Beide fallen aus dem üblichen (etwas langweiligen) Rahmen, beide kommen von katholischen Organisationen und beide werben explizit mit einer kirchlich christlichen Tonart.

Die Pflicht zur Unterstützung der Armen findet sich in allen großen Religionen. Und Spenden aufgrund christlicher Prägung stellt sicher die stabilste, die verlässlichste Motivlage dar, an welche appelliert werden kann. Das gilt natürlich nicht nur für explizit kirchliche Organisationen und nicht nur für kichlich gebundene Menschen. Christlich geprägte Motive beim Geben sind als kulturelles Allgemeingut auch bei Kirchenfernen unterschwellig annehmbar.

Nun, von kirchlichen Organisationen dürfen wir getrost annehmen, dass es ihnen weder fremd noch gar peinlich ist, explizit ihren kirchlichen Hintergrund in den Vordergrund zu stellen und als Grundlage für ihr soziales Wirken zu benennen. Und es ist nachvollziehbar, dass versucht wird, den gemeinsamen religiösen Hintergrund mit ihren Spendern zu betonen, um Gemeinschaft zu konstituieren, die Spendenwahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Die beiden Mailings, welche ich skizzieren möchte, sind von „adveniat – für die Menschen in Lateinamerika“ und vom “Malteser Hilfsdienst e.V.”. „Stilkritik: Zwei Appelle ans Christsein“ weiterlesen

So “ticken” Stifter

irisFür einen gelungenen Stiftungsantrag braucht es eine fundierte Recherche vorab. Und zur Recherche bei Stiftungen gehört das Wissen, dass jede Stiftung anders tickt und vor allem anders geführt wird.

Zwei wichtige Typen von Stiftungen lassen sich pragmatisch unterscheiden. Da gibt es die – meist größeren – managementgeführten Stiftungen und es gibt die „inhabergeführten“ Stiftungen.

Bei den, wie ich sie nennen mag, managementgeführten Stiftungen liegt die Leitung der Stiftung bei angestellten Mitarbeitern. Gerade größere und ältere Stiftungen sind so geführt, haben manchmal eigene Projektbereiche, Ausschreibungen und ein dezidiertes Antragsverfahren.

Häufiger sind mittlerweile, dem Boom der Stiftungsgründungen der letzten 15 Jahre geschuldet, die „inhabergeführten“ Stiftungen. „Inhaber“ ist in Anführungszeichen, da eine Stiftung ja niemandem außer „sich selber“ gehört, eine Vermögensmasse darstellt. Aber diese Stiftungen werden oft von ihrem Stifter oder engen Vertrauten des Stifters / der Stifterin geführt. Sie sollten also eher „stiftergeführte Stiftung“ genannt werden.

Wer von einer solchen, stiftergeführten Stiftung, Unterstützung erhofft, muss sich ganz klassisch mit Motiven auseinandersetzen. „So “ticken” Stifter“ weiterlesen

Kommentar zur Dissertation von Clara West

Auf sozialmarketing.de ist ein Interview mit Clara West erschienen, welches sich um ihre 2011 eingereichte Dissertation zum Thema “Bestandsaufnahme der Bedeutung verschiedener Motivgruppen bei Spendern” dreht.

Ein erster und sehr schneller Blick über die Dissertation bringt nach dem ersten Impuls der Freude über ein neues Stück Forschung einige Fragen auf. Nachfolgend der Text des Kommentares, den ich auf sozialmarketing.de hinterließ: „Kommentar zur Dissertation von Clara West“ weiterlesen

Knapp bei Kasse? Stiftung gründen?

Stiftungen sprudeln nicht von alleine...

Der seit einigen Jahren anhaltende Boom neu gegründeter Stiftungen und der hohe Erfolg einzelner Stiftungsgründungen macht dieses Fundraisinginstrument für viele attraktiv.

Im Hinterkopf steckt dabei die Vorstellung, dass, ist erst einmal die Stiftung errichtet, das Geld schon sprudeln wird.

In Seminaren werde ich oft um Ratschläge gebeten, wie man am besten eine Stiftung für den Zweck XY (wahlweise Jugendreferentenstelle, Kirchenerhalt, …) gründet.

An diesem Punkt des Gesprächs bremse ich meist erst einmal. Denn eine Stiftung nur zu gründen, weil es gerade in Mode ist, ist unsinnig. Eine Stiftung, welche nachhaltig Gelder für Ihren Verein oder Ihre Gemeindearbeit erwirtschaften soll, muss zu ihrem Fundraising-Mix und vor allem zu ihren finanziellen Zielen passen. „Knapp bei Kasse? Stiftung gründen?“ weiterlesen

Den Himmel verdienen …

 Ökonomisch war die Entscheidung der Reformation gegen den Ablasshandel schwierig. Theologisch natürlich richtig.

(Bischof July beim Empfang der Landeskirchlichen Stiftung, 23.1.12)

Warum geben kirchlich gebundene Menschen?

Im Seminar frage ich die Teilnehmer immer wieder nach den besten Gründen, warum Menschen spenden. Und oft kommt als Grund “den Platz im Himmel verdienen”. Nun sind wir 500 Jahre nach der Reformation, der Ablasshandel ist – zumindest kirchlicherseits, nicht im Umweltbereich – abgeschafft und das Thema “Himmel verdienen” sollte keine Rolle mehr spielen. „Den Himmel verdienen …“ weiterlesen