Wie wäre es mit … einer Frage?

"Können wir es schaffen?" - diese Frage bringt das Gehirn zum Denken.
“Können wir es schaffen?” – diese Frage bringt das Gehirn zum Denken.

Der klassische Weg, um innerhalb des Vereins für seine Projektidee zu werben, ist eine Präsentation im Vorstand oder Leitungsgremium. Doch das kann schnell schief gehen, denn Gremien neigen zur Polarisierung. Wenn die Idee hingegen in Frageform präsentiert wird, kann sie zur Gruppenidee werden.

Nur wenige Fundraiserinnen und Fundraiser können immer frei entscheiden, welche ihrer vielen Ideen sie umsetzen dürfen. Finanzielle Mittel und das Wohlwollen von Vorständen und Leitungsgremien müssen oft in langen Diskussionen erworben werden. Ein Merkmal von Gruppen ist, dass sich die Meinung zu einem Projekt polarisiert. In einer Gruppe gibt es nach kurzer Zeit meist zwei Extreme im Meinungsbild. Und je nachdem, welche Gruppe stärker ist, wird unser Projektvorschlag angenommen oder in der Luft zerrissen.
Um mit dieser Gruppendynamik umzugehen, schlage ich einen anderen als den üblichen Vortragsansatz vor. Klassisch ist, dass wir ein Projekt von der Vision bis zur Realisierung hin vorstellen. Ob mündlich, mit Powerpoint oder am Flipchart spielt keine Rolle. Unser Ziel stellen wir, so wird es oft gelehrt, so dar, als ob wir es schon erreicht hätten. Das soll uns selber motivieren.

Fertige Ideen machen träge oder wecken Widerspruch

Leider hat dieser Ansatz einen erheblichen Nachteil. Er macht unser Gehirn träge. Oder-  und schlimmer: Er weckt in uns den Widerspruchsgeist, wenn wir nicht bereits zu Beginn der Idee positiv gegenüberstanden. Wenn etwas zu fertig klingt, suchen wir den Fehler in der Darstellung. Und damit kommen verstärkt Gegenargumente zu Ihrem Vorschlag und je nach Ihrem Geschick in der Argumentation und der Gruppenstimmung, dreht sich plötzlich der Wind gegen Ihr Vorhaben.

Viele Moderationsmethoden versuchen, mit dieser polarisierenden Eigenart von Gruppen umzugehen. Doch diese Methoden können wir nur dann einsetzen, wenn wir den Ablauf der Gruppe definieren können. Für all die Fälle, wo dies nicht geht, schlage ich eine einfache Alternative zum Test vor:

“Wie könne wir es schaffen, dass …?”

Wenn Ihre Idee ein »Sommerfest mit einer Benefizauktion« ist, dann würden Sie dies normalerweise unter diesem Titel vorstellen. Und jeder hat sofort ein Sommerfest und ein Bild von einer Auktion im Kopf – positiv wie negativ.

Nun stellen Sie die Idee in Form einer Frage vor: »Wie können wir es schaffen, unser Sommerfest mit einer Benefizauktion zu kombinieren? (Und dabei 3.000 Euro mehr als bisher einnehmen)«.

Der Unterschied besteht nun darin, dass das Gehirn bei einer Frage fast »automatisch« damit beginnt, nach Antworten zu suchen. Es fühlt sich herausgefordert, es kommt damit auch ein kreativ-spielerischer Ansatz in die Diskussion. Nun präsentieren Sie Ihr Vorhaben unter dieser Überschrift – und damit unter völlig neuem Vorzeichen. Vorausgesetzt ist dabei aber, dass Sie Ihr Konzept noch nicht gleich als ganz fertig vermitteln. Und es macht Sinn, diese Frage nicht nur am Anfang oder am Ende als Folie kurz aufflackern zu lassen, sondern – vielleicht gekürzt – als Unterzeile mitlaufen zu lassen.

Überlegen Sie auch, ob Sie die Frage geschlossen oder offen stellen wollen. Geschlossen klingt es wie bei »Bob der Baumeister«, »Können wir es schaffen …?«. Die offene Frage lautet eher »Wie können wir es schaffen …?«.

Es gibt keine Garantie, dass Ihr Projekt damit automatisch durchkommt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Diskussion ergebnisoffen abläuft, steigt sicherlich an.

Am besten, Sie testen!

Jäger und Sammler

sanddorn-klIch liebe kollegialen Austausch. Es ist für mich spannend, mit welchen Ansätzen und Ideen andere Fundraiserinnen und Fundraiser an ihre Aufgaben gehen. Manches davon finde ich sehr gut, bei anderem habe ich meine Fragezeichen und hin und wieder denke ich darüber nach, was sich adaptiere ließe. Ja, das Rad muss nicht immer neu erfunden werden.

Mein Tipp: Lassen Sie sich inspirieren von dem, was andere machen.

Blindes Kopieren bringt meist wenig. Denn gute Fundraisende passen eine Idee genau auf ihre Organisation an. Wer blind kopiert, spart sich zwar viel Zeit, aber das Ergebnis wird auch hinter den Erwartungen zurück bleiben. Und … reines Kopieren ist auch oft nicht zulässig – denken Sie an das Urheberrecht. „Jäger und Sammler“ weiterlesen

Visitenkarten-Kollekte

Spenden – mit seinem guten Namen.

Bei Veranstaltungen wird häufig um eine Spende für einen sozialen Zweck gebeten. Am bekanntesten ist hier sicherlich das Opfer im Gottesdienst. Aber auch bei Jahresfesten, Familienfeiern, Spendertreffen, Besuchergruppen etc. steht häufig ein Körbchen auf einem Tisch oder am Ausgang mit einem Hinweis auf den zu fördernden Zweck. Bei Choraufführungen gibt es gerne die “verschärfte” Variante, bei der jüngere Kinder die Körbchen halten und mit treusorgendem Augenaufschlag um finanziellen Nachschlag bitten.

Schön und gut, doch die Methode hat zwei Haken.

Problem Nr. 1: Bargeldmangel

Immer weniger Leute haben nennenswerte Bargeldbeträge in der Geldbörse. Bereits 8 €-Käufe werden heutzutage im Drogeriemarkt per Karte bezahlt … wer in der Schlange dahinter steht, weiß ein Lied davon zu singen. Entsprechend gering fallen dann oft die Kollekten aus.

Problem Nr. 2: Steuerlast

Beim Spenden fängt für viele erst bei einer in Aussicht stehenden Zuwendungsbestätigung (also der guten alten Spendenbescheinigung) der Spaß an. Papa Staat soll sich gefälligst am Spenden indirekt beteiligen. Und bei Bargeldspenden ins Töpfchen ist das nunmal ein Problem.

Eine Lösung: Lassen Sie Ihre Spender mit ihrem guten Namen spenden

In den USA kennen wir aus vielen Berichten die Fundraising-Dinner, -Lunches etc. Dort wird einfach per Kreditkarte oder Scheck bezahlt. Doch wer hat hierzulande zuletzt mal einen Scheck gesehen oder gar selber ausgestellt? Euroschecks sind längst abgeschafft …

Kürzlich hatten wir (d.h. mein Brötchengeber, die eva Evangelische Gesellschaft Stuttgart) die tolle Gelegenheit, bei einer großen Firmenmesse eines unserer Projekte präsentieren zu dürfen – im Plenum, anmoderiert vom Ministerpräsidenten, rund 600 Zuhörende Firmenvertreter. Ausgangsidee war, im Nachgang die Leute anzuschreiben und um eine Spende zu bitten. Doch das erschien mir zu weit weg.

Also positionierten wir uns am Ausgang mit einem kleinen Stand und einer Spendensäule, um dort – ganz klassisch – um Spenden zu bitten. Denn: Erlebnis bringt Ergebnis – direkt nach der emotionalen Info gibt man doch am ehesten.

Um nun die beiden oben genannten Probleme bei der Bargeld-Kollekte zu umgehen, wurde bei der Präsentation eine weitere Möglichkeit erwähnt, spenden zu können:

Geben Sie uns einfach Ihre Visitenkarte. Wenn Sie möchten, können Sie bereits einen Betrag notieren, um den wir Sie dann nach der Messe bitten dürfen.

Irgendwo hatte ich von dieser Idee mal gehört, aber sie selber nie eingesetzt. Hier schien nun der geeignete Moment, denn Visitenkarten haben sicher alle Messegäste bei sich.

Visitenkartenspenden schlagen Geldspenden

Unser kleiner Stand (nur Spendensäule und ein Roll-Up) war danach gut umlagert und wir erhielten eine Menge Scheine. Nur ein einziger Besucher warf Münzen ein. Das erste Ergebnis:

  • Rund 110 Geldscheine (geschätzt einer pro Person) wurden eingeworfen: 1548,- Euro
  • 8 Visitenkarten wurden mit Betrag eingeworfen: 2.270 Euro
  • 10 Visitenkarten wurden ohne Betrag eingeworfen: … wir warten aufs Ergebnis …

Wir waren vom Ergebnis doch sehr begeistert, denn dass Messebesucher für ein soziales Projekt spenden, wo doch ganz andere Themen im Vordergrund stehen, war sehr bemerkenswert. Allerdings hat mein Chef auch wieder 5 Minuten exzellent gesprochen und die Anwesenden emotional berührt.

Die Barspenden kamen von Privatpersonen – vielleicht auch Firmeninhabern. Die Visitenkartenspenden – so ist zu vermuten – werden Firmenspenden sein. Auch daher möglicherweise der höhere Betrag im Durchschnitt und absolut. Immerhin lagen zwei Karten bei 500 Euro!

Mein Fazit: Auch wenn nur relativ wenige Visitenkarten eingeworfen wurden, so schlägt deren Ertrag doch deutlich den der Geldspenden. Ich würde diese Methode unbedingt wieder einsetzen und vielleicht bereits im Vorfeld oder am Stand visuell für diese Methode der Spende werben.

Und … vielleicht ergibt sich aus diesen Kontakten ja eine stärkere Beziehung!

Ideen prüfen und entwickeln – die 6 Hüte von de Bono

6 Hüte, 6 Blickwinkel auf ein Thema

Für viele von uns steht so langsam die Jahresplanung 2013 an, insbesondere dann, wenn es budgetrelevante Projekte sind. Nun gilt es, all die schönen Ideen, welche uns im Laufe des Jahres zuflogen, auf den Prüfstand der Umsetzbarkeit zu stellen. Und es genügt nicht, selber von der Idee begeistert zu sein, auch das Team und die Vorgesetzten müssen mit ins Boot. Und das Projekt sollte zum bestehenden Fundraising-Mix passen. Ein bewährter und empfehlenswerter Weg, um eine begeisternde Idee umfassend abzuklopfen, ist die Methoder der “6 Hüte” von Edward de Bono.

Das 6-Hut-Denken

Bei dieser Methode werden systematisch unterschiedliche Perspektiven eingenommen. In heterogenen Teams sind diese Perspektiven oft schon teilweise vertreten. Da gibt es die schnell Entflammbaren, die Skeptiker, die rationalen Abwäger, die Bewahrer, …
Edward de Bono schlägt mit seiner Methode nun vor, in einer Diskussion eine Fragestellung systematisch unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Idee ist, nacheinander gemeinsam eine Sichtweise einzunehmen und das zu bearbeitende Problem / Projekt nur aus dieser einen Sichtweise zu beraten. Wenn eine Sichtweise keine neuen Erkenntnisse mehr bringt, wird die nächste Sichtweise eingenommen – so lange, bis alle sechs Sichtweisen dran waren. Bildlich kann man sich dies, daher auch der Name 6 Hüte, eben so vorstellen, dass man sechs unterschiedlich farbige Hüte hat, welche nacheinander aufgesetzt werden. Dabei steht jede Farbe für eine Sichtweise, für eine Denkrichtung.

Die 6 Hüte

1) Der weiße Hut – objektive Zahlen, Daten, Fakten
Was spricht rational für das Projekt, die Idee. Gibt es Zahlen, belegbare Fakten, überprüfte Argumente?
2) Der rote Hut – subjektives Empfinden, persönliche Meinung
Was begeistert mich am Projekt, was stößt mich ab? Was meint mein Bauch dazu? Habe ich Erfahrungen damit oder mit etwas Ähnlichem gemacht?
3) Der schwarze Hut – objektive negative Aspekte
Was läßt sich – ganz neutral betrachtet – gegen das Projekt vorbringen. Welche Stolpersteine, Fallen und Gefahren sind damit verbunden?
4) Der gelbe Hut – objektive positive Aspekte, Chancen
Entdecken Sie gemeinsam das Potential der neuen Idee. Welches sind die objektiven Chancen, die sich darin verbergen?
5) Der grüne Hut – der Weg zu neuen Ideen
Mit dem grünen Hut werden wir kreativ, Kritik ist hier nicht gestattet. Wo können wir Grenzen überschreiten, Neues entdecken und wagen?
6) Der blaue Hut – die Moderation, Regie
Wenn der blaue Hut aufgesetzt wird, klassischer Hut z.B. eines Moderators, wird die Metaebene eingenommen. Wo lassen sich die bisherigen “Hüte” integrieren? Welcher Hut soll nochmals aufgesetzt werden? Kann ein Ergebnis zusammenfassend gefunden werden?

Zwei Vorgehensweisen

Variante 1: Die Hüten wechseln reihum und jeder hat einen “Hut” (Kärtchen o.ä.) in der entsprechenden Farbe vor sich. Damit wird klar, dass man – unabhängig von der eigenen Präferenz – eine Rolle spielt.
Variante 2: Das ganze Team nimmt gemeinsam nacheinander die Rollen ein und argumentiert zusammen. Dies hat den Charme, dass man gemeinsam spricht und die Stärke der Rolle nicht so stark von der jeweiligen Persönlichkeit abhängt.
Wichtig ist, dass in einem Team alle gemeinsam die Hüte aufsetzen. Auch die Projektbefürworter müssen den schwarzen Hut aufsetzen, auch die größten Skeptiker müssen sich der Kreativität der gelben und grünen Hüte stellen.
Denn damit werden die Argumente pro / contra, das Abwägen und Bedenken nicht immer mit einzelnen Personen und ihrer Stellung in der Hierarchie verbunden und automatisch gewertet. Es entsteht eine gemeinsam geteilte Sichtweise, in welcher sich alle finden können.
Diese Methode ist auch geeignet für Einzelkämpfer, um zum Beispiel eine eigene oder fremde Idee (Vorstand?) möglichst umfassend betrachten und bewerten zu können. Dieser Ansatz hilft uns…
  • die Begeisterung für eigene Ideen auf stabile Füße zu stellen;
  • Modethemen auf die Anwendbarkeit im eigenen Verein zu überprüfen;
  • spontane Ideen Dritter nicht einfach “abzubügeln”, sondern nachvollziehbar auf den Prüfstand zu stellen;
  • eine erste Idee gründlich zu durchdenken und projektreif zu entwickeln.
Tipp: Machen Sie diese “Übung” mal in Form einer Mindmap auf großem Pinwand-Papier. Die 6 Hüte stellen die ersten Verzweigungen vom Zentralthema dar. Das eröffnet die Chance, Verbindungen zwischen den Zweigen / Hüten zu entdecken und kreativer zu werden.

Kreativtipp: Kribbeln im Kopf – Creative Sessions

 Sechseckig und kreativ, so könnte man dieses Kartenset in der stabilen Box bezeichnen. Der Inhalt besteht aus beidseitig bedruckten Karten auf der