Zahlenspiele

Es wird viel gerechnet, um Spender zu überzeugen.
Es wird viel gerechnet, um Spender zu überzeugen.

Was kostet’s? Die Frage, um die sich so vieles dreht.

Was bei einem Paar Schuhe noch sehr einfach zu beantworten ist – siehe Preisschild -, wird beim Handy schon schwieriger. Anschaffungs- und Folgekosten, 12 oder 24 Monate strapazieren unser Rechenvermögen.

Aber das ist ja noch gar nichts gegen die Rechenkünste, welche wir Vertreter von gemeinnützigen Organisationen unseren Förderern auf den Weg geben. Diese Tage stieß ich auf zwei Rechnung(en). Dabei gibt es eine Organisation A, welche Bildung für Entwicklungshilfearbeit betreibt und als Hauptzweck Spenden für die entsprechende Arbeit von Organisation B einwirbt. „Zahlenspiele“ weiterlesen

So nicht: Mailing mit Druck

Rosenkranz in einem Spendenmailing
Maximaler Druck: Beiliegender Rosenkranz in einem Mailing.

Grauslich, was einem manchmal in die Hände fällt. In diesem Fall ist es ein Spendenmailing des “Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V.” Als Absenderadresse wird Niederaula angegeben, laut Homepage und DZI ist das Büro aber in Berlin zu finden.

Das Mailing ging an die Mutter (ca. 80 Jahre alt) einer Kollegin. Rund 1 cm dick ist es, in einer durchsichtigen Weichplastik-Verpackung kommt es an. Hier das Package mit vierseitigem Brief und einem Prospekt mit Anleitung zum Rosenkranz-Gebet: „So nicht: Mailing mit Druck“ weiterlesen

DZI – zwischen Orientierungshilfe und Überheblichkeit

Mit den Tipps in seinem Spendenmagazin 2014 schießt das DZI übers Ziel hinaus.
Mit den Tipps in seinem Spendenmagazin 2014 schießt das DZI übers Ziel hinaus.

Vor einigen Wochen rief mich ein Spender in der Arbeit an. Er war hörbar aufgebracht und ich ging innerlich etwas in Deckung, was nun kommen würde. Aber zu meiner Überraschung ging es überhaupt nicht um das kürzlich verschickte Mailing, sondern um eine Beilage in seiner Kirchengebietszeitung. Da würden, so sagte er mir, allen Hilfswerke, die kein Spenden-Siegel trügen, die Spendenwürdigkeit abgesprochen. Hmmm? Ich solle mir nur den Text auf Seite 24 ansehen, es wäre eine Sauerei.

Nun, der Herr ließ sich beruhigen und ich versprach ihm, mich der Sache anzunehmen. Ich suchte mir die entsprechende Ausgabe des Evangelischen Gemeindeblattes für Württemberg und fand darin auch eine Beilage. Meine zwischenzeitliche Vermutung bestätigte sich. Ich hatte das jährliche DZI – Spendenmagazin (2014) vor mir. Doch was steht nun auf der ominösen Seite 24. „DZI – zwischen Orientierungshilfe und Überheblichkeit“ weiterlesen

Schräger Wettbewerb

Wettbewerb um Spender – hart oder schon unlauter?

In diesen Wochen sind die Medien wieder verstärkt dabei, Spenderberatung zu betreiben. Und das Thema der Verwaltungskosten oder Fundraisingkosten spielt natürlich auch eine Rolle.

Innerhalb der Fundraiser-Szene wächst so langsam der Konsens, selbstbewusst dazu zu stehen, dass es einfach ohne Verwaltungskosten nicht geht. Spendenbriefe, Projektberichte, Dankschreiben, Besucherbetreuung, Telefonservice – all das verursacht Sach- und Personalkosten. Als Konsens hat sich der vom DZI verbreitete Maßstab etabliert, bis 10% Verwaltungskostenanteil von niedrigen Kosten zu sprechen, bis 20% von angemessenen und bis 30% von vertretbaren Ausgaben. Eine Unschärfe ist natürlich noch immer vorhanden, da die internen Regeln der Kostenzuordnung nicht in jedem Verein identisch sind. Aber es ist zumindest ein Maßstab.

Soziale Einrichtungen torpedieren Branchenstandards

Was mich aber dann ärgert, sind Spendenbriefe oder Jahresberichte von sozialen Organisationen, in welchen diese Bemühungen der Fundraising-Szene torpediert werden.

Fall 1: Große soziale Einrichtung – Garantieversprechen im Prospekt

„Das garantieren wir Ihnen: 100% für die Familien und ihre Kinder! Ihre Spende wird ohne Abzug ausschließlich für die Hilfe für Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil eingesetzt. Die Kosten für die Spendenverwaltung decken wir mit Eigenmitteln.” (Hervorhebung durch mich).

 Fall 2: Kleinere soziale Einrichtung – Arbeitsbericht – Mailing

„Eine Spende an die xxx ist Hilfe, die ankommt. Durch das Fehlen eines bürokratischen ‚Wasserkopfes‘ und einer schlanken Verwaltung kommen Spendengelder direkt dort an, wo sie gebraucht werden: bei der Arbeit für Menschen in Armut und Wohnungsnot.”  (Hervorhebung durch mich).

Toll, da fühle ich mich als Fundraiser, der im Jahresbericht brav seine 16,8% Verwaltungskostenanteil ausweist, doch etwas veräppelt. Nehmen wir diese beiden Aussagen doch mal näher in Augenschein:

“Spendenverwaltung durch Eigenmittel”: Das heißt doch nichts anderes, dass diese Organisation die identischen Kosten für Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit hat, diese aber intern nur anders verrechnet. Denn was sind denn diese ominösen „Eigenmittel”? Das können zweckungebundene Spenden sein, Zinserträge oder vielleicht Kirchengelder. Es liegt aber völlig in der Freiheit der Organisation, diese Mittel auch (!) für den sozialen Zweck direkt einzusetzen. Es ist KEIN Geld, welches nur administrativ eingesetzt werden dürfte. Einmal angenommen, es wären zweckungebundene Spenden. Dann würden diese Spender mit ihrer Spende das Fundraising finanzieren und jeder, der zweckgebunden spendet, lacht sich ins Fäustchen, dass seine (!) Spende zu 100% ankommt.

Fazit: Die Aussage, dass die Spendenverwaltung durch Eigenmittel finanziert wird, ist nichts als Bilanzkosmetik. Auf die gesamte Organisation betrachtet, gehen die Ausgaben für das Fundraising natürlich von den Möglichkeiten ab, soziale Arbeit zu leisten. Dieser Zusammenhang wird verschleiert.

“Verzicht auf den bürokratischen Wasserkopf”: Der Verein hat 14 Vollzeitstellen (mit 19 Personen) und ist selbstverwaltet organisiert. Das heißt, alles wird im Team beschlossen. Nun kann man die Frage stellen, ob Leitungs- und Entscheidungsanteile – die alle von der sozialen Arbeit abgehen – geringer ausfallen, wenn sie auf so viele Köpfe verteilt werden. Ich bezweifele dies sehr. Immerhin hat dieser Verein 3,9 Verwaltungsstellen. Das macht schlappe 28% Verwaltungsstellen (incl. Fundraising). Dies ist ein extrem hoher Anteil – hier haben wir einen Branchenstandard von ca. 8%!

Fazit: So schön sich die Geschichte vom fehlenden ‚Wasserkopf‘ ja anhört – auch in einem selbstverwalteten Verein gibt es erhebliche Arbeitsanteile, die fern von Klienten stattfindet. Damit aber alle größeren und professionell strukturierten Organisationen gegenüber Spendern abzuwerten finde ich nicht sauber.

Branchenstandards verteidigen

Was ist denn so schwer, dazu zu stehen, dass unsere Arbeit – professionell gemacht – auch Geld kostet. In allen Spendergesprächen bekomme ich gespiegelt, dass es in Ordnung ist, wenn 80% der Spenden im Zweck landen. Spender sind mündig und der Wettbewerb um ihre Gunst sollte auf der Basis der Inhalte geführt werden und nicht durch Bilanzkosmetik und David-/Goliath-Gehabe.

Es kostet vielen Organisationen intern viel Mühe, ihre Vorstände und Leitungsgremien davon zu überzeugen, transparent den Blick in die Bilanz und die Kostenstruktur zu ermöglichen. Ob via DZI oder Transparenzpreis – es ist klar, dass Verwaltung und Fundraising Geld kosten. Geld, welches natürlich nicht für die Armen ‘direkt’ zur Verfügung steht. Eine 100%-Quote kann nur erreichen, wer das Geld direkt Armen gibt – ohne Fundraiser, Sozialarbeiter, etc.

Ich trete dafür ein, diesen Branchenstandard zu verteidigen. Ich will den fairen Wettbewerb um Spender. Spender sollen sich eine Organisation ansehen, sollen sich die Zahlen betrachten und die dort arbeitenden Menschen kennenlernen. Aber sie sollen nicht getäuscht weren.

Die Profilierung des eigenen Vereins durch implizite oder explizite Abwertung von Mitbewerbern ist keine nachhaltige Strategie.