Knapp bei Kasse? Stiftung gründen?

Stiftungen sprudeln nicht von alleine...

Der seit einigen Jahren anhaltende Boom neu gegründeter Stiftungen und der hohe Erfolg einzelner Stiftungsgründungen macht dieses Fundraisinginstrument für viele attraktiv.

Im Hinterkopf steckt dabei die Vorstellung, dass, ist erst einmal die Stiftung errichtet, das Geld schon sprudeln wird.

In Seminaren werde ich oft um Ratschläge gebeten, wie man am besten eine Stiftung für den Zweck XY (wahlweise Jugendreferentenstelle, Kirchenerhalt, …) gründet.

An diesem Punkt des Gesprächs bremse ich meist erst einmal. Denn eine Stiftung nur zu gründen, weil es gerade in Mode ist, ist unsinnig. Eine Stiftung, welche nachhaltig Gelder für Ihren Verein oder Ihre Gemeindearbeit erwirtschaften soll, muss zu ihrem Fundraising-Mix und vor allem zu ihren finanziellen Zielen passen. Wenn Sie nur einmal eine größere Summe benötigen, z.B. für eine Renovierung, dann ist eine Stiftungsgründung der falsche Weg. Wenn Sie aber über viele Jahre hinweg verlässliche Einnahmen haben möchten und auf diese auch nicht gleich angewiesen sind, dann kann das Gründen einer Stiftung genau der richtige Weg sein.

Die Gemeinschaftsstiftung

Die meisten früheren Stiftungen wurden von einzelnen Personen gegründet und tragen oft auch deren Namen. Diese Stiftungen wurden entweder zu Lebzeiten errichtet oder nach dem Tod aus dem Erbe gebildet. Wenn wir über die Errichtung einer Stiftung als Fundraising-Instrument nachdenken, bietet sich besonders die Form der Gemeinschaftsstiftung an.

Wie es der Name sagt, gibt es bei einer Gemeinschaftsstiftung nicht nur einen Stifter, sondern mehrere. Natürlich kann auch eine einzelne Erbschaft der Anlass zur Gründung einer Gemeinschaftsstiftung darstellen.

Schritt 1: Wofür wird das Geld benötigt?

Wofür benötigen Sie das Geld, welches Ihnen die Stiftung bringen soll? Welche Summe soll Ihnen jährlich zur Verfügung stehen? Gehen Sie einmal von vorsichtigen 3-4% Zinsen (evtl. geht davon noch der Inflationsausgleich weg!) aus. Zum Beispiel:

 

Wunschsumme und Zweck Zinsen notwendiges
Stiftungskapital
(Wunschsumme / Zinsen)

5.000 Euro, jährliche Renovierung der Kirche

4%

125.000 Euro

Jugendreferent,

50%-Stelle, 20.000 Euro

2,5 % real

800.000 Euro

 Rechnen Sie! Und rechnen Sie nochmals!

Lohnt sich der Aufwand einer Stiftungsgründungskampagne für Ihren Zweck wirklich? Ist kontinuierliches Fundraising, z.B. über einen Förderkreis oder jährliche Aktivitäten nicht doch der bessere Weg?

Es gab schon Kirchengemeinden, deren Gemeindemitglieder nach einer Stiftungsgründung so ausgepowert waren, dass am Ende des Lieds zwar eine kleine Stiftung errichtet wurde, deren Erträge aber bei weitem nicht für den gedachten Zweck ausreichten. Dazu kam, dass das Fundraising-Potential nahezu erschöpft war. Bei einer jährlichen Fundraising-Aktion wäre es der Gemeinde besser ergangen, der Zweck wäre erfüllt worden und das Gemeindeleben erfrischt.

Und …?

Haben Sie das Gefühl, dass Sie das notwendige Stiftungskapital zusammenbekommen können? Denken Sie dabei an Ihre regelmäßigen oder potentiellen Spender/innen. Multiplizieren Sie deren jährlichen Spendenbetrag einmal mit Zehn und sie kommen auf eine realistische Größenordnung für eine Zuwendung an eine Stiftung.

Wenn Sie jetzt nicht völlig verschreckt den Gedanken an eine Stiftung fallen lassen, dann können Sie den Gedanken an eine eigene Stiftung weiter verfolgen. Aber nur dann!

 Fundraising-Knigge’s Tipp:

Denken Sie an Ihre Gönner, Spender, Unterstützer. Muten Sie ihnen das Wagnis Stiftungsgründung nur zu, wenn dies wirklich das Mittel der Wahl ist. Denn im schlimmsten (und leider häufigen) Fall, bleibt es bei einer handlungsunfähigen Kleinststiftung. Und Ihre Stifter haben dort viel Geld “geparkt”, welches Ihrer Arbeit nun nicht mehr zur Verfügung stehen kann!

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