Ein Stein für den Klosterplatz

Gespaltene Fluss-Steine als Spender-Boden vor dem Kloster Einsiedeln.
Gespaltene Fluss-Steine als Spender-Boden vor dem Kloster Einsiedeln.

Ein haltbarer Dank soll es sein, eine Wertschätzung mit Sichtbarkeit – so sind Stifterwände und Spendentafeln konzipiert. Wir finden sie mittlerweile an vielen Stellen. Ich sah solche Namenstafeln auf Holzschindeln an einer Wandervereinshütte, auf Plexiglas im Innenhof eines Caritasverbandes, auf Messing in Museen, in kleinen oder größeren lasergravierten Klinkerausführungen etc. Solche Wände haben eine mehrfache Funktion. Sie sollen

  • an den Spender / die Spenderin öffentlich erinnern,
  • den Dank für die Gabe dauerhaft ausdrücken und
  • andere Menschen motivieren, ebenfalls zu spenden oder zu stiften.

Je nach kultureller oder sozialer Prägung ist ein solcher öffentlicher Dank nicht gewünscht. Statt dessen wird der Dank z.B. bei einer Stifterwand “Im Angedenken an ….” (verstorbene Menschen, welche dem Stifter etwas bedeuten) ausgeführt, oder ein schlichtes “Danke!” als Platzhalter für anonym bleibende Spender formuliert.

Vor dem Kloster Einsiedeln stieß ich auf eine auch ansprechende und sehr schön integrierte “Spenderwand”. Im Zuge einer langjährigen Sanierung des Kloster-Vorplatzes wurde der Bodenbelag neu angelegt. Die historischen verlegten, gespaltenen Flußsteine, wurden wieder verwendet.

Wer nun eine Spende in Höhe von mindestens 1.000 Schweizer Franken tätigt, kann eine Spaltfläche mit seinem Namen gravieren lassen. Dabei wird online und im Prospekt geworben, dass die Steine über den ganzen Platz verteilt lägen. Man muss also schon etwas ausdauernd im Suchen sein, um “seinen” Stein nach Abschluss der Pflasterung zu finden.

"Schenken Sie (sich) einen 'Stein für den Klosterplatz'" (anklicken vergrößert)
“Schenken Sie (sich) einen ‘Stein für den Klosterplatz'” (anklicken vergrößert)

Im Resultat wurde dieser Plan des Werbeprospektes offenbar nicht ganz umgesetzt. Zumindest war im Sommer 2015 ein sehr konzentrierter Bereich vor dem Klosterkircheneingang mit eben jenen gravierten Spaltsteinen gepflastert (s. Bild oben im Beitrag). Die Aktion hat offensichtlich gewirkt und war attraktiv für die – vermutlich überwiegend katholischen – Spenderinnen und Spender. Es ist natürlich auch eine heutzutage recht einmalige Gelegenheit, seinen Namen im Zusammenhang mit einem historischen Sakralbau derart haltbar verewigt zu haben. Potentiell können hunderttausende diesen Namen wahrnehmen, Einsiedeln ist eine bedeutende Wallfahrtskirche in der Zentralschweiz.

Für den Klosterplatz kann man aber auch – ohne gravierten Stein und günstiger – eine Spende tätigen.

Was mir daran sehr gefällt, ist die organische Einheit von Spender-“Wand” und Spendenobjekt. Es hat nichts künstliches an sich, dieser Spenderboden altert mitsamt der Kirche, er lebt mit ihr. Diese Bereich fällt nicht einer aktuellen Designlaune eines Architekten oder Vorstandes zum Opfer.

Gelungen!

— Nachtrag —

Gerade sehe ich auf Twitter, gepostet vom ehemaligen Abt Einsiedenlns, @MoenchMartin, dass es einen eigenen Twitter-Account @Klosterplatz für die Renovierung des Klosterplatzes gibt. Und darin wird auch erwähnt, dass die ersten 1.100 gravierten Steine am 3. Oktober 2015 im Beisein von 500 (!) Steinstiftern gesetzt/enthüllt wurden.

kosterplatz-enthuellung

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