So “ticken” Stifter

irisFür einen gelungenen Stiftungsantrag braucht es eine fundierte Recherche vorab. Und zur Recherche bei Stiftungen gehört das Wissen, dass jede Stiftung anders tickt und vor allem anders geführt wird.

Zwei wichtige Typen von Stiftungen lassen sich pragmatisch unterscheiden. Da gibt es die – meist größeren – managementgeführten Stiftungen und es gibt die „inhabergeführten“ Stiftungen.

Bei den, wie ich sie nennen mag, managementgeführten Stiftungen liegt die Leitung der Stiftung bei angestellten Mitarbeitern. Gerade größere und ältere Stiftungen sind so geführt, haben manchmal eigene Projektbereiche, Ausschreibungen und ein dezidiertes Antragsverfahren.

Häufiger sind mittlerweile, dem Boom der Stiftungsgründungen der letzten 15 Jahre geschuldet, die „inhabergeführten“ Stiftungen. „Inhaber“ ist in Anführungszeichen, da eine Stiftung ja niemandem außer „sich selber“ gehört, eine Vermögensmasse darstellt. Aber diese Stiftungen werden oft von ihrem Stifter oder engen Vertrauten des Stifters / der Stifterin geführt. Sie sollten also eher „stiftergeführte Stiftung“ genannt werden.

Wer von einer solchen, stiftergeführten Stiftung, Unterstützung erhofft, muss sich ganz klassisch mit Motiven auseinandersetzen. Denn das Wissen um die eigenen Fundraising-Bedürfnisse wird nur dann mit einer Spende honoriert werden, wenn es uns gelingt, an die Bedürfnisse des Stifters anzudocken und mögliche Befürchtungen zu entkräften.

Folgende Punkte sind nach meiner Erfahrung und nach Gesprächen mit Stiftern relevant, wenn ein Stifter oder eine Stifterin mit einer Bitte nach Unterstützung konfrontiert wird:

  • Förderziel der Stiftung, welches in der Satzung festgelegt ist
  • eigene Interpretation des Förderziels / aktueller Förderschwerpunkt
  • Sache für gut halten
  • soziales Engagement
  • christliche Motivation
  • Mitleid
  • Gerechtigkeit i.S.v. öfters den Empfänger der Mittel wechseln oder Kleine bevorzugen
  • eigene biographische Erfahrungen (Not, Verwandte, Freunde, etc.)
  • Image, als Förderer in Erscheinung zu treten
  • wenig Aufwand

Schwierig wird es, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Anfrage passt nicht zur Stiftungssatzung
  • Anfrage passt nicht zum Förderschwerpunkt
  • keine Mittel (mehr) vorhanden
  • Zweifel am Anliegen, die Maßnahme überzeugt nicht
  • hohe Verwaltungskosten
  • falscher Moment (Förderperiode, Veranstaltung, …)
  • unangenehmer Ansprechpartner
  • fehlende Infos über Organisation
  • Tränendrüse statt Argument (oder umgekehrt)
  • hoher Druck, keine Bedenkzeit, Drängeln nach einer Entscheidung
  • zu viele Bitten aus der gleichen Einrichtung
  • schlechte Erfahrung mit der Organisation

Die Kommunikation mit diesen stiftergeführten Stiftungen hat nur sehr wenig gemeinsam mit der Kommunikation mit anderen institutionellen Förderern oder Zuschussgebern. Die Gemeinsamkeit liegt viel mehr im hochindividuellen und personenzentrierten Milieu des Großspendenfundraisings.

Dieses Wissen muss in der eigenen Organisation verankert sein, denn oft läuft die Ansprache von Stiftungen an Fundraisern vorbei und wird direkt von einzelnen Einrichtungen / Diensten einer Organisation vorgenommen. In diesen Fällen muss organisationsintern auf die Besonderheit der Ansprache stiftergeführter Stiftungen hingewiesen werden und die Notwendigkeit, den Bereich Fundraising mit einzubinden.

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