So nicht: Mailing mit Druck

Rosenkranz in einem Spendenmailing
Maximaler Druck: Beiliegender Rosenkranz in einem Mailing.

Grauslich, was einem manchmal in die Hände fällt. In diesem Fall ist es ein Spendenmailing des “Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V.” Als Absenderadresse wird Niederaula angegeben, laut Homepage und DZI ist das Büro aber in Berlin zu finden.

Das Mailing ging an die Mutter (ca. 80 Jahre alt) einer Kollegin. Rund 1 cm dick ist es, in einer durchsichtigen Weichplastik-Verpackung kommt es an. Hier das Package mit vierseitigem Brief und einem Prospekt mit Anleitung zum Rosenkranz-Gebet:

Mailing mit Druckmethode
Mailing des “Mutter Teresa Kinderhilfswerk” mit beiliegendem Rosenkranz. (vergrößern durch anklicken)

Mit extrem emotionaler Ansprache “… ohne Hilfe wird Shiva ihren fünften Geburtstag wohl nicht erleben…” wird hoher Druck auf die Empfänger aufgebaut. Und weil das noch nicht ausreicht, liegt dem Mailing ein (billiger) Rosenkranz mit kleinem Mäppchen bei. Zitat: “Bitte behalten Sie den beigelegten Rosenkranz als mein besonderes Geschenk an Sie in Ehren an Mutter Teresa – ohne jede Verpflichtung. Ich hoffe, Sie werden ihn … in Ehren halten.”

Selten fand ich ein Mailing so abstoßend wie dieses.

1) Dieses Hilfswerk hat mit Mutter Teresa nichts zu tun.

Das steht sogar im Kleingedruckten: “Das Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V. hält den Namen Mutter Teresa in Ehren, indem es unabhängige Hilfe für Kinder in der ganzen Welt bereitstellt. Unsere Organisation steht jedoch in keinerlei Verbindung mit den gemeinnützigen Missionen in Kalkutta. Wir behalten uns vor, Ihre Spende (…) entweder für die Kinder in unserer Obhut zu verwenden oder für andere Zwecke des Mutter Teresa Kinderhilfswerks e.V., die wir als angemessen betrachten.”

2) Emotionale Ansprache

Ja, auch ich denke, dass wir nicht verschweigen sollten, wenn es Leid auf der Welt gibt. Aber dieser vierseitige Brief trieft von moralischem Druck auf die Spender, von erzeugtem schlechten Gewissen und der im Raum stehenden Drohung, dass die Kinder sonst verhungern würden.

3) Religiös-moralischer Druck durch die Beilage

Der Rosenkranz wirkt auf den unvoreingenommenen Betrachter als ein wertiges Geschenk. Dazu gehört auch die aufwändige Verpackung des Mailings und das beiliegende weiße Täschchen. Für einen katholisch sozialisierten Spender wird damit ein hoher Druck aufgebaut. Sehr vielen dürfte es sehr schwer fallen, einen Rosenkranz wegzuwerfen. Und damit bleibt man immer, sobald man ihn betrachtet, mit dem Anliegen des Mailings verbunden. Diesem Druck entgeht man am ehesten durch eine Spende. Und damit wird sich solch’ ein aufwändiges Mailing sogar finanziell rechnen.

Nicht umsonst warnt das DZI seit Jahren vor dieser Organisation.

Mich ärgern nicht nur die Tonalität und der aufgebaute Druck des Mailings. Was mich auch enorm ärgert, ist, dass es offensichtlich Full-Service-Agenturen gibt, die für solch’ einen Dreck zur Verfügung stehen. Agenturen, welche Billigst-Rosenkränze samt Verpackung organisieren, Briefe texten, Adressen vermieten und sich um die Postauflieferung kümmern. Und diese Organisation wirbt nun schon seit Jahren in diesem Stil.

Wer die Website betrachtet gewinnt den Eindruck hoher Transparenz. Sogar Fragen werden beantwortet. Für mich erschreckend: Nirgends wird nachweislich gelogen. Alle Verbindungen zu Mutter Teresa werden sogar explizit auf die Pflege des Andenkens reduziert. Doch es gibt keine einzige nachprüfbare Quelle, keinen Projekthinweis, wofür und wohin die Spenden nun tatsächlich gehen. Die Seite ist rhetorisch hochprofessionell erstellt und für unkritische Beobachter schlüssig.

Organisationen wie diese sind es, die in mir den Wunsch nach staatlicher Kontrolle von gemeinnützigen Organisationen wach werden lassen.

Nein, von so etwas kann man sich nur distanzieren!

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