Ideen prüfen und entwickeln – die 6 Hüte von de Bono

6 Hüte, 6 Blickwinkel auf ein Thema

Für viele von uns steht so langsam die Jahresplanung 2013 an, insbesondere dann, wenn es budgetrelevante Projekte sind. Nun gilt es, all die schönen Ideen, welche uns im Laufe des Jahres zuflogen, auf den Prüfstand der Umsetzbarkeit zu stellen. Und es genügt nicht, selber von der Idee begeistert zu sein, auch das Team und die Vorgesetzten müssen mit ins Boot. Und das Projekt sollte zum bestehenden Fundraising-Mix passen. Ein bewährter und empfehlenswerter Weg, um eine begeisternde Idee umfassend abzuklopfen, ist die Methoder der “6 Hüte” von Edward de Bono.

Das 6-Hut-Denken

Bei dieser Methode werden systematisch unterschiedliche Perspektiven eingenommen. In heterogenen Teams sind diese Perspektiven oft schon teilweise vertreten. Da gibt es die schnell Entflammbaren, die Skeptiker, die rationalen Abwäger, die Bewahrer, …
Edward de Bono schlägt mit seiner Methode nun vor, in einer Diskussion eine Fragestellung systematisch unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Idee ist, nacheinander gemeinsam eine Sichtweise einzunehmen und das zu bearbeitende Problem / Projekt nur aus dieser einen Sichtweise zu beraten. Wenn eine Sichtweise keine neuen Erkenntnisse mehr bringt, wird die nächste Sichtweise eingenommen – so lange, bis alle sechs Sichtweisen dran waren. Bildlich kann man sich dies, daher auch der Name 6 Hüte, eben so vorstellen, dass man sechs unterschiedlich farbige Hüte hat, welche nacheinander aufgesetzt werden. Dabei steht jede Farbe für eine Sichtweise, für eine Denkrichtung.

Die 6 Hüte

1) Der weiße Hut – objektive Zahlen, Daten, Fakten
Was spricht rational für das Projekt, die Idee. Gibt es Zahlen, belegbare Fakten, überprüfte Argumente?
2) Der rote Hut – subjektives Empfinden, persönliche Meinung
Was begeistert mich am Projekt, was stößt mich ab? Was meint mein Bauch dazu? Habe ich Erfahrungen damit oder mit etwas Ähnlichem gemacht?
3) Der schwarze Hut – objektive negative Aspekte
Was läßt sich – ganz neutral betrachtet – gegen das Projekt vorbringen. Welche Stolpersteine, Fallen und Gefahren sind damit verbunden?
4) Der gelbe Hut – objektive positive Aspekte, Chancen
Entdecken Sie gemeinsam das Potential der neuen Idee. Welches sind die objektiven Chancen, die sich darin verbergen?
5) Der grüne Hut – der Weg zu neuen Ideen
Mit dem grünen Hut werden wir kreativ, Kritik ist hier nicht gestattet. Wo können wir Grenzen überschreiten, Neues entdecken und wagen?
6) Der blaue Hut – die Moderation, Regie
Wenn der blaue Hut aufgesetzt wird, klassischer Hut z.B. eines Moderators, wird die Metaebene eingenommen. Wo lassen sich die bisherigen “Hüte” integrieren? Welcher Hut soll nochmals aufgesetzt werden? Kann ein Ergebnis zusammenfassend gefunden werden?

Zwei Vorgehensweisen

Variante 1: Die Hüten wechseln reihum und jeder hat einen “Hut” (Kärtchen o.ä.) in der entsprechenden Farbe vor sich. Damit wird klar, dass man – unabhängig von der eigenen Präferenz – eine Rolle spielt.
Variante 2: Das ganze Team nimmt gemeinsam nacheinander die Rollen ein und argumentiert zusammen. Dies hat den Charme, dass man gemeinsam spricht und die Stärke der Rolle nicht so stark von der jeweiligen Persönlichkeit abhängt.
Wichtig ist, dass in einem Team alle gemeinsam die Hüte aufsetzen. Auch die Projektbefürworter müssen den schwarzen Hut aufsetzen, auch die größten Skeptiker müssen sich der Kreativität der gelben und grünen Hüte stellen.
Denn damit werden die Argumente pro / contra, das Abwägen und Bedenken nicht immer mit einzelnen Personen und ihrer Stellung in der Hierarchie verbunden und automatisch gewertet. Es entsteht eine gemeinsam geteilte Sichtweise, in welcher sich alle finden können.
Diese Methode ist auch geeignet für Einzelkämpfer, um zum Beispiel eine eigene oder fremde Idee (Vorstand?) möglichst umfassend betrachten und bewerten zu können. Dieser Ansatz hilft uns…
  • die Begeisterung für eigene Ideen auf stabile Füße zu stellen;
  • Modethemen auf die Anwendbarkeit im eigenen Verein zu überprüfen;
  • spontane Ideen Dritter nicht einfach “abzubügeln”, sondern nachvollziehbar auf den Prüfstand zu stellen;
  • eine erste Idee gründlich zu durchdenken und projektreif zu entwickeln.
Tipp: Machen Sie diese “Übung” mal in Form einer Mindmap auf großem Pinwand-Papier. Die 6 Hüte stellen die ersten Verzweigungen vom Zentralthema dar. Das eröffnet die Chance, Verbindungen zwischen den Zweigen / Hüten zu entdecken und kreativer zu werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.