Rezension: Aus Führungsfehlern lernen

Jede Art von Führung ist anfällig für Fehler. Eine nicht funktionierende Führung hat meist mehrere Ursachen. In Non-Profit-Organisationen tragen Handelnde eine besondere Verantwortung, denn ihre Fehlentscheidungen können Auswirkungen auf einzelne Personen sowie die ganze Organisation haben. Führungskräfte stellen hier den Rahmen und sorgen für die notwendige Stabilität einer Organisation.

Das neue Handbuch “Aus Führungsfehlern lernen” zeigt Fehlerquellen in den Rahmenbedingungen, das Verhältnis und die Spannung zwischen “Fehler und Lernen” sowie typische individuelle Führungsfehler auf. Es ermutigt, mit Fehlern offen umzugehen und hilft, die damit verbundenen Risiken zu vermeiden oder zu überwinden. Praxisbeispiele laden dazu ein, das eigene Verhalten in den Bereichen Entscheidungsfindung, Handeln und Nichthandeln, Kommunikation und Mitarbeiterführung zu hinterfragen.

Gegliedert ist das Buch in drei Teile:

  • Führung und Fehler (98 Seiten)
  • Fehler(quellen) und ihre Überwindung (92 Seiten)
  • Folgerungen (10 Seiten)

Das Buch hat im ersten Teil einen starken Lehrbuchcharakter, was sich durch sehr viele Literaturhinweise bemerkbar macht. Erfreulich ist, dass die einzelnen Unterkapitel immer in einer kleinen Aufzählungs-Zusammenfassung der wichtigsten Punkte münden. Das macht es dem eiligeren Leser einfacher. Das zweite Kapitel stellt uns typische Führungsfehler vor mit ihren Folgen. Spannend daran ist, dass nicht nur Führungskräfte darin angesprochen werden, wie die Fehler oder das problematische Verhalten angegangen werden können. Es gibt immer eine Rubrik, wie die Organisation oder die Mitarbeitenden damit konstruktiv umgehen können.

Es ist kein ganz einfaches Anleitungs-Buch, sondern erfordert schon etwas Lesedisziplin. Das ist auch dem Layout geschuldet, welches keinerlei Grafiken enthält und ziemlich im lehrbuchartigen Fließtext mit einheitlicher Typografie gesetzt ist.

Zentrale Aussagen für mich waren, neben den häufigen “Ja, das kenne ich”-Effekten der Beispiele:

  • Fehler sind oft nicht eindeutig im Sinne von Ursache-Wirkungsketten erklärbar, noch alleine oder kollektiv bedingt. Häufig haben sie eine systemische Geschichte oder Entwicklung hinter sich.
  • Führung durch Ziele ist oft nur eine verkappte Form des Befehls.
  • Aufträge/Delegationen nur dann annehmen, wenn die Rahmenbedingungen (u.a. der Grad der Freiheit bei der Ausführung und die Ressourcen) klar sind.
  • Die Mitarbeitenden passen sich Führungskräften beim Grad der Moralität in der Organisation an.
  • Eine fehlerfreie Welt ist nicht besonders progressiv, sondern statisch, stabil und fortschrittsfeindlich. Fehler sind unabdingbar notwendig für eine Innovationskultur einer Organisation. Das Spannungsfeld zwischen “Fehler zulassen” und “Fehler vermeiden” muss ausgehalten und gelebt werden (Fehlerermutigungsdidaktik).
  • Die Fortbildung von Führungskräften darf nicht dem Zufall überlassen sein, sonst wird diese zum Betriebsausflug. Es bedarf dezidierter, mindestens jährlich anzupassender persönlicher Entwicklungspläne, um Stärken wirksam zu stärken und Defizite konsequent auszugleichen.

Ich war anfangs etwas skeptisch, ob hier nur ein weiteres Quick-and-dirty-Führungsbuch auf den Markt kommt. Nach der Lektüre war ich sehr angenehm überrascht, dass der Autor, Prof. Dr. Armin Schneider (Hochschule Koblenz), ein sehr praxisnahes Werk verfasst hat und sich offensichtlich in der sozialen Welt auskennt. Er vermeidet Plattitüden und simple Erfolgsrezepte. Er lädt – wie ich finde wirkungsvoll – dazu ein, das eigene Führungsverhalten zu hinterfragen und auch, als Mitarbeiter konstruktiv mit den Führungs-Besonderheiten seiner Vorgesetzten umzugehen.

Ich empfehle es sehr allen Führungskräften zur Lektüre. Denn wie oft erlebte ich schon im geschützten Rahmen von Seminaren, wie unsicher Führungskräfte im Führungsverhalten sind – Mitarbeiterführung das ungeliebte Kind der Rolle “Führungskraft” ist.

Schneider, Armin: Aus Führungsfehlern lernen – Impulse für Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen; Walhalla Fachverlag; Regensburg 2017

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Hinweis: Danke dem Verlag, der mir diesen Band als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Die Rezensionen in meinem Blog sind echte Rezensionen, d.h. ich lese das Buch und schreibe meinen Eindruck und die für die Lesenden wichtigsten Botschaften zusammen. Ich schreibe Klappentexte oder vorgefertigten Meldungen nur ab, wenn sie meiner Meinung entsprechen.
Der Fundraising-Knigge ist ein seit 2011 aktiver und meinungsbildender deutschsprachige Fachblog zum Thema Fundraising und wird von Fundraiser/innen aus dem D-A-CH-Raum gelesen.
Über die – unverbindliche – Zusendung von Rezensionsexemplaren durch Verlage / Autoren freue ich mich.

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