Reiche geben weil sie reich sind – oder?

Darf's etwas mehr sein ...?
Darf’s etwas mehr sein …?

In Seminaren, Workshops oder bei Coaching-Gruppen stoße ich immer wieder auf die Vorstellung, man müsse nur 2-3 wohlhabende Menschen finden und dann wären die finanziellen Probleme schon gelöst.  Dahinter steckt die Vorstellung, dass reiche Menschen nur darauf warten, dass ihnen jemand mit einem schönen Brief die Argumente liefert, um endlich ihr Geld loszuwerden

Doch leider stecken einige Denkfehler in dieser Annahme:

1. Niemand ist reich!

Nun, genauer gesagt etikettiert sich praktisch niemand als reich. Nicht nur, weil Reichtum als Attribut hierzulande gesellschaftlich eher stigmatisiert als bewundert wird, sondern weil Reichtum ein relativer Begriff ist.

Es gibt keine definierte Schwelle, ab der sich jemand als reich zu fühlen hat. Reichtum ist immer relativ zu einem Bezugspunkt, beispielsweise zu relevanten Dritten. Reichtum kann sich über das Einkommen, das Vermögen oder den Besitz definieren. Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Konto … das hat keinen Wert, wenn ich nicht jemanden damit übertrumpfen kann. Ansonsten bin ich nicht reich.

Vielleicht bezeichnen sich Menschen als wohlhabend. Das ist gesellschaftlich anerkannt, erstrebenswert.

2. Alles wird teurer

Wenn jemand ein gewisses Vermögen oder Einkommen hat, so wachsen in der Regel auch die Möglichkeiten und Erwartungen, diese Mittel auszugeben. Auto, Haus, Urlaube, Boote, Schmuck, Ausstattung, Kleidung … nahezu alle Konsumwünsche lassen sich preislich nach oben skalieren. Und je nach persönlichem Umfeld müssen sie auch nach oben skaliert werden, um Anerkennung zu erfahren.

Eine gute Freundin hoffte vor 22 Jahren, mit den Zinsen von 100.000 DM ihren wesentlichen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Damals war sie Studentin, ehrenamtlich viel unterwegs und auf Tagungen gut verpflegt. Heute sind die Zinsen niedriger als 1990 und ihre Bedürfnisse weit höher. Bei aktuellem Zins dürften ihr 1.000.000 Euro als Kapital knapp reichen. Soviel zur Relativität von Vermögen und Lebensstandard.

3. Einkommen wird verplant

Das ist kein Privileg niedriger Einkommen, auch hohe Einkommen sind gedanklich und praktisch verplant. Sogar Bundespräsidenten und andere Spitzenpolitiker nehmen Kredite für ihre Bau- und Konsumwünsche auf, denken wir an Wulff und Özdemir.

 

Fazit

  1. Grundsätzlich geht es beim Fundraising darum, Menschen dazu zu bewegen, Geld zu geben, welches sie für sich selber übrig haben. Das trifft auf praktisch jede Einkommens- und Vermögensklasse zu, ausgenommen vielleicht die sogenannten Superreichen – wenngleich deren Yachten auch erst mal bezahlt sein wollen.
  2. Fundraising ist kein Verteilungskampf. Gerade in kirchlichen Milieus hängt so mancher Pfarrer und Aktiver insgeheim oder offen dieser Doktrin an. Nein, mit dieser Sichtweise wird kein Erfolg erzielt werden.
  3. Wohlhabende, reiche Menschen sind … zu allererst einmal auch nur ganz normale Menschen. Menschen, welche Bedürfnisse, Gefühle und eine Biografie mit möglichen Anknüpfungspunkten an unser Anliegen haben. Sie müssen genau so gewonnen werden, wie alle anderen auch. Wenn das geschafft ist, dann haben wohlhabende Menschen aber – und hier kommt unsere Hoffnung ins Spiel – möglicherweise wirklich die Möglichkeit, mit höheren Summen als üblich zu helfen

 Wohlhabende geben nicht, weil sie wohlhabend sind. Sie geben, weil sie

  • angesprochen wurden,
  • vom Projekt überzeugt sind
  • und die Möglichkeit zur Unterstützung haben.

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