Prominente Fürsprecher – Segen oder Fluch?

Prominente als Leuchtturm für die Arbeit der Organisation. Nicht immer geht die Rechnung auf.
Prominente als Leuchtturm für die Arbeit der Organisation. Nicht immer geht die Rechnung auf.

“Und dann suchen wir noch einen Promi als Schirmherrn.” Wer kennt diesen Satz nicht, der bei vielen Kampagnenplanungen fällt. Dahinter steckt die unausgesprochene Hoffnung, dass prominente Fürsprecherinnen und Fürsprecher die Werbung für das Projekt, das Mailing oder die Patenschaft so richtig befeuern. In der Tat gibt es einige Beispiele, wo eine Organisation offensichtlich und zum Teil längerfristig durch eine bekannte Persönlichkeit profitiert. Denken wir nur an “Menschen für Menschen” (Karlheinz Böhm), “Pan y Arte” (Dietmar Schönherr) oder das Kinderhilfswerk Plan International (Ulrich Wickert).

Auf der anderen Seite blicken uns von Flyern und Broschüren Professoren, Landräte, Politiker a.D. etc. an, deren Namen nur Eingeweihten etwas sagen, geschweige denn, dass man mit ihnen etwas Positives verbinden würde. Ihre Hauptqualifikation scheint zu sein, dass sie den Verantwortlichen spontan in den Sinn kamen, sie greifbar schienen und schlussendlich “Ja” sagten.

Grundsätzlich gibt es zwei gute Gründe, warum es sich lohnen kann, über einen Prominenten als Fürsprecher (oder wie man häufig liest: Testimonial) nachzudenken:

  • Ihre Organisation ist wenig bekannt und sie erwarten, von der Prominenz des Fürsprechers zu profitieren, selber bekannter zu werden.
  • Die Menschen, welche Sie als Förderer gewinnen wollen, wissen nicht so recht, was sie von Ihrer Organisation zu halten haben. Das kann an einem fremd klingenden Namen liegen, an einem sperrigen Thema oder der Konkurrenz auf dem von Ihnen beackerten Feld. Ein Prominenter hat hier die Funktion eines Gütesiegels für Ihren Verein.

Tipps zur Wahl prominenter Fürsprecher

  • Gibt es eine thematische Nähe zur Wunschperson? Ist er oder sie bereits Mitglied oder Förderer bei Ihnen?
  • Hat Ihr „Wunsch-Promi“ einen Idol-Status bei Ihrer Spenderschaft oder steht ihr sonst irgendwie nah (Religion, Thema, Alter etc.)?
  • Haben Sie ihn exklusiv für Ihre Branche?
  • Prominenter und Organisation sollten in etwa in der gleichen „Liga“ spielen. Regionale Organisationen und regionale Promis passen gut, bundesweite NGOs und nationale Idole ebenso. Andere Mischungen sind eher schwierig – für beide Seiten.
  • Legen Sie schriftlich fest, welche konkrete Erwartung Sie an das Engagement Ihres prominenten Testimonials haben (Auftritt bei Veranstaltungen, Foto-Nutzung in Mailings und Publikationen, Zitate, etc.). Es ist empfehlenswert, dies in Form einer Vereinbarung schriftlich festzuhalten, wenn nicht gewichtige Gründe dem entgegenstehen. Die Vereinbarung sollte auch berücksichtigen, was im Fall der Trennung passiert (bis wann sind Materialien zu vernichten, Bilder von der Website zu entfernen, etc.).
    Dies setzt voraus, dass Sie sich organisationsintern darüber klar sind, welche Erwartung Sie an ihn/sie haben.
  • Werden Sie mit Ihren Wunschkandidaten warm. Laden Sie sie in Ihre Einrichtung ein, stellen Sie Ihre Arbeit vor. Und beobachten Sie gut, wie sie reagieren, ob die „Chemie“ passt. Fürsprecher/innen sollen Ihnen wenig Arbeit machen und nicht anstrengender als nötig sein. Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen jemanden zu finden.

Was Sie bei der Wahl prominenter Fürsprecher vermeiden sollten

  • Bei Politikern (Landräte, Bürgermeister, MdB, MdL etc.) sollten Sie sich gut überlegen, ob diese als parteiübergreifend positiv wahrgenommen werden. Häufig polarisieren sie, sind bei fast jedem Verein irgendwo aktiv und lassen sich praktisch nicht „exklusiv“ als Fürsprecher darstellen.
  • Generell gilt, dass Sie polarisierende Persönlichkeiten vermeiden sollten. Eine Ausnahme ist, wenn die Polarisierung direkt mit Ihrem Auftrag als Organisation zusammenhängt.
  • Meiden Sie „Skandalnudeln“ als Testimonial. Ihre Organisation gerät unweigerlich mit in den Strudel.

Einige Tipps

  • Suchen Sie doch gleich drei mögliche Fürsprecherinnen/Fürsprecher und entwerfen Sie ein Wunschraster. Das erhöht Ihre Freiheit und Sie legen sich nicht auf den ersten Namen fest, der Ihnen oder Ihren Kolleginnen/Vorständen einfällt. Das Raster sollte emotionale und sachliche Argumente pro/contra gleichermaßen berücksichtigen.
  • Nehmen Sie anstelle des typischen und oft langweiligen Porträtbildes doch ein Foto, welches Ihr Testimonial im Kontext Ihrer Arbeit zeigt.
  • Recherchieren Sie mal, wie andere Organisationen es mit Prominenten halten. Was gefällt Ihnen daran, was missfällt Ihnen? Lernen Sie daraus.
  • Tipps zur Suche: Sport / Gesellschaft / Wissenschaft / Philosophie / Schauspiel / Szene / Musik / Literatur / lokal / regional / Olympia / Paralymics / etc.
  • Ein Prominenter ersetzt nicht Ihre ureigene Öffentlichkeitsarbeit.

Fazit: Prominente Fürsprecher sind eine feine Sache, wenn sie dazu beitragen, dass Ihre Organisation einen höheren Bekanntheitsgrad erhält oder von seinem Ansehen profitiert. In letzterem Fall ist die prominente Persönlichkeit Garant für die Seriosität und Qualität Ihres Anliegens. Nur aus Lust und Laune sich der Mühe zu unterziehen, einen Prominenten an Bord zu holen, wird Ihnen aber schnell mehr Mühe bereiten als Nutzen bringen.

 

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