Prinzip: Pharisäer – das moralische Pendel

Das moralische Pendel strebt nach Ausgleich.

Nicht nur bibelfesten Zeitgenossen ist der Begriff des Pharisäers bekannt. Damit verstehen wir im Allgemeinen jemanden, der sehr selbstgerecht und etwas scheinheilig daher kommt. Historisch waren es sehr gesetzestreue Juden zur Zeit Jesu.

Psychologen haben nun einen Effekt ausfindig gemacht, den sie nach dieser Gruppe benannt haben und der für uns Fundraiser nicht uninteressant ist. Kurz gesagt, entdeckten sie, dass wir Menschen offenbar eine Art von moralischem Pendel besitzen. Auf der einen Seite sind unsere guten Taten, auf der anderen Seite die eher negativen Taten.

Sünder geben mehr

Wenn sich eine Person nun sehr gut fühlt, positiv beschrieben wurde oder von sich eine gute Meinung hat, dann fiel im Experiment eine fiktive Spende deutlich geringer aus, als wenn die Person sich eher negativ charakterisiert. Scheinbar ist im ersten Fall das Pendel bereits soweit auf die gute Seite geneigt, dass die Spendenbereitschaft sinkt. Im anderen Fall braucht das Pendel – auf die negative Seite geschwungen – scheinbar einen Ausgleich, um zum Gleichgewicht zu gelangen, also eine Spende.

Was mag das für uns in der Praxis bedeuten? Auf jeden Fall scheint es kritisch zu sein, Spender zu sehr zu loben, als gute Menschen zu preisen. Denn dann steht das Pendel schon auf “+” und es Bedarf dafür keiner (großen) Spende mehr.

Dem Spender nun moralisch “die Keule zu geben” ist ethisch sicher nicht vertretbar. Im Gottesdienst ist vermutlich die legitimste Örtlichkeit hierfür. Gläubige, denen die eigene Sündhaftigkeit vor Augen geführt wird, sind für ein Opfer sicher empfänglicher, um das moralische Pendel zum Ausgleich zu bringen – man muss ja nicht gleich an den Ablass denken.

Aber vielleicht gibt es ja vertretbare Wege, darauf hinzuweisen, dass wir alle keine Engel sind und die eine oder andere Schwäche haben. Für die Spendenbereitschaft scheint es dienlich zu sein.