Mut zur Case-Study

 

Manches kann man nicht theoretisch beschreiben - man muss es gemacht haben.

Manches kann man nicht theoretisch beschreiben – man muss es gemacht haben.

Vor kurzem schrieb ich über “authentische” Referenten bei Seminaren und Tagungen. Nun steht und fällt das Angebot an solchen Angeboten mit der Zahl an Kolleginnen und Kollegen, welche sich trauen, aus ihrer Arbeit zu berichten. Meine Hoffnung ist ja, dass, wenn wir  mehr den Anspruch auf Authentizität stellen und weniger auf große / bekannte Namen achten, sich vielleicht mehr Kolleginnen und Kollegen trauen, aus ihrer ganz persönlichen Fundraising-Praxis zu berichten.

Denn bei den vielen kleinen und mittleren Organisationen verbergen sich – so mein Eindruck aus mehr als einem Erfahrungsaustausch – doch Erfahrungen und Erlebnisse, von welchen andere profitieren können. Es muss ja nicht perfekt in Präsentation oder Ergebnis sein, aber es muss eine Erfahrung sein, vor deren Hintergrund ich meine eigene Fundraising-Situation auf diesem Gebiet reflektieren kann.

Eine tolle Veranstaltung, um auf Anregungen zu kommen, ist für mich zum Beispiel die Fundraising-Schau, welche Helmut Liebs von der Evangelischen Landeskirche Württemberg jährlich in Bad Boll veranstaltet. Neben sehr wertigen Seminar-Impulsen gibt es eine Ausstellung von prämierten Fundraising-Projekten aus Kirchengemeinden. Eine kleine Praxis-Messe, klein, aber fein! Eine Einschätzung, welche zum Beispiel auch Maik Meid in einem Artikel teilt. Und die schönsten 55 Beispiele sind in einem mittlerweile sehr ausführlichen Buch präsentiert – ein kleines Schatzkästchen!

Diese Sorte von Case-Studys sind es, welche für mich zum Beispiel den großen Reiz und den besonderen Geist des IFC, des International Fundraising Congress, ausmachen. Es sind weniger die auf Hochglanz polierten und geschönten Agentur-Präsentationen, welche hängen bleiben. Es sind sind die Berichte aus der Fundraising-Praxis einer Kampagne, welche mit all ihren Do’s und Dont’s den Reiz und den Informationswert ausmachen. Dieser hohe Praxisbezug drückt sich auch in einer enthusiastischen Stimmung aus, welche eben nur Menschen verbreiten, welche für ihr Anliegen brennen und Fundraising nicht nur als Geschäftsmodell betrachten.

Hinzu kommt ein praktischer Nebeneffekt, der solche Seminare erst bezahlt macht: Über die Fallgeschichte kann ich mir die zentralen Elemente einer Kampagne / Idee viel besser merken, denn ich kann sie in Gedanken nacherleben.

Mein Aufruf, meine Bitte: Trauen Sie sich, aus Ihrer Arbeit zu berichten, teilen Sie Erfahrungen. Das Fundraising kann dadurch nur besser werden und damit sein Stellenwert in der Gesellschaft steigen.