Blick über den Tellerrand: der IFC in den Niederlanden

Die Fundraising-Szene in Deutschland ist umfangreich, bunt und teilweise hoch professionell. Der Deutsche Fundraising-Kongreß zeigt dies sehr schön. Gleichwohl werde ich mir dieses Jahr – zum zweiten Mal nach 2010 – den Besuch des “International Fundraising Congress” in den Niederlanden vom 16.-19. Oktober gönnen. Warum? Nun, ich erwarte mir einen kräftigen Blick über den bundesrepublikanischen Tellerrand. Beim Deutschen FR-Kongreß ist die Versuchung oft groß, das Networking über die Inhalte der Seminare, Workshops und Präsentationen zu stellen. Beim IFC hingegen überwiegt für mich bei weitem der Inhalt der Workshops, die Faszination der oft wenig bekannten Referentinnen und Referenten. Oder, wie ich 2010 in meinem Bericht zum Kongress notierte:

IFC 2010 – Eindrücke

Der Kongress 2010 war eine faszinierende und große Veranstaltung mit insgesamt 960 Teilnehmenden aus 61 Nationen. Außer China und Teilen Asiens war wohl jeder Kontinent vertreten.

Das Programm von Dienstag bis Freitag war sehr voll. Zwei Plenen, eine ganztägige Masterclass (Di/Mi) und sieben Seminar à 1,5 Stunden boten viel Input und Austausch. Die halbstündigen Pausen waren sehr schnell rum, da man in manchen Seminaren rechtzeitig sein musste, damit man einen Platz erhielt.

Die Vortragsfolien stehen recht zuverlässig zum Download bereit auf der Website des Veranstalters. Die Veranstaltung wird weitgehend durch Freiwillige vorbereitet und die Referenten referieren ohne Honorar.

Die Kongresssprache war durchgängig Englisch. Es gab ca. 27 deutsche Teilnehmende, doch bis auf 3 Kontakte blieben diese „unsichtbar“.

Die Seminare verliefen in einer sehr konzentrierten und interessierten Atmosphäre. Der Vortragsstil war britisch-amerikanisch lebendig. Die Teilnehmer, welche teils aus afrikanischen Staaten oder sogar Australien kamen, hatten ein klares Lerninteresse.

Mein persönliches Fazit: Es war eine tolle Veranstaltung mit sehr vielen Impulsen. Viel stärker als die in Deutschland verbreitete Sicht auf technische Maßnahmen war der Blick auf die Befindlichkeiten und Wünsche der Spender. Außerdem wird international viel mehr mit Emotionen gearbeitet und der in Deutschland insgesamt so verbreitete sachliche Stil ist eher verpönt. Im DZI würden sie wohl so manche Kampagne kassieren wollen. Ich denke, hier haben wir Entwicklungsbedarf. Sprachlich war es relativ einfach den Vorträgen zu folgen. Im Gespräch entscheiden dann die jeweiligen aktiven Wortschätze über die Austauschmöglichkeit …

Wenn nur eine kleine Idee Resultate zeigt, hat sich der Kongressbeitrag (einschließlich des zeitlichen Aufwandes) schon gelohnt …

Soweit meine Notizen aus 2010. Daneben hatte ich rund 13 A4-Seiten auf dem Notebook mitgeschrieben bzw. abends aus den handschriftlichen Notizen übertragen. Eine Fleißarbeit, die sich aber in der Nachbetrachtung sehr gelohnt hat. Denn noch heute lese ich die Notizen ca. halbjährlich mal durch und entdecke wieder den einen oder anderen interessanten Ansatz.

Technisch betrachtet hatte ich einen kleinen elektronischen Übersetzer dabei, falls mal ein zentrales Wort vorkäme, welches ich nicht kenne. Doch er bleib meist unbenutzt.

Mitnotiert habe ich teils auf Englisch, teils auf Deutsch. Schneller ging meist das Mitschreiben auf Englisch, da dann die Übersetzungszeit entfiel.

Kostenlos ist er nicht …

Schon der deutsche Kongreß lässt mit seinem Preis die Teilnahme vieler scheitern. Der IFC legt da noch einige Scheite drauf, so dass man schnell 2.100 GBP zahlt. Mit Reisekosten komme ich auf ca. 2.700 Euro für vier volle Tage (es gehen auch nur drei Tage, dann ohne Workshop) incl. Hotel.

Das ist nicht jeder Arbeitgeber bereit zu zahlen. Jedoch verwundert mich die Sparsamkeit mancher sozialer Einrichtungen schon, wenn es um die Fortbildung von Fundraisern geht. Für Porto, Grafik und Agenturen wird da gerne mal ein Mehrfaches ausgegeben, ohne dass mit der Wimper gezuckt wird. Doch wenn es um die Qualifikation der Mitarbeitenden geht, wird schnell gespart.

Ich argumentiere immer: Wenn sich nur eine neue Idee rechnet, dann ist das Geld für den Kongreß gleich mehrfach drin. Davon bin ich überzeugt.

Aber: Diese Haltung verlangt von uns Fundraisern auch, den Kongreß konzentriert, offen und reflektierend zu besuchen.  Dann ist es eben kein “Fundraiser-Klassentreffen”, sondern DIE Ideenbörse, um die eigenen sozialen, karitativen, ökologischen, kirchlichen Zwecke wirkungsvoll durch Fundraising stärken zu können.

Mein Tipp: Ausprobieren!

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