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Happy End – Spender gut verabschieden

Ein guter Abschied rundet eine Spenderbeziehung erst so richtig ab.

Ein guter Abschied rundet eine Spenderbeziehung ab.

Wir geben uns im Allgemeinen viel Mühe, wenn es darum geht, neue Spender in einer Organisation willkommen zu heißen. Zumindest ist es uns eine Menge Papier wert, wenn ich mir die Begrüßungs-Umschläge so ansehe, die ich erhielt. Doch wie sieht es aus, wenn uns Spenderinnen und Spender verlassen?

Gute Abschiede sind selten

Wenn Spender nicht mehr spenden (möchten, können), dann erfahren wir das nicht immer direkt. Die meisten verlassen uns still und leise. Doch bei zwei Förderergruppen erhalten wir in der Regel eine direkte Mitteilung: Lastschrift-Spender (Paten etc.) und verstorbene Spender. Bei letzteren erfolgt die Info häufig durch deren Angehörige.

Wie komme ich nun darauf, dass gute Abschiede selten sind? Ganz einfach, das habe ich von Spendern erfahren. Zwei konkrete Beispiele:

  • Eine Frau teilt uns mit, dass ihre Mutter in einem Pflegeheim verstorben sei und sie nun den Nachlass ordne. In diesem Zusammenhang kündigt sie etwaige Spendeneinzüge und bittet darum, die Adresse stillzulegen.
  • Eine Spenderin kündigt ihre Patenschaft mit Verweis auf veränderte persönliche Verhältnisse (Tod des Mannes).

Beiden Frauen haben meine Kollegin und ich schriftlich geantwortet, einmal per E-Mail und einmal per Brief. Ich kondulierte der ersten Dame, wünschte Kraft beim Ordnen des Nachlasses und verwies auf die jahrelange Verbundenheit ihrer Mutter mit unserer Arbeit durch Spenden. Der zweiten Dame wurde auch mit Verständnis und persönlich geantwortet, dass der Lastschrifteinzug nun eingestellt werde.

Spannend war nun: beide Frauen antworteten uns umgehend – per E-Mail und per langer Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Beide betonten, dass sie jeweils eine ganze Reihe von Spendenorganisationen angeschrieben hätten und um Adresslöschung gebeten hätten. Und von je ca. einem Dutzend Organisationen hätten sich nur 2-3 überhaupt mit einer Antwort gemeldet. Sie empfanden diese wenigen Antworten (und damit auch unsere) als hilfreich und wohltuend und mochten uns dies unbedingt mitteilen.

Authentisch vom Anfang bis zum Ende

Mein Fazit aus diesen zwei kleinen Begebenheiten ist: Wir sollten als kleine und mittlere Organisationen unsere Stärke des persönlichen Kontaktes ausspielen. Denn offensichtlich ist dies eine Disziplin, die zumindest beim Verabschieden noch sehr unterbelichtet ist.

Wenn wir über Spender-Beziehungen sprechen, dann sollte das auch die Gestaltung von Abschieden zu unseren Förderern umfassen. Vielleicht mag es sich nicht in Euro und Cent auszahlen. Aber wir können durch gut gestaltete Abschiede auf jeden Fall einen nachhaltig guten Eindruck hinterlassen. Und wir zeigen dadurch, dass es eben nicht NUR ums Geld geht, sondern um den gebenden Menschen dahinter.

So abgedroschen es klingen mag. Der Satz “Lass uns Freunde bleiben.” ist nicht nur für Beziehungen anwendbar.

Wie ist Ihre Erfahrung mit dem Abschied von Spendern? Wie reagieren Sie, wie reagiert Ihre Organisation? Nutzen Sie das Antwortfeld unten. Ich bin gespannt!

3 Kommentare

  1. Ein Beispiel aus unserer Praxis: Neffe eines verstorbenen Förderers ruft an und informiert uns über den Todesfall. Unterstützung würde damit enden, alles einstellen.

    Nun kann man den Haken dranmachen und sich auf die Werbung neuer Förderer konzentrieren. Wir schreiben aber trotzdem einen Kondolenzbrief an die Familie. Das gehört sich doch, zumal er langjährig dabeigewesen ist. Wir danken für die jahrzehntelange Unterstützung und teilen mit, dass wunschgemäß die Post eingestellt wird.

    Kurz darauf meldet sich die Witwe telefonisch. Sie wolle doch nun selbst anstelle ihres Mannes tätig werden, in seinem Sinne und in seinem Gedenken, weil es ihm doch so wichtig war, uns zu unterstützen. Und genau deshalb würde sie jetzt auch 10.000 Euro an unsere Stiftung überweisen, damit die Arbeit auch in Zukunft unterstützt würde, wenn sie selbst einmal nicht mehr da sei.

    Und solche Beispiele gibt es noch viele!

  2. Pingback: Fundraisingwoche vom 03.11.-09.11.2014 | sozialmarketing.de - wir lieben Fundraising

  3. Wir verfahren in ähnlicher Weise, wie von Herrn Dörfner beschrieben. Gerade bei älteren Spenderinnen und Spendern, die uns ab und an mitteilen, dass sie fortan im Pflegeheim wohnen, kaum noch lesen können u.ä., halte ich eine persönliche Verabschiedung besonders wichtig. Manche schreiben fast schon entschuldigend, dass sie fortan keine Spenden mehr an uns tätigen können. Ich habe den Eindruck, diese älteren Menschen empfinden es dann als entlastend, wenn man sich in einem persönlichen Brief nochmal für die meist jahrzehntelange Unterstützung bedankt und Verständnis äußert.

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