Grüne, rote und schwarze Worte

“Welche Farbe haben Ihre Worte?” Diese Frage stellte ich beim Fundraising-Seminar in Hermannstadt/Sibiu (Rumänien). Zwei Teilnehmer kamen von ONKOS, einem Verein, der Krebskranken hilft, das Leben zu bewältigen. Es sollte im Rahmen einer Übung ein positiver Slogan für den Verein gefunden werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer taten sich recht schwer damit, denn die Situation der Krebskranken war zuvor in sehr düsteren – und leider nur zu realistischen – Worten beschrieben worden.

Doch mit Not, Leid und Trostlosigkeit läßt sich schwer um Spenden werben. Das ist in Rumänien nicht anders als in Deutschland. Wir streben danach, Hoffnung und Freude zu sehen, zu erleben. Leid vermeiden, Freude anstreben, das sind die starken Attraktoren für uns Menschen.

Wörter sammeln

Also mussten wir (besser: die Gruppe) nochmals ran. Auf Flipchart sammelten wir Begriffe rund um das Thema Krebserkrankung (s. Bild nebenan). Neben “Leid, Ohnmacht, Qualen, Krankheit etc.” gab es auch Begriffe wie “Hoffnung, Heilung, Erfolge, Leben neu schätzen” und “Medikamente, Beratungsraum, Gespräch, …”. Und so wie ich sie hier gruppierte, schrieb ich sie auch gleich auf Flipchart mit verschiedenen Farben mit.

  • Grün wurden alle Worte, welche Hoffnung, Freude und positive Gefühle ausstrahlen.
  • Rot wurden all die negativen und verängstigenden Begriffe.
  • Schwarz schrieb ich die neutralen Worte, welche spontan keine Gefühle auslösen.

Wie sehen Ihre Briefe aus?

Sind unsere Briefe, Flyer und Prospekte eher grün, rot oder schwarz? Welche Sprache verwenden wir? Ein völlig “roter” Brief läßt den Leser entmutigt oder gar verängstigt zurück. Der Brief wird weggelegt, man will das Thema von sich wegschieben. Bei Spendenbriefen fällt mir immer wieder auf, dass gerade die fett gedruckten oder unterstrichenen Worte durchwegs die negativen Begriffe sind. Klar, wir wollen ja auch aufrütteln. Aber das ist dann zuviel des Guten.

Wir wollen die Hoffnung schon sehen, lesen, für die wir spenden sollen. Dies müssen wir Fundraiser immer im Auge behalten. Emotionen auszulösen heißt nicht immer, nur das Leid zu schildern. Die Fähigkeit Ihres Vereins, Leid zu lindern, zeigt sich auch darin, über Hoffnung und eine gute Zukunft schreiben und erzählen zu können.

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