Was macht eine Gemeinschaftsstiftung aus?

Eine Stifterwand ist schön, aber sie schafft noch keine Gemeinschaft

Als ich vor 13 Jahren mit der “Stiftung Wanderjugend” meine erste Gemeinschaftsstiftung auf den Weg brachte, gab es noch nicht viele Vorbilder zu diesem Stiftungstyp. Mit der Gründung von eva’s Stiftung 2003 und der Publizierung des Vorgehens der Stiftungsgründung wurde die Gemeinschaftsstiftung für viele zu einem Modell für Stiftungsneugründungen.

Was ist das Besondere an einer Gemeinschaftsstiftung? Warum Gemeinschaft? Wie es der Name andeutet, ist es eine Mehrzahl von Stiftern, welche gemeinschaftlich eine Stiftung errichtet. Häufig wird dies durch eine soziale Organisation oder Kirchengemeinde initiiert.

Neulich wurde ich aber zum Nachdenken gebracht, als eine Stifterin mir sagte:

“Gemeinschaftsstiftungen gibt es viele. Doch eva’s Stiftung ist durch ihre Stifterversammlung wirklich eine.”

Und da ist etwas dran. Denn woran merke ich, dass von einer Gemeinschaft die Rede ist? Was konstituiert Gemeinschaft? Entsteht Gemeinschaft bereits durch den einmaligen Akt, Geld für eine Stiftungsgründung zu überweisen?

Eine Gemeinschaftsstiftung braucht eine Stifterversammlung

Mit unserer jährlichen Stifterversammlung (–> Satzung), nicht vergleichbar mit einer Mitgliederversammlung eines Vereins, bieten wir unseren Stifterinnen und Stiftern jedes Jahr erneut

  • die Sicherheit, dass ihre Zustiftung gute (soziale) Früchte trägt.
  • das Wissen, dass andere Menschen – auch neue – die Werte der Stiftung teilen.
  • das gute Gefühl, mit der Entscheidung für die Investition in eva’s Stiftung die richtige Wahl getroffen zu haben.
  • die Chance, über eine weitere Zustiftung oder ein Vermächtnis zugunsten der Stiftung nachzudenken bzw. Kontakt aufzunehmen.
  • die Möglichkeit, Fragen an den Vorstand, das Kuratorium, den Geschäftsführer (also mich) zu stellen.

Außerdem wählt die Stifterversammlung 50% des Kuratoriums aus den eigenen Reihen und ist damit direkt in die Stiftungsgeschicke eingebunden.

Viele Vorstände denken vor einer Stiftungsgründung über eine Stifterversammlung nach und mehrfach erlebte ich, dass dann aus Furcht, die Stifter könnten Einfluss nehmen wollen, auf sie verzichtet wurde. Heute halte ich das für einen kardinalen Fehler. Denn damit nehmen sich diese Stiftungen die Möglichkeit, ritualisiert Jahr für Jahr die Stifter persönlich zusammen zu bringen. Papier kann diese Nähe nicht ersetzen.

Und eine Stifterversammlung braucht überhaupt keine großen Rechte, um wirksam zu sein. Es ist ja kein Verein! Es ist völlig ausreichend, dieses jährliche Treffen zu einem angenehmen Abend werden zu lassen, bei welchem das Wirken der Stiftung sichtbar und erlebbar wird.

Ich freue mich heute schon auf unsere nächste Stifterversammlung. Es macht Spaß, so motivierte und interessierte Menschen zu versammeln, ihre interessierten Rückfragen zu den vorgestellten Projekten zu hören und ihre Anregungen für die weitere Entwicklung der Stiftung zu erhalten.

Eine Gemeinschaftsstiftung ohne Stifterversammlung, das geht irgendwie nicht.

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