Geht raus!

Raus gehen! Dorthin, wo die Arbeit geleistet wird, für die wir werben.

Raus gehen! Dorthin, wo die Arbeit geleistet wird, für die wir werben.

Fundraiser müssen auch mal raus. Nein, ich spreche nicht von zu hohem Kaffeekonsum und schwacher Blase. Und ich denke heute auch nicht an Besuche bei Spenderinnen und Spendern. Mein Thema heute ist: Fundraiser müssen raus zu den eigenen Einrichtungen, Diensten, Angeboten.

Wer Geschichten erzählen will, muss dies authentisch tun können. Und eine Erzählung aus dem eigenen Erleben kommt immer viel besser rüber als sämtliches angelesene Wissen aus Jahresberichten oder Erzählungen Dritter.

Als ich meine Stelle vor 12 Jahren antrat, schickte mich mein Chef erst mal auf eine große Tour durch 30-40 unserer Angebote (von damals rund 100). Und so hielt ich es auch, als ich vor 7 und 1 1/2 Jahren neue Stellen schuf. Auch die damals neue Kollegin und der neue Kollege gingen die ersten Monate fleißig auf Hospitationen durch die verschiedensten Angebote.

Anfangs sind wir immer etwas skeptisch, wie das wohl in den Diensten ankommt. Sind wir willkommen? Werden wir als “Kontrolle” wahrgenommen? Doch die Erfahrung zeigt, dass wir praktisch überall sehr willkommen waren und sind. Endlich interessiert sich jemand aus der Zentrale für unsere Arbeit, so klang es manches Mal durch. Ja, solch ein Besuch hat auch etwas mit innerbetrieblicher Wertschätzung zu tun.

Diese Besuche dauern meist zwischen ein und drei Stunden, selten länger. Und es ist gut investierte Zeit. Die Effekte sind:

  • Wir Fundraiser kennen die Angebote aus eigener Anschauung und können eigene Eindrücke erzählen, aus eigenem Erleben berichten.
  • Die besuchten Dienste erfahren Wertschätzung ihrer Arbeit. Etwas, was im Alltag oft zu kurz kommt.
  • Nicht nur wir erfahren etwas. Wir werden natürlich auch immer gefragt, was wir im Fundraising denn so machen? So manche schräge Vorstellung konnten wir da zurecht rücken und Verständnis für unser Vorgehen, unsere Arbeit schaffen. Das ist ein wichtiger Baustein für die viel gerühmte und oft als fehlend bemängelte “Institutional Readiness”.
  • Im Nachhinein ist es viel leichter, persönlich bekannten KollegInnen anzusprechen, wenn zum Beispiel für ein Mailing Infos oder Fallgeschichten benötigt werden und Texte abzustimmen sind.

Wer neu als Fundraiser anfängt, kann diese Hospitationen noch problemlos in seinen Alltag integrieren, da er noch nicht mit Aufgaben dicht ist. Und als Einsteiger/in ist der Erklärungsbedarf minimal, warum man hospitieren möchte. Aber auch für langjährige Fundraiser sollte es zur Gewohnheit werden, jedes Jahr mal wieder “ins Feld” zu gehen und sich frisch von dem infizieren zu lassen, für das wir werben.

Und im Idealfall lernt sogar der Texter oder die Texterin in Ihrer Full-Service-Mailing-Agentur einmal Ihre Arbeit vor Ort kennen und ist nicht nur auf Ihr schriftliches / mündliches Briefing angewiesen …