Freundeskreis oder Förderverein – Pro und Contra

Der §58 der Abgabenordnung, in welchem die Zulässigkeit reiner Fördervereine geregelt ist.

Die Begriffe Freundes- bzw. Förderkreis und Förderverein werden häufig gleichwertig verwendet. Darunter wird eine Gruppe von Personen verstanden, welche durch ihre Aktivitäten Spendenwerbung oder Fundraising für eine gemeinnützige Organisation betreibt.

Rechtlich, in ihrer Wirkung und ihren Möglichkeiten sind aber beide Organisationsformen sehr unterschiedlich zu betrachten und zu bewerten.

Freundeskreis oder Förderkreis

So ein Förderkreis (Freundeskreis meint dasselbe) hat erst einmal keinen formalen rechtlichen Rahmen innerhalb des Vereinsrechts oder der Abgabenordnung. In den meisten Fällen haben sich Interessierte gefunden, welchen einen speziellen Zweck durch ihre Mitarbeit oder Spenden unterstützen möchten. Die sich häufig im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften selbst organisierten Freundeskreise sind so eine lose Struktur. Es gibt keine formale Vertretung nach außen, keinen Vorstand, keine Satzung und keine eigenständige Gemeinnützigkeit.

Auch eine Gründung aus einer Organisation heraus ist sehr häufig anzutreffen. Beispielsweise, wenn eine Kirchengemeinde einen intern (durch Funktionsträger) und extern (Fachpersonen, Engagierte) besetzten Fundraising-Kreis gründet, der mehr oder weniger eigenständig Fundraising-Maßnahmen konzipiert und umsetzt.

Wenn sich ein Förderkreis direkt zur Unterstützung einer konkreten Einrichtung gründet oder gegründet wird, kann er entweder völlig losgelöst von dieser agieren oder hat eher die Rolle eines extern besetzten Arbeitskreises.

Förderverein

Der Förderverein ist, wie es der Name schon sagt, ein eigenständig im Vereinsregister eingetragener Verein und hat praktisch immer den Status der Gemeinnützigkeit vom Finanzamt erhalten. So ein Verein hat eine Satzung mit verschriftlichtem Vereinszweck, einen Vorstand, namentlich bekannte Mitglieder und eine Mitgliederversammlung.

Doch welche Form ist nun sinnvoll? Einige Punkte sind abzuwägen:

A) Förderverein

Gründungs- und Organisationsaufwand: Dieser ist eher größer, wenngleich es für Fördervereine Mustersatzungen gemäß Abgabenordnung (AO) gibt. Es sind mindestens sieben Mitglieder notwendig, es braucht einen Vorstand, eigenständige Buchführung und regelmäßige Mitgliederversammlungen. Anfallende Kosten sind vom Verein zu tragen (z.B. Bankgebühren).

Dauerhaftigkeit: Ein Verein kann zwar jederzeit durch Votum der Mitgliederversammlung aufgelöst werden, der Aufwand ist aber durch die notwendige Mehrheit und Beurkundung weit höher, so dass tendentiell von einer längeren Lebensdauer auszugehen ist.

Spendenbescheinigung: Der Förderverein kann als eigenständiges Rechtssubjekt die Gemeinnützigkeit beantragen und Zuwendungsbestätigungen ausstellen. Gemäß Abgabenordnung kann er bei entsprechender Satzungskonstruktion 100% der eingeworbenen Spenden direkt an die zu fördernde gemeinnützige „Mutterorganisation“ weiterleiten.

Verhältnis zur „Mutter“: Die vom Förderverein zu fördernde gemeinnützige Organisation hat keinen direkten Zugriff auf den Förderverein. Man kann regeln, dass jemand aus der Organisation qua Amt im Vorstand des Fördervereins vertreten ist. Aber die Mitgliederversammlung kann dies jederzeit per Satzungsänderung aufheben.

Häufige Probleme im Miteinander von Förderverein und geförderter Organisation sind:
– Unabgestimmter Auftritt des Fördervereins mit dem Logo der „Mutter“. Dies kann von der Mutter aber untersagt werden.
– Der Verein gibt seine Mittel nur unter bestimmten Auflagen zur Mittelverwendung weiter und die Mutterorganisation hat einen abweichenden Bedarf oder sieht die Auflage kritisch. Dies kommt in der Praxis häufiger vor und führt zu Konflikten. Beispielsweise wenn ein Förderverein in einem Kindergarten Chinesisch-Unterricht fördern möchte, der Kindergarten aber dringend Mittel für die Spielplatzrenovierung bräuchte.
– Ehemalige Mitarbeitende/Vorstände der Organisation werden im Förderverein aktiv und machen eine „Parallelpolitik“ oder agieren gegen ihre Nachfolger in der „Mutter“.
– Die geworbenen Spenderadressen liegen einzig und alleine beim Förderverein. Die begünstigte Organisation hat rechtlich keinen Anspruch auf diese Adressen.

Aber es gibt auch einen großen Vorteil: Wenn die Organisation beispielsweise als Heimträger keine Spenden annehmen darf (bzw. nur unter hohen bürokratischen Hürden), kann ein organisatorisch, personell und weisungsmäßig unabhängiger Förderverein eine elegante Alternative sein, um auch im Bereich des Heimgesetzes Fundraising betreiben zu können. Der Mutter-Organisation dürfen dann aber die Spender nicht bekannt gegeben werden, sie darf auch die Spendenbuchhaltung nicht für den Förderverein übernehmen.

Ähnlich vorteilhaft ist der Förderverein auch für öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen, wo ansonsten oft der Gemeinderat über die Annahme jeder (!) einzelnen Spende entscheiden muß.

Förderkreis

Gründungs- und Organisationsaufwand: Der Förderkreis kann einfach ad hoc durch Votum der Anwesenden gegründet werden. Er benötigt keinen formalen Vorstand, kann aber Sprecher oder Vertreter benennen. Dies hat aber keine rechtliche Wirkung wie beispielsweise im Vereinsrecht. In seinem Wesen entspricht er einem Arbeitskreis.
Aber: Wenn der Föderkreis sich „verselbständigt“ und nach außen so auftritt, dass er als eigenständiges Rechtssubjekt wahrgenommen wird, bildet er automatisch eine BGB-Gesellschaft und jedes „Mitglied“ haftet einzeln für mögliche Verpflichtungen, die in dieser Form eingegangen werden. Ein Beispiel wäre, wenn der Förderkreis als solcher ein aufwändiges Catering für eine Benefizveranstaltung ohne Rücksprache oder Auftrag in eigenem Namen bestellt und nicht im Namen der Trägerorganisation. Im Konfliktfall kann dies so enden, dass die Besteller privat für die Bezahlung des Caterings haften.

Dauerhaftigkeit: Er kann jederzeit durch Votum der Mitwirkenden oder der Trägerorganisation formlos eingerichtet oder aufgelöst werden. Gleichwohl gibt es auch langjährig und sehr erfolgreich im Fundraising agierende Förderkreise.

Spendenbescheinigung: Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist ausgeschlossen, da der Förderkreis diese gemäß Abgabenordnung nicht eigenständig beantragen kann. Förderkreise können daher keine eigene Zuwendungsbestätigung ausstellen. Die Spenden müssen über ein Konto der begünstigten Organisation laufen und von dieser bestätigt werden. Der Förderverein sammelt also im Namen und Auftrag der „Mutterorgganisation“ Spenden. Er kann also auch kein eigenes Bankkonto wie ein Verein eröffnen. Die „Mutter“ könnte aber ein separates Förderkreis-Konto bei der Bank eröffnen, um die durch den Förderkreis geworbenen Mittel in der Darstellung und buchhalterisch einfacher trennen zu können, falls dies durch die Umstände sinnvoll sein sollte.

Der große Vorteil eines Förderkreises ist, dass er problemlos an eine bestehende Organisation angedockt werden kann und damit parallel zu existierenden Gremien engagierte Personen in die Arbeit eingebunden werden können. Dem Namen nach kann auch ein Förderkreis einen „Vorstand“ benennen, um nach außen stärker wirken zu können oder mögliche Geltungsbedürfnisse zu befriedigen.

Fazit

Förderverein und Förderkreis werden häufig, aber zu unrecht, gleichwertig genannt. Wenn kein zwingender Grund für eine Vereinsgründung vorliegt, empfehle ich den – nach Bedarf enger oder weiter – an die Organisation angedockten Förderkreis, der auch einfach mit den notwendigen Kompetenzen für erfolgreiches Fundraising ausgestattet werden kann.