Flyer, welche Leser interessieren

Nur zusammen wirksam: Leserbedürfnis und unser Sendungsbedarf

Nur zusammen wirksam: Leserbedürfnis und unser Sendungsbedarf

Wie werden Flyer normalerweise erstellt? Meistens gibt es jemanden, der dazu eine Themensammlung im stillen Kämmerlein erstellt und danach wird in der Teamrunde im offenen Brainstorming das noch Fehlende ergänzt. Ergebnis ist dann eine lange Liste von Inhalten, welche redaktionell aufbereitet und auf das geplante Format gekürzt oder gestreckt erstellt werden.

Und das Ergebnis kann sich in der Tat häufig sehen lassen.

Aber werden diese Flyer auch gerne gelesen? Und beantworten diese Flyer auch die Fragen der Lesenden? Das scheint mir unsicher, denn es fehlte in dem Prozess eine wichtige Komponente:

Das Interesse des Lesers

Der Flyer spiegelt nun das Sendungsinteresse der Organisation wieder. Das kann – muss aber nicht – mit dem Leseinteresse oder Informationsbedürfnis des Empfängers überein stimmen.

Das Entstehen eines neuen Flyers – mit Lesersicht

Als mein Team und ich uns daran machten, einen neuen Imageflyer zu verfassen, entschieden wir uns daher für folgendes Vorgehen:

  1. Wir ignorierten völlig den bisherigen Flyer und beschlossen, bei “Null” anzufangen.
  2. Im zweiten Schritt dachten wir darüber nach, welche Personen diesen Flyer bisher überhaupt erhielten. Dabei stellten wir fest, dass es zwei große Hauptgruppen gab. Eine davon waren Neuspenderinnen und Neuspender. Im Ergebnis entschieden wir uns, dass wir künftig nicht mehr einen allgemeinen Imageflyer haben wollen, sondern einen Imageflyer für Besucher/Gäste/ etc. und einen speziellen Flyer für Neuspender.
  3. Nun erstellten wir am Flipchart eine einfache zweispaltige Tabelle.
    Spalte 1: Anforderungen (der Empfänger)   – Spalte 2: unser Mitteilungsinteresse
    Diese beiden Spalten wurden nun mit Stichworten gefüllt. Welche Fragen wollen unsere Neuspender beantwortet haben? Was wollen wir ihnen mit auf den Weg geben? Welche Informationen sind für die Spendenden wichtig? Welche unausgesprochenen Fragen stehen im Raum?
  4. Nun wurden beide Spalten zusammen geführt. Dabei gab es Überschneidungen und auch Ergänzungen.
  5. Jetzt konnten wir – ganz klassisch – die redaktionelle Arbeit beginnen.

Das Ergebnis spiegelt nun einerseits das (vermutete) Leseinteresse der Neuspenderinnen und -spender wieder und andererseits die Botschaften, welche wir geben möchten.

Unter anderem stellen wir nun das ganze Team mit Foto, Zuständigkeit und Tel./E-Mail auf einer Seite als persönliche und direkte Ansprechpartner vor. Damit wird die anonyme Organisation greifbar, die Schwelle zur Kontaktaufnahme sinkt.

Der neue Flyer liegt jetzt vor (Altarfalz) und wir sind damit ganz zufrieden. Ergänzend gibt es noch eine eingelegte Postkarte, um all die schönen weiteren Broschüren von uns bestellen zu können.

Nun wird der “normale” Imageflyer nach gleichem Muster erstellt. Und es ist jetzt schon absehbar, dass dieser eine völlig andere inhaltliche und grafische Struktur erhalten wird. Das Nachdenken über die Leserbedürfnisse hat sich gelohnt!

Fazit: Publikationen müssen immer aus zwei Perspektiven betrachtet werden. Nur wenn die Bedürfnisse des Lesers und die des Autors zusammen geführt werden, entsteht ein inhaltlich stimmiges Werk.