Einiges nicht geschafft – Hurra!

Nicht nur das, was wir schaffen, bringt uns weiter. - Auch das, was wir lassen!
Nicht nur das, was wir schaffen, bringt uns weiter. – Auch das, was wir lassen!

Es geht auf das Jahresende zu. Die Planungen für 2014 sind im Arbeit und der Blick geht etwas zurück ins vergangene Jahr. Bei unserer letzten Teamklausur haben wir gut zwei Dutzend tolle Maßnahmen, Projekte, Aktivitäten indentifiziert, welche wir -zusätzlich zum Tagesgeschäft – auf den Weg brachten.Und dann gab es noch eine Liste mit offenen Posten. Wir haben

– über neue Projekte nachgedacht – teilweise sehr lange – und

– Konzepte verfaßt und nicht umgesetzt

Auf den ersten Blick sind das zwei Punkte, welche nicht unbedingt nach Erfolg klingen. Wenn ich es mir aber genauer ansehe, bin ich darauf sogar stolz. Denn Erfolg bemißt sich nicht nur danach, was wir leisten, sondern auch danach, was wir lassen.

Erfolg ist auch das, was wir lassen

Ja, das klingt etwas exotisch, gebe ich gerne zu. Meistens werden wir daran gemessen, was wir neu auf den Weg brachten. Aber ich denke, dass es auch sehr wertvoll ist, einmal etwas nicht umzusetzen.

Ein vielzitiertes Mantra lautet: Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen. Auch wenn es viel zitiert wird, dieses Mantra ist quatsch.

Klar, ich muss nicht vor jeder Schwierigkeit oder jedem Hindernis gleich umdrehen. Es gehört zum persönlichen Wachstum auch dazu, sich Problemen zu stellen und eine Lösung zu finden. Aber in seiner Absolutheit ist der Satz problematisch. Denn er impliziert eine Art von Allmachtsphantasie der Machbarkeit. Und irgendwann geht es nur noch ums Machen, ums möglich effiziente Umsetzen von Maßnahmen – Hauptsache, das Problem ist überwunden.

Was dabei in den Hintergrund gerät, ist die Frage, ob die Überwindung des Problems wirklich zum Ziel führt und ob es nicht einen – viel einfacheren – kleinen Umweg gäbe. Oder die Frage, ob das Ziel nicht verrückt werden könnte und auf einem ganz anderen Weg erreicht werden kann.

Wir haben einiges im letzten Jahr angefangen, angedacht, geplant, was wir nicht zu Ende brachten. Unser Nutzen war:

  • Wir haben Zeit und Geld gespart, welches uns das Projekt (mehr) gekostet hätte, als es anfangs schien.
  • Manches passt in eine andere Organisation wunderbar rein – aber (leider) nicht bei uns.
  • Dieses Jahr reicht der Vorlauf nicht – aber im nächsten Jahr können wir so richtig durchstarten.
  • Es gibt Aspekte, welche uns erstmals nicht bewußt waren, die aber beim gründlichen Durchdenken klar wurden – und uns von der Realisierung abhalten, zum Beispiel, weil dann unser Fundraising-Mix ins Trudeln kommt.

Wir lernen, das haben wir gelernt, auch aus dem, was wir nicht machen.

Effektiv oder Effizient?

Im Zeit- und Selbstmanagement wird gerne die Polarität von Effizient und Effektivität besprochen. Effizient sind wir, wenn wir die Aufgaben bestmöglich erledigen. Effektiv arbeiten wir, wenn wir an den richtigen Aufgaben arbeiten.

Und so war es für uns sehr effektiv, einige “Baustellen” gründlich zu durchdenken, zu planen – aber dann, völlig ineffizient, nicht umzusetzen.

Und so komme ich zu meinem kleinen Fazit:

Es ist oberflächlich betrachtet völlig ineffizient, gründlich durchdachte und geplante “Baustellen” nicht umzusetzen. – Aber der Effekt kann für Ihre Arbeit sehr effektiv sein.

 

Ein Gedanke zu „Einiges nicht geschafft – Hurra!“

  1. Mir gefällt der Satz: Probleme sind verkleidete Möglichkeiten. Denn da kann man machen oder lassen, beides sind ja Optionen. Und ‘lassen’ ist auch eine Art ‘machen’ – sicherlich für Macher eine große, wenn nicht die größte Herausforderung :-).

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