DZI – zwischen Orientierungshilfe und Überheblichkeit

Mit den Tipps in seinem Spendenmagazin 2014 schießt das DZI übers Ziel hinaus.

Mit den Tipps in seinem Spendenmagazin 2014 schießt das DZI übers Ziel hinaus.

Vor einigen Wochen rief mich ein Spender in der Arbeit an. Er war hörbar aufgebracht und ich ging innerlich etwas in Deckung, was nun kommen würde. Aber zu meiner Überraschung ging es überhaupt nicht um das kürzlich verschickte Mailing, sondern um eine Beilage in seiner Kirchengebietszeitung. Da würden, so sagte er mir, allen Hilfswerke, die kein Spenden-Siegel trügen, die Spendenwürdigkeit abgesprochen. Hmmm? Ich solle mir nur den Text auf Seite 24 ansehen, es wäre eine Sauerei.

Nun, der Herr ließ sich beruhigen und ich versprach ihm, mich der Sache anzunehmen. Ich suchte mir die entsprechende Ausgabe des Evangelischen Gemeindeblattes für Württemberg und fand darin auch eine Beilage. Meine zwischenzeitliche Vermutung bestätigte sich. Ich hatte das jährliche DZI – Spendenmagazin (2014) vor mir. Doch was steht nun auf der ominösen Seite 24. Dort finde ich eine Doppelseite mit der Überschrift “Spenden mit Herz und Verstand” und darunter den “üblichen” DZI-Leitfaden mit 9 Tipps zum Spenden.

Das DZI, kurz zur Erläuterung, ist das “Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen”. Es ist als Stiftung organisiert und hat seinen Sitz in Berlin. Es vergibt, nach einer kostenpflichtigen und (für die Organisation) aufwändigen Prüfung, das DZI Spendensiegel.

Nun ja, die Tipps sind altbekannt und zum Teil in der Fundraisingszene und bei Hilfsorganisationen stark umstritten. Stichworte sind “Auskunftsbereitschaft” und Werben mit Dringlichkeit oder gefühlsbetonten Bildern.

Doch dann fand ich den Passus, auf den mich der ältere Herr aufmerksam machte:

3. Tipp: Spenden-Siegel und Spendenauskünfte

Überprüfen Sie vor dem Spenden, ob die Organisation als besonderes Zeichen für Vertrauen das DZI Spenden-Siegel trägt. Hilfswerke, die sparsam und transparent mit den ihnen anvertrauten Mitteln umgehen und auch die Wirkung ihrer Arbeit angemessen überprüfen, dürfen dieses Zeichen verwenden. Sie beantragen das Siegel …

Jetzt verstand ich, warum der Herr sauer war. Und jetzt war ich auch sauer. Man kann ja zu den Maßstäben des DZI stehen wie man will. Aber den relevanten Spendenmarkt implizit auf die aktuell 230 Spendensiegel-Organisationen einzuschränken, das geht doch gehörig zu weit. Hier übernimmt sich die Stiftung DZI.

Es gibt in Deutschland sicher über eine Viertelmillion Vereine, wovon ein großer Teil auch Spenden erhält. Dem gegenüber stehen 230 Organisationen, welche – nicht wenig – Geld ausgeben, um sich der Prüfung durch das DZI zu unterziehen. Es kann doch nicht sein, dass die weit überwiegende Mehrheit der deutschen Vereins- und Verbandslandschaft, auch gemessen am Spendenvolumen, so einfach diskreditiert wird.

Das DZI maßt sich mit einem solchen Tipp eine quasi-staatliche Wächter-Funktion zu, die fern jeder Realität ist. Die Überheblichkeit, die aus solch einem Satz hervorquillt, ist schwer erträglich. Und, der Anruf des Spenders beweist es, nicht nur mir geht es so.

So wertvoll die Arbeit des DZI manchmal sein mag – hier ist es weit über’s Ziel hinausgeschossen.

Bitte in 2015 nicht nochmals!

Nachsatz: Meine Organisation war selber 15 Jahre DZI-Spendensiegelträgerin. Als sich das Gebührenmodell änderte und die Prüfgebühr nicht mehr als Anteil der Spendenhöhe, sondern des Gesamtumsatzes berechnet wurde, haben wir auf den Verlängerungsantrag verzichtet. Einschließlich interner und Wirtschaftsprüferkosten wären wir auf 20.000 Euro Kosten gekommen – die von den Spendern getragen worden wären. In unserem Spendermagazin “schatten und licht” haben wir alle Spender darüber informiert und um ihre Meinung / Einschätzung gebeten. Bis auf eine (!) skeptische Stimme, waren alle der Meinung, dass das Geld in Sozialarbeit besser angelegt sei, als beim DZI. Statt dessen haben wir seither einen Jahresbericht mit ausführlichem Finanzteil – einschließlich Spenden und dafür anfallende Ausgaben.

Hier übrigens noch der Text, mit welchem wir seinerzeit die Spender informierten (anklicken zum Vergrößern).

Text aus dem Spendermagazin "schatten und licht" 1-2012, Seite 15 (U3).

Text aus dem Spendermagazin “schatten und licht” 1-2012, Seite 15 (U3).