Das PS mit Leben füllen

Das PS sollte mit wichtigem Text gefüllt sein.

Die meisten Spendenbriefe enden mit einem Postscriptum, dem PS. Die klassischen Ratgeber empfehlen, unbedingt ein PS ans Ende des Briefes zu stellen, denn dieses würde als erstes gelesen werden.

Und tatsächlich scheint es so zu sein, dass der Leser nach dem Öffnen des Briefs, diesen zuerst einmal mit den Augen scannt und den kürzesten Absatz – meist das PS – zuerst vollständig liest.

Soweit, so gut. Doch was bedeutet dies für die Kommunikation. Welche Information ist es wert, als erstes gelesen zu werden?

PS-Beispiele aus Mailings

Hier einige Beispiele von PS-Absätzen, welche mich in den letzten Wochen erreichten:

  • PS: Mit Ihrer Unterstützung können wir dieses bedeutende Forschungsprojekt stemmen! Bitte helfen Sie dauerhaft. Schon 10 Euro monatlich sind ein hilfreicher Betrag.
    .
  • P.S.: Schon 14 Euro reichen zum Beispiel, um einem Mädchen Hefte und Bücher für den Unterricht eines ganzen Jahres zu beschaffen.
    .
  • P.S: Flucht aus Syrien: Schon 20 Euro reichen für fünf wärmende Decken. Mit 66 Euro können wir Kochsets an mehrere Familien verteilen und mit 125 Euro erhalten verletzte Flüchtlinge dringend benötigte Medikamente.
    .
  • PS: Für 30 Euro stattet UNICEF 20 Teilnehmerinnen eines Bildungskurses im Senegal mit Schulbüchern aus.
    .
  • PS: Auf www.unicef.de/sahel finden Sie laufend aktuelle Informationen, Fotos und Videos zu UNICEF Nothilfe.
    .
  • PS: Handeln wir gemeinsam! Je eher, desto besser. Der jetzige Eigentümer der Auenlandschaft wartet auf unsere Zusage. Mit 15 Euro sichern Sie 57m² Fischotter-Heimat!
    .
  • PS: Um Datensammlern mit unseren Aktionen weiter die Stirn zu bieten, muss der FoeBuD unabhängig bleiben. Helfen Sie mit, diese Unabhängigkeit durch Ihre Spende zu erhalten.
    .
  • PS: Ich weiß, es kommen vielen Bitten bei Ihnen an. Umso dankbarer bin ich, dass die Arbeit der Evangelischen Gesellschaft auf Ihre Unterstützung bauen darf. Danke!
    .
  • PS: Mit Ihrer Hilfe unterstützen Sie nicht nur die Arbeit unserer Dienste – Sie schenken Menschen einen würdigen Alltag.
    .
  • PS: Rund 3000 Hilfesuchende betreut unsere Wohnungslosenhilfe Jahr für Jahr. Jeder Beitrag ist wichtig und kommt an: zum Beispiel in der Wärmestube, der Notübernachtung oder bei eva’s Tisch.
Die letzten drei PS-Beispiele stammen von mir, damit ich nicht nur Fremdbeispiele nenne.

Prüfkriterien für PS-Zeilen

Wenn Sie die obigen PS-Zeilen betrachten, überlegen Sie sicher, welche davon gut oder schlecht sind. Nun könnte man dies anhand des persönlichen Geschmacks entscheiden oder aber anhand von vorher überlegten Kriterien. Was soll das PS? Das PS soll …
  • Lust machen, Neugier wecken, um den ganzen Brief zu lesen.
  • keine Selbstverständlichkeit enthalten.
  • eine wichtige Information geben.
Im privaten Brief enthält das PS eine Information, welche im Brief selber vergessen wurde und nachträglich noch ergänzt wurde – in Zeiten, da Briefe von Hand geschrieben wurden und nicht einfach eine Zeile eingefügt werden konnte. Es war also meist etwas Wichtiges, das darin Platz fand.
Ist das PS in Ihrem Brief so gut, dass es – alleine stehend – Sinn macht, eine Botschaft Ihrer Organisation enthält?

Schlechte PS-Zeilen

Als schlecht empfinde ich persönlich PS-Zeilen, welche eine unwichtige oder selbstverständliche Information enthalten. Mein Klassiker dabei ist das PS, welches sinngemäß lautet:
PS: Bereits mit 10 Euro
können Sie xy kaufen, mit 20 Euro xz bewirken
und mit 100 Euro sogar qx schaffen.
Solche, häufig verwendeten, PS-Zeilen – oben sind auch einige Variationen davon aufgeführt – empfinde ich als schlecht, denn…
  • Spender empfinden diese “Zahlungsvorschläge” häufig als Gängelung und Eingriff in ihre freie Entscheidung.
  • sie enthält keine neue oder gar überraschende Information. Spender sind auch Spendenbrief-Profis! Die kennen alle Kniffe und Formulierungen – oft besser als Fundraiser. Der Satz ist völlig abgegriffen.
  • Sie sollten nicht gleich von Geld sprechen, sondern von Ihrer Botschaft. Die Spendenbitte hat noch genügend Raum im Brief – sie ist kein PS!
Prüfen Sie Ihr PS im Brief. Womit können Sie einen Spender wirklich überraschen oder seine Zustimmung einholen? Ziel ist, dass der Brief gelesen wird. Bewirkt Ihr PS dies?

PS: Schreiben Sie immer PS: und nicht P.S.: oder P.S: … der DUDEN hilft hier weiter.

2 Gedanken zu „Das PS mit Leben füllen“

  1. Ihre Prüfkriterien sind einleuchtend. Und auch mit den “schlechten” PS-Zeilen haben Sie Recht. Diese sind zwar vom Grundsatz nicht völlig abwegig, aber mittlerweile vielleicht allzu abgegriffen. Außerdem kommt es beim Leser vermutlich nicht gut an, wenn man ihm – gerade beim Spenden – konkrete Beträge “vorschreibt”.

    Das vorletzte PS-Beispiel ist zu allgemein: Dass man mit der Spende unterstützt, ist klar, und “würdiger Alltag” erzeugt einfach kein konkretes Bild im Kopf des Lesers.

    Besser ist das letzte PS, weil hier konkrete Beispiele für Verwendungszwecke genannt werden.

    Noch eine Idee von uns: Ein freundlicher Hinweis, wie man ganz schnell und einfach spenden kann.
    Zum Beispiel “PS: Gehen Sie einfach auf http://www.xyz.de und nutzen Sie das Spenden-Formular. Sie brauchen nur drei Minuten, um einem Kind im Senegal ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.”

  2. Sie fragen Was soll das PS? Und geben auch gleich die richtige Antwort:
    Das PS soll …
    •Lust machen, Neugier wecken, um den ganzen Brief zu lesen.
    •keine Selbstverständlichkeit enthalten.
    •eine wichtige Information geben.

    Soweit bin ich dabei. Aber, muss das PS in einem Spendenbrief noch eine NEUE Information enthalten? Ich glaube nicht. Der Erkenntnis folgend, dass das PS zuerst gelesen wird (eine schlüssige Begründung für diese TATSACHE ist mir allerdings auch noch nie untergekommen, nutze ich es, um die Kernbotschaft des “langen” Briefes zusammenzufassen. Wer “mein” PS gelesen hat, kennt schon den ganzen Brief – im Idealfall ist die Leserin, der Leser durch sdas PS neugierig geworden und liest den ausführlichen detailreichen Text des Briefes. Ein Beispiel:

    PS: Den Bewohnern unserer Seniorenzentren möchten wir ein möglichst vielfältiges Angebot machen, um den Tagesablauf zu strukturieren. Den verschiedenen Neigungen und Interessen folgend bieten wir Möglichkeiten zur Teilnahme an den unterschiedlichsten Aktivitäten an. Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende, damit wir die dafür notwendigen, die Lebensqualität der uns anvertrauten Menschen verbessernden Anschaffungen, schnellstmöglich tätigen können.

    Im Brief wird die Botschaft, das Anliegen über ZWEI Seiten ausführlich, detailreich, ergänzt durch Zitate etc. dargelegt. Und es funktioniert. Seit Jahren.

    Wer es prüfen will, darf mich gerne kontaktieren und erhält den ganzen Text. Zum “Abgleich”, ob meine Aussage zutrifft (ob die Botschaft der durch den PS geweckten Erwartung entspricht).

    Übrigens: Danke für die Grammatik-Nachhilfe. Ich habe bis heute auch P.S.: geschrieben. Soll nicht mehr vorkommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.