Dankbriefe, die sich rechnen

Jahresbeginn, kurz vor Dreikönig

In ganz Deutschland sitzen die Kinder an den Kinderzimmer- und Küchentischen vor leeren Blättern. Es ist die Zeit der Dankbriefe.     Die ersten Weihnachtsgeschenke sind bereits kaputt, alle Spielsachen ausprobiert. Nun kommt der unangenehme Teil: die obligaten Dankbriefe an Oma und Opa, Onkel und Tante. Zumindest war es in meiner Kindheit noch so gewesen.

Im März war schon wieder Geburtstag angesagt – meiner! Was wäre also näher, als das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Konkret also, den ungeliebten Dankbrief um einige Zeilen Wunschliste (+ einem Katalogausriss) zu aufzupeppen und auf eine angemessene Länge zu bringen. Spannende Idee! Leider habe ich ich das nie getraut.

Alles lange vorbei, deutlich über 30 Jahre. Heute schreiben meine Söhne – zumindest der Ältere – kurze Dankbriefe nach Weihnachten. Und auch jetzt gibt es schon die ersten Gedanken, was es wohl zu Ostern gäbe …

Mir gefällt das nicht. Ich denke, ein Dankbrief sollte ein Dankbrief sein und nicht eine elegante Überleitung zur nächsten Bitte. Ich glaube, ich empfinde es etwas als maßlos, als undankbar. Denn die neuerliche Bitte entwertet in meinen Augen den zuvor ausgesprochenen Dank. Diese Bitte macht klar, “es reicht noch nicht”, “mehr muss es sein”, “anderes will ich haben”. Vermutlich geht es nicht nur mir so. Zumindest komme im privaten Alltag nur selten Dankbriefe (oder -anrufe) im Kombi mit neuen Bitten – na ja, ausgenommen bei der Bettelei nach Süßigkeiten 🙂

Sind Fundraiser maßlos?

Jetzt ist gerade wieder die Zeit, in welcher die Jahres-Zuwendungsbestätigungen verschickt werden. Und es kommt praktisch keiner dieser Briefe ohne einen beiliegenden kleinen Prospekt und einen Zahlschein aus. Es sind also klassische Mailings. Und ebenso klassisch ist die Aussage, die ich schon öfters aus dem Mund von Agentur-Mitarbeitern hörte: “Jedes Mailing muss sich rechnen.”

Wie wird gerechnet? Was wollen diese Leute von den Spendern? Einen Kostenbeitrag für den Versand der Zuwendungsbestätigung? Das machen sonst nur die Banken mit kostenpflichtigem Versand der Kontoauszüge. Aber warum soll ich als Spender die Kosten für den Jahresdank tragen?

Warum reicht es uns nicht, uns einfach zu bedanken? Ich glaube, unsere Spenderinnen und Spender erhalten umfänglich Zahlscheine von uns im Laufe des Jahres. Natürlich werden auch wieder ausreichend viele Spender den Dank-Zahlschein ausfüllen, so dass sich das Mailing rechnet. Aber ist das das einzige Kriterium für die Kommunikation?

Bisher verläßt kein einziger Dankbrief, verläßt keine Jahresspendenbescheinigung unser Haus mit beiliegendem Zahlschein. Wir sind der Meinung, dass ein Dank ein Dank ist. Und ein Spendenmailing ist ein Spendenmailing.

Es macht uns Spaß, uns vorbehaltlos zu bedanken. Unser “Gewinn” ist das Gefühl, dass wir die Beziehung zu unseren Spendern so pflegen, wie wir es als Privatperson gegenüber der Familie und unseren Freunden zu tun pflegen. Und das sind doch die tragfähigsten Beziehungen – oder?