Planen – erledigen – reflektieren

In der Theorie sieht es immer ganz einleuchtend aus. Im Fundraising – egal ob im Alltag oder bei Projekten – folgt man dem Dreiklang von Planen, Handeln und Reflektieren. Wir gehen beispielsweise im Herbst in die Jahresplanung für das Folgejahr, setzen dann die geplanten Maßnahmen sorgfältig im Laufe der folgenden Monate in die Realität um, und vor der nächsten Planungsrunde reflektieren wir die gemachten Ergebnisse und Erfahrungen als Grundlage für die erneute Planungsrunde.

Leider ist es in der Praxis häufig nicht so. Ich erlebe in Beratungen oder beim Blick von außen, dass Fundraising-KollegInnen sich entweder im Prozeß der Planung verlieren oder vor lauter operativer Hektik weder zum Planen, noch zum Reflektieren kommen. Und beide Szenarien sind verhängnisvoll für die Weiterentwicklung des Fundraisings in der Organisation. „Planen – erledigen – reflektieren“ weiterlesen

Freundeskreis oder Förderverein – Pro und Contra

Der §58 der Abgabenordnung, in welchem die Zulässigkeit reiner Fördervereine geregelt ist.

Die Begriffe Freundes- bzw. Förderkreis und Förderverein werden häufig gleichwertig verwendet. Darunter wird eine Gruppe von Personen verstanden, welche durch ihre Aktivitäten Spendenwerbung oder Fundraising für eine gemeinnützige Organisation betreibt.

Rechtlich, in ihrer Wirkung und ihren Möglichkeiten sind aber beide Organisationsformen sehr unterschiedlich zu betrachten und zu bewerten. „Freundeskreis oder Förderverein – Pro und Contra“ weiterlesen

Mailings sammeln – aber sinnvoll

In meinen Vorträgen sage ich gerne, dass wir Fundraiser*innen voneinander lernen müssen. Und dazu zählt, dass wir – Jäger und Sammler die wir sind – uns die Mailings und Spendenbitten anderer Organisationen ansehen. Viele Kolleg*innen machen dies auch und es haben sich in der Praxis zwei Sammelformen herauskristallisiert: „Mailings sammeln – aber sinnvoll“ weiterlesen

Prominente Fürsprecher – Segen oder Fluch?

Prominente als Leuchtturm für die Arbeit der Organisation. Nicht immer geht die Rechnung auf.
Prominente als Leuchtturm für die Arbeit der Organisation. Nicht immer geht die Rechnung auf.

“Und dann suchen wir noch einen Promi als Schirmherrn.” Wer kennt diesen Satz nicht, der bei vielen Kampagnenplanungen fällt. Dahinter steckt die unausgesprochene Hoffnung, dass prominente Fürsprecherinnen und Fürsprecher die Werbung für das Projekt, das Mailing oder die Patenschaft so richtig befeuern. In der Tat gibt es einige Beispiele, wo eine Organisation offensichtlich und zum Teil längerfristig durch eine bekannte Persönlichkeit profitiert. Denken wir nur an “Menschen für Menschen” (Karlheinz Böhm), “Pan y Arte” (Dietmar Schönherr) oder das Kinderhilfswerk Plan International (Ulrich Wickert).

Auf der anderen Seite blicken uns von Flyern und Broschüren Professoren, Landräte, Politiker a.D. etc. an, deren Namen nur Eingeweihten etwas sagen, geschweige denn, dass man mit ihnen etwas Positives verbinden würde. Ihre Hauptqualifikation scheint zu sein, dass sie den Verantwortlichen spontan in den Sinn kamen, sie greifbar schienen und schlussendlich “Ja” sagten.

Grundsätzlich gibt es zwei gute Gründe, warum es sich lohnen kann, über einen Prominenten als Fürsprecher (oder wie man häufig liest: Testimonial) nachzudenken: „Prominente Fürsprecher – Segen oder Fluch?“ weiterlesen

Anlass-Spenden

Anlass-Spenden sind im Fundraising-Alltag ein beliebtes, weil sehr unkompliziertes Fundraising-Instrument. Dabei bittet jemand, wir nennen sie die Anlass-Geberin, Menschen aus ihrem Umfeld, aufgrund eines privaten Anlasses, für eine von ihr ausgewählte Organisation zu spenden.

Drei Typen von Anlass-Spenden

a) Geburtstagsspenden

Meist werden diese aufgrund eines besonderen Geburtstages (z.B. 50, 65, 99, …) initiiert mit dem Hinweis, man habe schon alles Nützliche und Unnütze im Haushalt. Die Gäste erhalten mit der Einladung den Hinweis, dass man anstelle von Geschenken um eine Spende an die Organisation XY bittet. Diese soll dann entweder direkt an die Organisation überwiesen werden oder wird bei der Feier in einem Kästchen etc. gesammelt. „Anlass-Spenden“ weiterlesen

Keiner spendet für Miet- und Personalkosten

Spenden Sie für Personal- und Sachkosten? Nein, ich spende für Straßenkinder!
Spenden Sie für Personal- und Sachkosten?
Nein, ich spende für Straßenkinder!

Meine Standardfrage in Einführungsveranstaltungen zum Fundraising lautet: “Ich gebe Ihnen 500 / 5000 Euro. Machen Sie mir einen Vorschlag, was Ihre Organisation damit bewegen würde.”

Nach einer gewissen Aufwärmzeit erhalte ich dann eine ganze Reihe von Wortmeldungen. Meist sind die ersten, die sich melden, Vertreter/innen von stationären Einrichtungen, Wohnheimen etc. Gerade dort ist immer Bedarf nach kleineren und größeren Anschaffungen. Und die Teilnehmer können ihren Bedarf auch gut begründen.

Wenn ich dann die anderen Teilnehmer nach ihren Bedarfen frage, höre ich fast sicher folgendes: “Unsere Kosten bestehen zu 90 Prozent aus Personal- und Mietkosten. Das ist so unattraktiv, da spendet uns keiner etwas.” „Keiner spendet für Miet- und Personalkosten“ weiterlesen

Mailing-Thema: Wenn die Entscheidung einmal schwer fällt

Vorstand und Fundraiser müssen das Mailing-Thema gemeinsam finden.

Jetzt sind wir entweder noch auf dem letzten Drücker für ein Mailing zu Weihnachten, oder bereits in der Planung für das kommende Jahr. Wie auch immer, vor allen kreativen textlichen und bildlichen Entwürfen steht die Wahl des Themas. Und hier sehen die Wege ganz unterschiedlich aus:

  • Frühjahr, Weihnachten – wir haben ein festes Thema
  • Der Vorstand gibt das Thema vor – reihum darf jeder einmal etwas auswählen
  • Es gibt einen Proporz, so dass alle Themen der Einrichtung, der Kirchengemeinde, einmal drankommen
  • Wir stellen alle 15 Themen zur Auswahl, die Spender sollen entscheiden
  • Die Einrichtung ist eigentlich gut finanziert und macht Fundraising als “Hobby” entsprechend schwierig finden sich Themen (Gartengestaltung, …)

Alle Varianten habe ich schon in vielen Vereinen, Kirchengemeinden oder NGOs erlebt. Allen gemeinsam ist, dass sie keine Entscheidung aus Fundraising-Sicht sind.

Themen-Wahl aus Fundraiser-Sicht

Welches Ziel verfolgen wir im Fundraising mit einer Spendenbitte? Will ich zweckgebundene oder zweckfreie Spenden einwerben? Wenn ich die “Hausliste” (oder meine Gemeindemitglieder) anschreibe, dann ist es meist die Hoffnung, möglichst viele Spenden einzunehmen. Wenn ich eine “Fremdliste” oder per Hauswurfsendung, Beilage etc. werbe, habe ich auch das Ziel, möglichst viele Neuspender von meinem Anliegen zu begeistern. Oder, dritte Variante, ich möchte Spender mit einem bekannten Thema abholen und als Dauerförderer gewinnen bzw. zu einer höheren Spende als bisher motivieren.

Diese Ziele müssen in die Wahl und in die Ausgestaltung des Themas einfließen!

Ergänzende Fragen zur Themenwahl wären also beispielsweise:

  • Ist es ein leicht verständliches und emotional starkes Thema, welches ohne lange Erklärungen einleuchtend im Mittelbedarf ist?
  • Kann ich gute Fotos machen (lassen), bzw. verfüge über ein Bildarchiv dazu?
  • Lässt sich das Thema in in einen größeren Kontext einbetten (z.B. eine Wärmestube in den übergeordneten Kontext “Wohnungslosenhilfe”)?
  • Gibt es einen tatsächlichen Mittelbedarf, der nachvollziehbar ist?
  • Kann ich eine “Shopping-List” erstellen, also eine kleine Liste, was mit welchen Beträgen bewirkt werden kann?
  • Gibt es zu dem Thema bereits Erfahrungen im Fundraising?
  • Ist es ein Thema, welches eher eine Notlage lindert, oder eines, welches leicht als “Luxusthema” angesehen werden kann?
  • Verfüge ich über Fallgeschichten, bzw. komme ich an diese leicht heran?
  • Verfügt das Thema über das Potential, eventuell über mehrere Jahre hinweg “Stoff” für Mailings liefern zu können?
  • Sind Erfolgsgeschichten verfügbar, so dass wir zeigen können, wie wir das Problem lösen (werden)?
  • Gibt es einen aktuellen Anlass, der als Aufhänger dienen kann?
  • Finden Sie einen jahreszeitlichen Bezug zum Thema (Wohnungslosigkeit=Winterthema, Jugend=Frühjahr?)?
  • Biete ich – z.B. als Kirchengemeinde, sonst rate ich davon ab – gleich 2-3 Themen an, sowie “Wo am Nötigsten”? Damit erreiche ich sowohl die Kerngemeinde, als auch fernere Mitglieder.

Diese Fragen helfen auch dabei, zwischen zwei zur Auswahl stehenden Themen, welche auf den ersten Blick gleichartig wirken, zu entscheiden.

Es ist auch keineswegs notwendig, gerade bei größeren und vielfältigeren Einrichtungen, die Themen ständig zu wechseln, um nun ja die Spender nicht zu langweilen. Ganz im Gegenteil halte ich es mittlerweile für sinnvoll, ein starkes Thema auch über 2-4 Jahre (oder mehr) am Laufen zu halten. Denn: Ihre Spender erleben dadurch Kontinuität, können sich thematisch einstellen. Als Fundraiser oder auch als Agentur ist man von einem Thema schnell mal “gelangweilt”, weil man sich ja über einen längeren Zeitraum im Rahmen der Mailingerstellung damit beschäftigt. Das geht mir auch immer wieder so. Manchmal kann man es als Fundraiser einfach nicht mehr lesen. Aber: Spender hingegen erhalten einen Brief, lesen ihn und spenden oder legen ihn weg – das war’s! Wenn jetzt im nächsten Jahr wieder ein neues Thema kommt, kann es an nichts bekanntem andocken. Gönnen Sie Ihren Spendern die Chance, ein starkes Thema wirklich kennen und schätzen zu lernen. Dazu braucht es mehr als nur einen Brief.

Und: Hatten Sie schon einmal ein sehr erfolgreiches Mailing? Dann nutzen Sie es zum Beispiel nach zwei Jahren (ggf. aktualisiert) erneut! Damit wurden schon sehr gute Erfahrungen gemacht.

Viel Erfolg  bei der Planung und Entscheidung!

 

Von zweckgebundenen zu freien Spenden

bild-blog
Kinder geh’n immer – oder?

Menschen geben Menschen und am liebsten für so konkrete Zwecke wie  möglich. Diese mantrahaft vorgetragenen Fundraising-Weisheiten haben ihre Berechtigung. Wir lassen uns vom Einzelfall berühren. Das Schicksal eines einzelnen ertrunkenen Kindes rührt uns mehr an, als das abstrakte Wissen darum, dass alle 6 Sekunden ein Kind verhungert. Als Spender wollen wir häufig genau wissen, wofür unsere Spende eingesetzt wird, am liebsten noch den gekauften Gegenstand oder die leuchtenden Augen sehen. Meine Spende soll den Unterschied machen!

Und so kämpfen sich Fundraiserinnen und Fundraiser beharrlich durch Projektbeschreibungen, um ihre Spendenmailings so konkret wie möglich werden zu lassen. Besonderes Augenmerk wird auf die »Shoppinglist« gelegt, jene obligate Aufzählung, welcher Gegenstand, welche Dienstleistung mit welchem Betrag finanziert werden kann.

Parallel dazu ertönt aus den Organisationen laut und lauter der Ruf, man möge doch zweckungebundene Spenden einwerben. Dann sei man flexibler, man habe so viele Projekte und Maßnahmen, dass überhaupt nicht alle einzeln beworben werden können. Bis man einmal durch sei mit allen Projekten, würden Jahre vergehen. „Von zweckgebundenen zu freien Spenden“ weiterlesen

Was begeistert uns?

Geschichten können bei uns und unserem Gegenüber ein Feuerwerk an Empfindungen auslösen.
Geschichten können bei uns und unserem Gegenüber ein Feuerwerk an Empfindungen auslösen.

Wenn wir einige Jahre im Fundraising aktiv sind, ist vieles Routine: Briefe, Sitzungen, Telefonate, Spenderbesuche, die inhaltlichen Themen. Wir haben Gewohnheiten angenommen, uns mit Unvermeidlichem arrangiert, das Angenehme als selbstverständlich gelernt. Aus dem ursprünglich lodernden Feuer wurde eine wohlig wärmende Glut.

Wir müssen als Fundraiser immer wieder andere Menschen für die Aufgaben unserer NGOs begeistern. Das fällt uns leichter, wenn in uns selber das Feuer lodert. Jemand, der für seine Sache “brennt”, kommt ganz anders rüber, als jemand, der sehr abgeklärt und routiniert im Stile eines Jahresberichtes über die Themen und Aufgaben referiert.

Der Alltag führt naturgemäß dazu, dass wir nicht immer “brennen” können. „Was begeistert uns?“ weiterlesen

Kopf, Herz und Hand (2)

 

Mit Kopf, Herz, Hand und Nutzenorientierung - so strukturiere ich meine Ansprache.
Mit Kopf, Herz, Hand und Nutzenorientierung – so strukturiere ich meine Ansprache.

Wenn ich Menschen erreichen möchte, dann sollte dies so persönlich wie möglich geschehen. Im direkten Miteinander gelingt einem dies meist ganz gut. Da können wir die Reaktionen hautnah erfühlen und im Gespräch jederzeit nachjustieren und den Grad der Informationstiefe verändern, eine Geschichte mehr oder weniger erzählen und den idealen Zeitpunkt für die Bitte abpassen.

Doch in der unpersönlicheren Kommunikation, brieflich oder telefonisch, fällt uns dies schwerer. Hier müssen wir den Mix aus “Kopf, Herz und Hand” vorab fein austarieren. Im ersten Teil schrieb ich darüber.

Doch wie wende ich dieses Wissen nun an? Was hilft es mir, zu wissen, dass ich alle drei Dimensionen zu beachten habe? Hier einige Tipps: „Kopf, Herz und Hand (2)“ weiterlesen