Planen – erledigen – reflektieren

In der Theorie sieht es immer ganz einleuchtend aus. Im Fundraising – egal ob im Alltag oder bei Projekten – folgt man dem Dreiklang von Planen, Handeln und Reflektieren. Wir gehen beispielsweise im Herbst in die Jahresplanung für das Folgejahr, setzen dann die geplanten Maßnahmen sorgfältig im Laufe der folgenden Monate in die Realität um, und vor der nächsten Planungsrunde reflektieren wir die gemachten Ergebnisse und Erfahrungen als Grundlage für die erneute Planungsrunde.

Leider ist es in der Praxis häufig nicht so. Ich erlebe in Beratungen oder beim Blick von außen, dass Fundraising-KollegInnen sich entweder im Prozeß der Planung verlieren oder vor lauter operativer Hektik weder zum Planen, noch zum Reflektieren kommen. Und beide Szenarien sind verhängnisvoll für die Weiterentwicklung des Fundraisings in der Organisation. „Planen – erledigen – reflektieren“ weiterlesen

Die irre 100%-Forderung von Förder-Organisationen

100% für's Projekt. Und wer zahlt den Hausmeister?
100% für’s Projekt. Und wer zahlt den Hausmeister?

Auch in diesem Jahr erreichte mich auf verschiedenen Wegen wieder der Projektaufruf der SWR-Hilfsaktion “Herzenssache e.V.” Wie ich aus Erfahrung weiß, ist es für einen etablierten Träger ausgesprochen schwierig, hier mit einem Förderprojekt reinzukommen.  Ein Grund liegt im sehr restriktiven Punkt 11 der Förderrichtlinien.

 

11. Welche Kosten fördert Herzenssache e.V.?
Herzenssache e.V. fördert nur solche Kosten, die direkt, unmittelbar und zu 100% Kindern und Jugendlichen in einem zuvor schriftlich vereinbarten Projekt, Förderziel und Verwendungszweck zu Gute kommen. Verwaltungskosten sowie kalkulatorische Kosten oder anteilige Gemeinkosten werden nicht gefördert. Personalkosten können übernommen werden, wenn sie unmittelbar durch das Projekt ausgelöst werden und
ausschließlich, direkt und unmittelbar den Kinder und/oder Jugendlichen im vereinbarten Projekt zu. Gute Projekte, die Arbeit an einem Projekt, oder auch Teilkosten, die bereits vor Antragstellung begonnen haben bzw. angefallen sind, kann/können nicht gefördert werden. Ebenso darf im Falle einer Förderung erst dann mit dem Projekt bzw. der Arbeit darin begonnen werden, wenn zwischen Antragsteller und Herzenssache e.V. eine schriftliche Fördervereinbarung getroffen wurde.

Damit ist “Herzenssache” auf der gleichen Linie wie so viele Stiftungen und Förderer. Während ich bei privaten Förderern diesen Ansatz noch irgendwo nachvollziehen kann, dass das eigene Engagement so singulär sichtbar ist, finde ich es bei solchen Aktionen und Stiftungen sehr schwierig.

100% an Klienten ist quatsch!

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Regionales Fundraising – was ist das?

Was begrenzt den Begriff des "Regionalen Fundraisers"?
Was begrenzt den Begriff des “Regionalen Fundraisers”?

In den letzten Jahren fiel mir regelmäßig der Begriff “Regionale Fundraiser” auf. Für diese Gruppe wurden Bücher verfasst, Seminare angeboten und Artikel geschrieben. Was ich aber nie so richtig fand, war eine allgemein anerkannte, griffige und abgrenzbare Definition, was nun einen regionalen Fundraiser ausmacht. Und zu welchen anderen Fundraisern erfolgt die Abgrenzung?

Am einfachsten scheint es, den Begriff wörtlich zu nehmen. Dann gäbe es lokal, regional, national und international tätige Fundraiser (irgendwann sicher auch intergalaktische, unterirdische gibt’s auch schon). Der Begriff regionaler Fundraiser bezöge sich dann darauf, dass das Fundraising innerhalb einer geographischen Region stattfände.

Jedoch: Betrachte ich mir die Inhalte der Seminare und Veröffentlichungen, „Regionales Fundraising – was ist das?“ weiterlesen

Fundraising muss wieder Spaß machen – ein Zwischenruf

bild-blogAus meinem kleinen Fundraising-Manifest – ja, der Begriff ist wirklich etwas überhöht – wurde nun ein “Zwischenruf”. Es ist gar nicht so einfach, ein passendes Wort zu finden …

Das Ergebnis finden Sie hier abgedruckt und als pdf-Datei: Zwischenruf – Fundraising

Viele Anregungen konnte ich aufnehmen, so manche inhaltliche und stilistische Unebenheit glätten. Mein herzlicher Dank gilt allen, welche sich so aktiv mit Beiträgen in der Kommentarspalte oder per E-Mail und Telefon beteiligt haben.

Sehr deutlich wurde mir, wie stark teilweise die Sichtweisen, die Eigen- und Fremdeinschätzungen von angestellten Fundraisern und freiberuflichen Kollegen bzw. Agenturinhabern differieren. Hier sehe ich großen Gesprächsbedarf, um die – vielleicht schon vorhandene – Kluft zu schließen.

Dieser Zwischenruf ist keine abgestimmte Verbandsposition und hat seine Ecken und Kanten. Ich habe nicht den Anspruch, dass sich jeder damit völlig identifizieren kann. Aber wenn er hilft,

  • eine Diskusssion in Gang zu setzen,
  • Anregung für die Positionierung des Deutschen Fundraising Verbandes bietet,
  • Blaupause für ein Bewerbungsgespräch bei einem potentiellen Arbeitgeber zu sein,
  • das eigene Selbstverständnis als Fundraiser in einer Organisation oder als Dienstleister zu schärfen,

dann ist damit schon mehr erfüllt, als ich eigentlich erwarten darf.

Mit herzlichem Gruß allen Lesenden, Mitdenkenden und Diskutierenden,

Kai Dörfner

 

PS:Da dieser Zwischenruf sicher nicht gleich erledigt ist, habe ich ein neues Menü oben auf der Seite eingerichtet, wo er auch zu finden ist.

Ideen prüfen und entwickeln – die 6 Hüte von de Bono

6 Hüte, 6 Blickwinkel auf ein Thema

Für viele von uns steht so langsam die Jahresplanung 2013 an, insbesondere dann, wenn es budgetrelevante Projekte sind. Nun gilt es, all die schönen Ideen, welche uns im Laufe des Jahres zuflogen, auf den Prüfstand der Umsetzbarkeit zu stellen. Und es genügt nicht, selber von der Idee begeistert zu sein, auch das Team und die Vorgesetzten müssen mit ins Boot. Und das Projekt sollte zum bestehenden Fundraising-Mix passen. Ein bewährter und empfehlenswerter Weg, um eine begeisternde Idee umfassend abzuklopfen, ist die Methoder der “6 Hüte” von Edward de Bono.

Das 6-Hut-Denken

Bei dieser Methode werden systematisch unterschiedliche Perspektiven eingenommen. In heterogenen Teams sind diese Perspektiven oft schon teilweise vertreten. Da gibt es die schnell Entflammbaren, die Skeptiker, die rationalen Abwäger, die Bewahrer, …
Edward de Bono schlägt mit seiner Methode nun vor, in einer Diskussion eine Fragestellung systematisch unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Idee ist, nacheinander gemeinsam eine Sichtweise einzunehmen und das zu bearbeitende Problem / Projekt nur aus dieser einen Sichtweise zu beraten. Wenn eine Sichtweise keine neuen Erkenntnisse mehr bringt, wird die nächste Sichtweise eingenommen – so lange, bis alle sechs Sichtweisen dran waren. Bildlich kann man sich dies, daher auch der Name 6 Hüte, eben so vorstellen, dass man sechs unterschiedlich farbige Hüte hat, welche nacheinander aufgesetzt werden. Dabei steht jede Farbe für eine Sichtweise, für eine Denkrichtung.

Die 6 Hüte

1) Der weiße Hut – objektive Zahlen, Daten, Fakten
Was spricht rational für das Projekt, die Idee. Gibt es Zahlen, belegbare Fakten, überprüfte Argumente?
2) Der rote Hut – subjektives Empfinden, persönliche Meinung
Was begeistert mich am Projekt, was stößt mich ab? Was meint mein Bauch dazu? Habe ich Erfahrungen damit oder mit etwas Ähnlichem gemacht?
3) Der schwarze Hut – objektive negative Aspekte
Was läßt sich – ganz neutral betrachtet – gegen das Projekt vorbringen. Welche Stolpersteine, Fallen und Gefahren sind damit verbunden?
4) Der gelbe Hut – objektive positive Aspekte, Chancen
Entdecken Sie gemeinsam das Potential der neuen Idee. Welches sind die objektiven Chancen, die sich darin verbergen?
5) Der grüne Hut – der Weg zu neuen Ideen
Mit dem grünen Hut werden wir kreativ, Kritik ist hier nicht gestattet. Wo können wir Grenzen überschreiten, Neues entdecken und wagen?
6) Der blaue Hut – die Moderation, Regie
Wenn der blaue Hut aufgesetzt wird, klassischer Hut z.B. eines Moderators, wird die Metaebene eingenommen. Wo lassen sich die bisherigen “Hüte” integrieren? Welcher Hut soll nochmals aufgesetzt werden? Kann ein Ergebnis zusammenfassend gefunden werden?

Zwei Vorgehensweisen

Variante 1: Die Hüten wechseln reihum und jeder hat einen “Hut” (Kärtchen o.ä.) in der entsprechenden Farbe vor sich. Damit wird klar, dass man – unabhängig von der eigenen Präferenz – eine Rolle spielt.
Variante 2: Das ganze Team nimmt gemeinsam nacheinander die Rollen ein und argumentiert zusammen. Dies hat den Charme, dass man gemeinsam spricht und die Stärke der Rolle nicht so stark von der jeweiligen Persönlichkeit abhängt.
Wichtig ist, dass in einem Team alle gemeinsam die Hüte aufsetzen. Auch die Projektbefürworter müssen den schwarzen Hut aufsetzen, auch die größten Skeptiker müssen sich der Kreativität der gelben und grünen Hüte stellen.
Denn damit werden die Argumente pro / contra, das Abwägen und Bedenken nicht immer mit einzelnen Personen und ihrer Stellung in der Hierarchie verbunden und automatisch gewertet. Es entsteht eine gemeinsam geteilte Sichtweise, in welcher sich alle finden können.
Diese Methode ist auch geeignet für Einzelkämpfer, um zum Beispiel eine eigene oder fremde Idee (Vorstand?) möglichst umfassend betrachten und bewerten zu können. Dieser Ansatz hilft uns…
  • die Begeisterung für eigene Ideen auf stabile Füße zu stellen;
  • Modethemen auf die Anwendbarkeit im eigenen Verein zu überprüfen;
  • spontane Ideen Dritter nicht einfach “abzubügeln”, sondern nachvollziehbar auf den Prüfstand zu stellen;
  • eine erste Idee gründlich zu durchdenken und projektreif zu entwickeln.
Tipp: Machen Sie diese “Übung” mal in Form einer Mindmap auf großem Pinwand-Papier. Die 6 Hüte stellen die ersten Verzweigungen vom Zentralthema dar. Das eröffnet die Chance, Verbindungen zwischen den Zweigen / Hüten zu entdecken und kreativer zu werden.

Wes Brot ich ess … Stakeholder im Fundraising (Teil 1)

 

Unsere Stakeholder / Austauschpartner im Fundraising im Wechselspiel der Kräfte.

„Wes Brot‘ ich ess, des Lied ich sing!“ Diesen mittelalterlichen Spruch aus der Zeit der Minnesänger kennen Sie vielleicht. So, wie die Sänger ihre gastgebenden Burgherren musikalisch verherrlichten, erleben wir heutzutage paralleles in der beruflichen Abhängigkeit. Wenn wir beispielsweise Studien oder Umfragen lesen, sollten wir etwas kritisch hinterfragen, wer Auftraggeber der Studie war. Die Ergebnisse sind möglicherweise durch das Interesse des Auftraggebers gefärbt.

Als Fundraisende sind wir auch nicht unabhängig von Dritten, von Auftraggebern und Einflüsterern. Auch wir haben „Stakeholder“, Personen oder Gruppierungen, welche ein Interesse an unserer Arbeit und ihren Ergebnissen haben und direkt oder indirekt darauf Einfluss nehmen.

Als wichtigste Stakeholder des Prozesses „Spende“ identifiziere ich die folgenden acht:

  • Spender
  • Öffentlichkeit / Medien
  • Arbeitgeber (Vorstand, Vorgesetzte, Organisation)
  • Mitbewerber / Konkurrenten (als Organisation oder Personen)
  • Staat (Recht, Steuer, Kontrolle)
  • Agenturen / Dienstleister
  • Spendenempfänger (also die, mit denen wir werben – Mensch, Tier, Natur, Kultur, …)
  • Fundraiser (also ich, das Team)

Jeder dieser Stakeholder (oder auch Austauschpartner) hat im Arbeitsalltag des Fundraisers eine mehr oder weniger dominante Rolle. Im beruflichen Alltag lohnt es immer wieder, einmal zu reflektieren, welche Anforderungen von wem an mich gestellt werden, welche ich erwarte, welche mir bewusst sind und welche ich zwar kenne, aber ignoriere.

  1. Welcher Austauschpartner hat in meiner Wunschvorstellung den meisten Einfluß auf meine Arbeit?
  2. Welcher Austauschpartner hat de facto den größte Einfluß?
  3. Kollidieren (1) und (2) miteinander oder bilden sie Synergien? Was macht das mit mir, meiner Arbeitszufriedenheit?

Spannende Fragen, deren Antwort nicht immer leicht fällt.

Das Verhältnis, welches wir Fundraiser zu diesen Austauschpartnern haben, lässt sich übrigens auch nutzen, um „logisch“ Regeln für eine Fundraising-Ethik abzuleiten, aufzustellen.

Doch mehr dazu in einem weiteren Blog-Artikel.

Wenn Ihr Projekt Sie langweilt …

Ist eine Iris-Blüte langweilig, nur weil tausende um sie herum blühen?

Auf dem Blog Future Fundraising Now las ich vor wenigen Wochen den interessanten Beitrag “If your brand is boring you, you’re doing something right.” Darin wird ausgeführt, dass es keinen Sinn macht, ständig an seinem Markenauftritt herumzubasteln, nur weil er einem selber nicht mehr gefällt. Markenführung ist ein längerfristig angelegter Prozess.

Ich selber fühlte mich da auch an Begebenheiten erinnert, bei welchen diese Erkenntnis eine Rolle spielte. „Wenn Ihr Projekt Sie langweilt …“ weiterlesen

Was ist Ihre Spenderliste wert?

Vor über 20 Jahren schrieb F. Vester in einem kleinen Buch über den Wert eines Vogels. Und am Ende stand eine erstaunlich hohe Summe, welche sich aus unzähligen kleinen und größeren Positionen zusammensetzte. Angefangen beim Schädlingsverzehr, der Samenverbreitung bis hin zur Lebensfreude für uns Menschen fand er Positionen.

Und ganz ähnlich könnte man sich fragen, welchen Wert denn Ihre sogenannte “Hausliste” hat, also die Liste all Ihrer Förderer und Freunde?

Idee: Bilanzielle Bewertung

Wie komme ich darauf? Nun, eine größere Organisation wie z.B. mein Arbeitgeber, hat nicht nur eine normale Einnahme-Überschußrechnung eines Vereins, sondern eine vollständige Bilanz und GuV. In der Bilanz finden wir die Vermögenswerte. Diese sind zum Beispiel relevant für das Rating, also die Bewertung der Kreditwürdigkeit, durch die Hausbanken. Je höher die eigenen Vermögenswerte, beispielsweise Immobilien, desto günstiger werden Kredite. „Was ist Ihre Spenderliste wert?“ weiterlesen

Wieviel Druck üben Sie auf Spender aus?

Üben Sie Druck auf Spender aus? Natürlich nicht, oder? Oder irgendwie doch? Spannende Frage, denn was ist Druck überhaupt?

Diese Frage ist gerade sehr relevant, denn im April möchte der Deutsche Fundraising Verband eine “Charta der Spenderrechte” auf seiner Mitgliederversammlung beschließen. Und bei diesem sehr löblichen Vorhaben fällt auch das Stichwort Druck an einer der ersten Positionen.

Wörtlich heißt es im Antrag, der vom Vorstand auf Vorschlag „Wieviel Druck üben Sie auf Spender aus?“ weiterlesen

Die Entdeckung der Beziehungspyramide

Ein idealtypisches Modell: Die sogenannte Spenderpyramide

Wir kennen sie alle aus den Lehrbüchern: die gute alte Spenderpyramide. Die Bezeichnungen mögen sich hin und wieder ändern, aber im Grunde sagt dieses (idealtypische, also nicht 1:1 in der Realität existierende) Modell aus, dass sich ein Spender in seiner Beziehung zur Organisation von unten nach oben innerhalb der Pyramide bewegt.

Vom Organisationsfremden zum Erstspender, weiter zum Gelegenheitsspender, Dauerförderer, vielleicht gar Großspender oder Erblasser. Als Maßstab wird zumeist auf den Spendenbetrag geachtet, so der Pyramidenaufbau. Je weiter oben, desto höher die jährliche Spende, desto höher der zu leistende individuelle Aufwand in der Kontaktpflege.

Dieses Modell hat in der Praxis sicher seine Berechtigung und vermag viele Spender-Organisations-Kontakt abzubilden. Das Modell ist auch hilfreich, wenn es um die Konzeption von Fundraising-Instrumenten geht, welche adäquat zur jeweiligen Gruppe passen sollen. Aber es betrachtet den Spender doch sehr von der Objektseite und von der monetären Bedeutung. „Die Entdeckung der Beziehungspyramide“ weiterlesen