Das gelungene Seminar

Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.
Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.

Am Donnerstag darf ich wieder einmal einen Fach-Vortrag halten. Und ich vermute sehr, dass es irgendwelche Erhebungsbögen im Anschluss für die Teilnehmenden gibt, um die Vortragsqualität zu evaluieren. Da wird dann nach dem adäquaten Medieneinsatz gefragt, ob ich auf die Fragen der Teilnehmenden einging, als fachlich kompetent eingeschätzt werde etc.

Bei einigen Kongressen erlebte ich bewundernd Vorträge  von Kollegen, die die Anwesenden begeisterten, den Saal mit Energie füllten und die auch im Nachhinein Bestnoten in der Gesamtbewertung erhielten. Doch wenn ich nach solchen Vorträgen Kolleginnen und Kollegen frage, was sie nun praktisch aus dem gehörten – ja eher schon  erlebtem – mitnehmen würden, blieb es still. Und in mir oft auch. „Das gelungene Seminar“ weiterlesen

58 Prozent Nichtspender

Sackgasse Fundraising?
Sackgasse Fundraising?

Nach 45 Prozent im Vorjahr haben sich in 2015 nur 42 Prozent der Bundesbürger dazu entschieden, eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen. Die Durchschnittsspende stieg dagegen in den vergangenen 12 Monaten von 128 Euro auf 146 Euro.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Fundraising Verband auf Basis des im Dezember 2015 veröffentlichten TNS Infratest Spendenmonitors.

Und was machen wir Fundraiser? Wir überlegen Jahr für Jahr an immer den gleichen Fundraising-Methoden herum. Lebt das Mailing noch oder ist es tot? Welchen Segen bringt das Online-Fundraising (irgendwann einmal)? Wer erhält den größten Brocken im noch ungeschriebenen Förderer-Testament auf eleganteste Weise? Sind Spenden nach Markt- oder Gabe-Logik zu betrachten? Wie emotional dürfen oder müssen Bilder sein? Und der Deutsche Fundraising Verband claimt “Wir stärken die Kultur des Gebens”. Helfen uns als Hilfsmittel zum Spender- und Spendenverständnis Darstellungen in Pyramiden-, Kreisel-, Kreis- oder Dreiecksform? Und wenn ich mir die aktuellen Referentenskripte auf den Fachtagungen und Kongressen ansehe, so merke ich inhaltlich keine große Veränderung zu den Skripten vor 15 Jahren.  „58 Prozent Nichtspender“ weiterlesen

Müssen Sie Ihr Gehalt reinbringen?

Fundraising muss mehr, als nur auf "Null" aufgehen. Fundraising ist ein Hebel.
Fundraising muss mehr, als nur auf “Null” aufgehen. Fundraising ist ein Hebel.

Kürzlich erreichte mich bei einem Seminar in der Mittagspause nach längerer Zeit wieder die Frage: “Müssen Sie Ihr Gehalt eigentlich über Spenden reinbringen?” Wer jetzt schmunzelt, dem sei gesagt, dass ich diesen Satz schon häufiger gehört habe.

Von wem hörte ich diesen Satz am häufigsten? Es sind nach meiner Wahrnehmung in erster Linie neue Fundraiser/innen, welche ganz oder neben einer Haupttätigkeit in einer gemeinnützigen Einrichtung, das Fundraising neu aufbauen sollen und noch keine beruflichen Erfahrungen im Fundraising haben. Aber auch aus kirchlichen Kontexten habe ich diese Frage schon gehört, von Pfarrern oder Fundraising-Beauftragten verschiedener Ebenen.

Wie kommt es zu diesem Satz, “Müssen Sie Ihr Gehalt eigentlich über Spenden reinbringen?” Folgende Erklärungsmuster sehe ich: „Müssen Sie Ihr Gehalt reinbringen?“ weiterlesen

Die irre 100%-Forderung von Förder-Organisationen

100% für's Projekt. Und wer zahlt den Hausmeister?
100% für’s Projekt. Und wer zahlt den Hausmeister?

Auch in diesem Jahr erreichte mich auf verschiedenen Wegen wieder der Projektaufruf der SWR-Hilfsaktion “Herzenssache e.V.” Wie ich aus Erfahrung weiß, ist es für einen etablierten Träger ausgesprochen schwierig, hier mit einem Förderprojekt reinzukommen.  Ein Grund liegt im sehr restriktiven Punkt 11 der Förderrichtlinien.

 

11. Welche Kosten fördert Herzenssache e.V.?
Herzenssache e.V. fördert nur solche Kosten, die direkt, unmittelbar und zu 100% Kindern und Jugendlichen in einem zuvor schriftlich vereinbarten Projekt, Förderziel und Verwendungszweck zu Gute kommen. Verwaltungskosten sowie kalkulatorische Kosten oder anteilige Gemeinkosten werden nicht gefördert. Personalkosten können übernommen werden, wenn sie unmittelbar durch das Projekt ausgelöst werden und
ausschließlich, direkt und unmittelbar den Kinder und/oder Jugendlichen im vereinbarten Projekt zu. Gute Projekte, die Arbeit an einem Projekt, oder auch Teilkosten, die bereits vor Antragstellung begonnen haben bzw. angefallen sind, kann/können nicht gefördert werden. Ebenso darf im Falle einer Förderung erst dann mit dem Projekt bzw. der Arbeit darin begonnen werden, wenn zwischen Antragsteller und Herzenssache e.V. eine schriftliche Fördervereinbarung getroffen wurde.

Damit ist “Herzenssache” auf der gleichen Linie wie so viele Stiftungen und Förderer. Während ich bei privaten Förderern diesen Ansatz noch irgendwo nachvollziehen kann, dass das eigene Engagement so singulär sichtbar ist, finde ich es bei solchen Aktionen und Stiftungen sehr schwierig.

100% an Klienten ist quatsch!

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DZI – zwischen Orientierungshilfe und Überheblichkeit

Mit den Tipps in seinem Spendenmagazin 2014 schießt das DZI übers Ziel hinaus.
Mit den Tipps in seinem Spendenmagazin 2014 schießt das DZI übers Ziel hinaus.

Vor einigen Wochen rief mich ein Spender in der Arbeit an. Er war hörbar aufgebracht und ich ging innerlich etwas in Deckung, was nun kommen würde. Aber zu meiner Überraschung ging es überhaupt nicht um das kürzlich verschickte Mailing, sondern um eine Beilage in seiner Kirchengebietszeitung. Da würden, so sagte er mir, allen Hilfswerke, die kein Spenden-Siegel trügen, die Spendenwürdigkeit abgesprochen. Hmmm? Ich solle mir nur den Text auf Seite 24 ansehen, es wäre eine Sauerei.

Nun, der Herr ließ sich beruhigen und ich versprach ihm, mich der Sache anzunehmen. Ich suchte mir die entsprechende Ausgabe des Evangelischen Gemeindeblattes für Württemberg und fand darin auch eine Beilage. Meine zwischenzeitliche Vermutung bestätigte sich. Ich hatte das jährliche DZI – Spendenmagazin (2014) vor mir. Doch was steht nun auf der ominösen Seite 24. „DZI – zwischen Orientierungshilfe und Überheblichkeit“ weiterlesen

Tiefer Fall: Transparenzpreis von PwC abgestürzt

Ein Preis ohne moralischen Wert.
Ein Preis ohne moralischen Wert.

Von 2005 bis 2012 hat sich die Wirtschaftsprüfung- und Beratungsgesellschaft PwC mit dem “Transparenzpreis” in der Nonprofit-Szene Deutschlands getummelt. Damit traf das Unternehmen den Zeitgeist, denn im Nachklapp zu den Rekordspenden zugunsten der vom Tsunami betroffenen Länder, war die Frage, wieviel der eingegangenen Spenden werden zielgerichtet und effizient eingesetzt, in der öffentlichen Diskussion. Die UNICEF -Debatte, welche mit dem kurzzeitigen Verlust des DZI-Spendensiegels endete, tat ihr übriges. Transparenz war in aller Munde, zumindest bei den Medien.

Dabei war der Transparenz-Preis, der zuletzt im zweijährigen Rhythmus und 2012 vergeben wurde, nie unumstritten. Es begann damit, dass zu Beginn den angefragten Spendenorganisationen gedroht wurde, dass im Fall einer Verweigerung der Zusammenarbeit, diese Weigerung öffentlich gemacht würde. Damit wurde gleich zu Anfang viel Kredit verspielt.

Luxemburg-Leaks und die verlorene Reputation

Es war nie unumstritten, warum gerade ein international agierendes und in der Welt der Wirtschaft tätiges Unternehmen ausgerechnet in der Lage sein soll, Standards für Transparenz im Nonprofit-Sektor aufzustellen. Diese Zweifel wurden nun mehr als bestätigt. „Tiefer Fall: Transparenzpreis von PwC abgestürzt“ weiterlesen

Entbehrlich werden – so geht es

Nur eine Excel-Tabelle? Nein, das wichtigste Hilfsmittel im Jahreslauf, um die Übersicht nicht zu verlieren.
Nur eine Excel-Tabelle? Nein, das wichtigste Hilfsmittel im Jahreslauf, um die Übersicht nicht zu verlieren.

Kürzlich forderte ich auf, im Job entbehrlich zu werden. Nicht unbedingt im Sinne, dass künftig Industrieroboter die Arbeit von Fundraisern übernehmen können, sondern im Sinne, dass man guten Gewissens in Urlaub, auf eine neue Stelle und zu neuen Aufgaben gehen kann. Oder dass man sich – der Jahreszeit gemäß – bei einer Krankheit auch auskuriert. Doch wie fange ich das ganz praktisch an? Hier mal meine Tipps dazu: „Entbehrlich werden – so geht es“ weiterlesen

Entspannter sein

brunnenKönnen Perfektionisten zufrieden sein? Ich habe da so meine Zweifel. Zumindest dann, wenn ein Perfektionist mit anderen – nicht perfekten – Menschen zusammenarbeiten muss. Perfektionismus ist eine Welt für sich. Er braucht feste Regeln. Und er braucht vor allem Grenzen. Denn Grenzen schützen vor der unperfekten Welt, vor dem Chaos hinter der Mauer, in der anderen Abteilung, am Nachbarschreibtisch.

Perfektionismus ist auch prima, um nie fertig werden zu müssen. Wie viele unvollendete Flyer, Broschüren, Konzepte, etc. lagern in unseren Ablagen? Manchmal schützt Perfektionismus auch vor dem Anfangen, wenn das letzte Quäntchen Unsicherheit uns vom Projektstart abhält. Wir wissen ja nicht, was wäre, wenn … „Entspannter sein“ weiterlesen

Seid entbehrlich!

Das kannst Du nicht. - Dann zeig's mir!
Das kannst Du nicht. – Dann zeig’s mir!

Wir werden gerne gebraucht

Ach, wie schön und befriedigend kann es sein, wenn man gebraucht wird. Wir Menschen sind einfach soziale Wesen und ziehen in den meisten Fällen Bestätigung und Selbstbewusstsein auch aus dem Miteinander mit Anderen. Klar, so völlig ohne Dritte kann praktisch niemand existieren. Dazu zählt auch, wenn man im Berufsleben einer sinnstiftenden, ausfüllenden Tätigkeit nachgeht und weiß, dass man in seinem Job benötigt wird. Das eigene Wissen erweitert sich, steigt mit den gemeisterten Herausforderungen und der Erfahrung. Wir sind gerne kompetent, wir schätzen kompetente Kolleginnen und Kollegen.

Die Kehrseite – Abschottung und Herrschaftswissen

In Gesprächen mit Mitarbeitenden – nicht nur Fundraisern – aus sozialen Organisationen, stoße ich regelmäßig auf das Phänomen, dass sich Wissen bei einzelnen Personen “ballt”. Ein Standardsatz lautet: “Das kann Ihnen nur Herr/Frau X beantworten. Der/die ist aber bis zum Monatsende im Urlaub.” Oder es wird über Kollegen geklagt, welche sorgfältig darauf achten, dass niemand in ihren Arbeitsbereich eindringt, die keine Vertretung akzeptieren und lieber nach dem Urlaub vor einem Berg liegengebliebener Arbeit stöhnend den Alltag beginnen.

Wenn ich höre, dass jemand unentbehrlich ist, dass schwanke ich regelmäßig zwischen Ehrfurcht und Erschaudern. Oft ist wirklich die Leistung dieser Personen zu bewundern. Doch es kommt in meinem Kopf die Frage auf, ob zu den gelobten und geschätzten persönlichen Fähigkeiten, nicht auch die Kompetenz gehören muss, sich entbehrlich zu machen.

Herrschaftswissen, Unwille oder Unfähigkeit zur Delegation, das Gefühl der eigenen Unentbehrlichkeit, die Überzeugung nur man selber könnte eine Aufgabe richtig erledigen … all das sind im Alltag einer Organisation höchst problematische und im Fall der Fälle schädliche Erscheinungen.

Denn was geschieht nun, wenn solch eine unentbehrliche Person doch einmal ausfällt? Wer weiß, wie gebucht wird? Wer kennt die Passwörter für den facebook-Zugang? Wer hat die Kundendaten, welche nur im Kopf gemerkt wurden? Was bedeutet es im schlimmsten Fall, wenn jemand überraschend ausfällt?

Auch beziehungsorientierte Fundraiser müssen ersetzbar sein

Ich finde, dass zu einem verantwortungsvollen beziehungsorientierten Fundraising gehört, sich ersetzbar zu machen. Und das betrifft erst einmal jede Funktion im Fundraising-Prozess. Das beginnt mit den Tätigkeiten im Sekretariat, den Buchungsvorgängen, der Pflege des Web-Auftritts, der Mailing-Entwicklung und endet bei der persönlichen Beziehungspflege.

Auch im beziehungsorientierten Fundraising geht es nicht in erster Linie um die Beziehung der Einzelperson zu den Freunden und Förderern. So wichtig und manchmal intensiv diese persönliche Beziehungspflege im Einzelfall auch aussehen mag, im Zentrum muss die Beziehung zwischen Förderer und geförderter Organisation stehen.

Entbehrlich zu sein entspannt

Die meisten Ängste vor dem Gefühl, dass andere die eigenen Aufgaben übernehmen könnten, treten gerne bei Menschen auf, die sich als Person oder in ihrer Aufgabe noch unsicher fühlen. Das Gefühl, unentbehrlich zu sein, kann Sicherheit verleihen. Aber es geht auch anders.

  • Wer seine Aufgaben transparent macht und sich mit einer Vertretung abstimmt schafft den Raum für seine persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Vier Augen sehen mehr, zwei Personen haben mehr Ideen, wie eine Aufgabe vielleicht auch besser erledigt werden kann. Damit steigt die Qualität der Aufgabenerledigung auf ein neues Niveau.
  • Vertretung entspannt. Wer weiß, dass nach dem Urlaub die wichtigsten Aufgaben erledigt wurden, gönnt sich diese Auszeit mit gutem Gewissen und in ausreichender Länge. Gerade Führungskräfte neigen sonst dazu, ihren Jahresurlaub in homöopatischen Dosen zu nehmen, um ja keine längere Präsenzlücke aufkommen zu lassen.
  • Wer Aufgaben auch abgeben kann, sorgt für die notwendigen Freiräume, um sich neuen und vielleicht auch attraktiveren Aufgaben widmen zu können. Es ist die Chance, aus dem alten Trott zu entfliehen und im gleichen Job neue Ufer zu erreichen. Es muss nicht immer ein Jobwechsel sein!

Und seien wir mal ehrlich. So sehr wir uns ja selber wertschätzen … aber sind unsere Fähigkeiten wirklich so singulär auf weiter Flur? Können wir das, was wir selber in den letzten Monaten oder Jahren gelernt habe, nicht doch in den wichtigsten Zügen weitergeben? Wenn wir kündigen, klappt es doch auch – oder?

Oder um es kurz mit einem – angeblich alten irischen – Zitat zu sagen:

“Die Friedhöfe sind voller Menschen, ohne die die Welt nicht leben konnte.”
(Heinrich Böll, “Irisches Tagebuch”)

Ach ja, jegliche Ähnlichkeit mit Parallelen in der Kindererziehung sind rein zufällig … Wer seinen Kids nichts zutraut, wird sie genau in dieser Unselbständigkeit belassen.