Bildrechte – praktisch

Ihn darf ich, ohne zu fragen, fotografieren. Anders sieht's mit dem Inhaber der Hände aus.
Ihn darf ich, ohne zu fragen, fotografieren. Anders sieht’s mit dem Inhaber der Hände aus.

Im Alltag der Werbung um Freunde und Förderer kommen wir ohne Fotos praktisch nicht aus. In meinem Alltag verwenden wir nahezu ausschließlich Bilder aus den eigenen Einrichtungen und Diensten. Doch man kann nicht einfach blind drauflos fotografieren und die Bilder anschließend veröffentlichen. Gerade heutzutage, wo nahezu alle Handy und Smartphones mit leistungsfähigen Kameras ausgestattet sind, stellt sich die Frage der Bild-Rechte verstärkt.

Kürzlich sah ich zum Beispiel Aufnahmen, welche bei einer Feier in einer Einrichtung aufgenommen wurden und dann – iPhone-App sei Dank – gleich im passenden Format auf die private (!) facebook-Präsenz der fotografierenden Person  geladen und dort für ihren Freundeskreis veröffentlicht wurden. Die Personen darauf waren sehr gut erkennbar. Da habe ich mich natürlich gefragt, ob für diese Aufnahmen auch wirklich eine Einverständniserklärung aller abgebildeten Personen vorlag, welche sich auch auf soziale Medien / facebook bezog und auch die Veröffentlichung auf einem Privataccount einschloss.

Die Praxis der Einverständniserklärung

Hin und wieder gibt es pauschalisierte Einverständniserklärungen, zum Beispiel in Kindergärten. Da unterschreiben die Eltern, dass die bei Veranstaltungen gemachten Aufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden dürfen. Nach meiner Erfahrung sind diese pauschalisierten Einverständniserklärungen nicht ganz unproblematisch, da damit ein gewisser Freibrief gegeben wird und keinerlei Kontrolle besteht, welche Art von Bild wo veröffentlicht wird. Glücklicherweise ist dies im Alltag eher unproblematisch, da vor allem selten genutzt.

Bei meinem Arbeitgeber sind wir vor einigen Jahren dazu übergegangen, dass wir für jede einzelne Aufnahme eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen und diese mitsamt der Aufnahme archivieren. Diese Erklärung beinhaltet folgende Elemente:

  • Vorname, Name, Anschrift und Geburtsdatum des Fotografierten
    –> bei Kinder oder Betreuten: die Daten der Eltern bzw. des Betreuers
  • Den Einverständnis-Satz: “Ich erkläre mich hiermit einverstanden damit, dass im Auftrag der Evangelischen Gesellschaft (eva) Foto-Aufnahmen von mir
    –> bzw. meinem Kind oder meinem/meiner Angehörigen / Betreuten ___________________ (Name, Geb.-Datum)
    gemacht werden.
  • Einverständnis, wofür die Bilder verwendet werden dürfen (ankreuzen):
    – Internetauftritt
    – Faltblätter des Dienstes
    – Broschüren
    – Spendenwerbung
    – Mitarbeiterzeitung oder
    – alle genannten Medien.
  • Datum, Unterschrift

Wir übertragen beispielsweise keine personenbezogenen Fotos auf facebook, da uns hierfür kein Einverständnis vorliegt. Fotos werden nur via Beitrag von unserer Seite verlinkt , aber nicht auf facebook übertragen. Denn mit der Veröffentlichung auf facebook akzeptiere ich die Regeln von facebook bzgl. der Verwendung von Bildern. Dies ist durch unsere Einverständniserklärungen nicht abgedeckt.

Dazu sollte ich mir bei jeder Aufnahme notieren, für welchen Zweck ich sie verwendet habe. Dies erleichtert die Arbeit ungemein, wenn eine Einverständniserklärung zurückgezogen wird und ich beim Nachdruck von Broschüren aufs Auswechseln von Aufnahmen achten muss oder Bilder aus dem Internetauftritt zu entfernen habe.

Es ist – zugegebenermaßen – ein gewisser bürokratischer Aufwand. Aber die Rechte Dritter am eigenen Bild müssen uns mindestens so viel Wert sein, wie die eigenen Rechte am Bild. Denn wie oft werden andere fotografiert und online dargestellt, doch bei eigenen Aufnahmen herrscht größte Zurückhaltung…

Auf diesem Blog verwende ich – da spare ich mir viel Aufwand – ausschließlich eigene Aufnahmen.

 

PS: Auf der Seite der Rechtsanwaltskanzlei Schwenke findet sich eine sehr schöne Präsentation mit Basics zum Recht am Bild. Und auf rechtambild.de ist hervorragend dargestellt, wie es bei den – nicht immer so einfachen – Gruppenfotos mit Rechten steht.

PPS: Auch bei der Übernahme von Bildern Dritter sollte ich mich grundsätzlich schriftlich absichern und mir das Einverständnis holen. Ein einfaches Kopieren der Bilder mit dem Vermerk “(c) xyz” als Quellenhinweis ist rechtlich nicht ausreichend. Der Bildhinweis ersetzt die Freigabe nicht. Gerade kommerzielle Bildinhaber haben sehr genaue Vorstellungen, wie Quelle und/oder Fotograf genannt werden müssen.

7 Gedanken zu „Bildrechte – praktisch“

  1. Interessanter Beitrag, lieber Kai.Man sollte ihn unbedingt ergänzen um “Umgang von Fundraiserinnen und Fundraisern mit der kreativen Leistung von Dienstleistern”. Urheber- und Nutzungsrechte scheinen vielen doch sehr unbekannt zu sein bzw. werden gern und nonchalant missachtet. Ich weiß nicht, ob dieses Thema bei der Ausbildung an der Fundraising-Akademie eine Rolle spielt. Wäre aber empfehlenswert. Zumal die Auffassungen darüber inzwischen sehr weit auseinander gehen.

  2. Hi Kai!
    Danke für den Aufschlag. Zustimmung von meiner Seite.
    Eine Kleinigkeit, zu der ich eine andere Auffassung habe: Deine oben genannten Hände darfst du aus der mir bislang bekannten Praxis auch ohne Einverständnis des “Handinhabers” nutzen, da dieser nicht eindeutig erkennbar ist. Anders wäre es, wenn die Hand durch Tattoo oder Behinderung eindeutig zuordnungsfähig wäre. In dem Fall ist es aber eine völlige 08/15 Hand und bedarf, wie gesagt aus meiner persönlichen Sicht keinerlei Zustimmung.

    Viele Grüße,

    Maik

    1. Hi Maik,
      da habe ich mich nicht klar ausgedrückt. Ich schrieb “…anders sieht’s mit dem Inhaber der Hände aus.” Damit meinte ich, dass ich das Kind (als Person) nicht ohne Einwilligung der Eltern fotografieren darf – die Hände sind unproblematisch, daher ja auch im Bild. War übrigens Kind 2.0 auf Juist …
      Danke Dir!
      Kai

  3. Vielleicht noch eine Ergänzung, gerade im diakonischen, caritativen Umfeld nicht unwesentlich:

    hat die abgebildete Person eine(n) gesetzliche(n) Betreuer(in), muss auch diese(r) der Veröffentlichung zustimmen.

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