Authentisches Wissen

Wählen Sie Wissen aus erster Hand!

Der Deutsche Fundraising Kongress steht vor der Tür. Und damit stehen einige hundert Teilnehmende vor der Qual der Wahl, welchen Workshop, welches Seminar oder welche Table-Session besucht werden soll.

Wer sich während des Kongresses – beim hoffentlich wieder präsenten – Buchshop der Familie Fischer umsieht, steht vor ähnlichem Problem. Welches Buch lohnt die Anschaffung, wo steckt verwertbares Wissen drin?

Und welcher der einen umgarnenden Agenturen soll man sein Vertrauen schenken?

Welcher Autor, welche Referentin hat wirklich etwas zu sagen, wer reproduziert nur vorher gehörtes oder gelesenes?

Mein Tipp: Bauen Sie auf echtes Wissen. Vermeiden Sie geistige Trittbrettfahrer.

Als Kind spielten wir noch “Stille Post”. Einer flüstert dem anderen etwas ins Ohr, der musste es weitersagen, … Über mehrere Stationen verfälschte sich die Ursprungsnachricht immer mehr, am Schluß blieb oft ein witziger Satz übrig.

Weniger witzig ist solch eine Situation im Fundraising-Alltag. Ich habe mich schön öfters geärgert, wenn

  • Fundraiser, direkt aus der Ausbildung und ohne jegliche Praxis, sogleich auf ihrer Website und im Seminar vollmundig “Stiftungsmarketing”, “Erbschaftsmarketing” etc. anpreisen – oder was sonst aktuell gefragt ist;  und ich eine Woche vor Seminarbeginn dann um meine (!) Folien zum Thema gebeten werde (passierte zwei Mal).
  • fachfremde Referenten über Methoden im Fundraising referieren, aber keinen beruflichen Bezug dazu haben.
  • Experteninterviews als Studie erscheinen, letztendlich aber nur einen verschriftlichen Zitier-Zirkel darstellen.
  • Agenturmitarbeiter mit der langen Erfahrung werben, selber erst seit zwei Monaten dort tätig sind – und zuvor im Profit-Bereich.
  • Dozenten scheinbar über jedes Thema sprechen könne, hauptsache, der Kunde bezahlt es.
  • eine Dissertation (Doktorarbeit) über ein Fundraising-Thema geschrieben wird von jemandem, der offensichtlich vorher nie etwas mit Fundraising zu tun hatten – ja, so sieht vertiefte Forschung aus!

Mein Fazit nach nun etwas mehr als 10 Jahren in der Fundraising-Szene:

Es ist weniger relevant, worüber jemand spricht, sondern vielmehr, wer darüber spricht.

Meine Tipps für Sie:

  • Sehen Sie sich in Programmheften die Vita der Referenten an oder suchen Sie im Internet nach ihnen. Haben Sie den Eindruck, die Person hat authentische, eigene Erfahrung und Kenntnis, die sie vermitteln kann?
  • Hat der Agenturmitarbeiter zur vorgestellten Kampagne auch noch ein in Zahlen messbares Ergebnis vorzuweisen? Ist sie nur schön und innovativ – oder trägt sie auch messbar zum Fundraising-Ergebnis bei?
  • Bleiben Referenten auf Nachfragen hin ebenso wissend, oder versagt die Eloquenz schlagartig?
  • Hat der Autor Ihres Ratgebers auch schon einmal direkt mit Spendern über einen längeren Zeitraum Kontakt gehabt.
  • Verfügt Ihr Experte über eigene Expertise, Forschung oder ist er “Jäger und Sammler” und verkauft Fremdes unter eigenem Namen?
  • Fragen Sie nach, unter welchen Bedingungen eine Kampagne funktionierte. Fragen Sie nach, welche Fragen hinter den vorgestellten Ergebnissen der Umfrage stehen. Ohne dieses Wissen sind die Ergebnisse wertlos.
  • Nur weil jemand häufig über ein Thema referiert, wird er nicht automatisch zum Experten. Überlegen Sie, welche Indikatoren seine Expertise prüfen könnten. Oft werden einfach nur immer die gleichen Referenten eingeladen, weil sie beispielsweise bekannt sind.

Seien Sie kritisch. Reflektieren Sie Ihre eigenen Erfahrungen. Dies macht sie unabhängiger von der Meinung Dritter und gibt Ihnen ein Schema zur Einordnung an die Hand.

Unterscheiden Sie, wer wirklich etwas zu sagen hat und wer nur am Ende einer einer langen Reihe “Stiller-Post-Spieler” steht.