Agentursprache: Materialkonzept

Brief / Zahlschein-Kombination der eva

Vor einigen Jahren stieß ich auf ein für mich neues Wort: Materialkonzept. Mittlerweile höre ich es öfters, wenn Mitarbeitende von Fundraising- oder Werbeagenturen mir ihre Dienste für Mailings anbieten.

Was verbirgt sich nun hinter diesem Begriff und welche Vor- und Nachteile hat ein Materialkonzept für uns Fundraisende?

Fangen wir mal damit an, was ein Materialkonzept ist.

Materialkonzept

Darunter versteht man eine bestimmte äußere Form, in welcher typische Elemente eines Spendenmailings angeordnet sind, aber auch weitere Bestandteile wie die Form und Art von Beilagen, Prospekten, Geschenken. Ein Materialkonzept wäre zum Beispiel im obigen Bild, dass es einen Brief mit einem zweiten – etwas kleineren Blatt – gibt, auf welchem ein Zahlschein, ein Verstärker und ein Lastschrift-Dauerspender-Formular abgedruckt ist. Dazu könnten vielleicht Adressaufkleber o.ä. gehören.

Manchmal gibt es auch ganz besondere Materialkonzepte von Agenturen, beispielsweise eine raffiniert gefaltete “Spenderzeitung” im offenen Format A3 (gefaltet DIN lang), welche an 2-3 Stellen den Empfängernamen eingedruckt hat.

Vorteile eines Materialkonzeptes

Praktisch ist es schon, wenn man sich nicht mehr viele Gedanken zur Gestaltung seines Mailings machen muss. Die Zahl der Varianten scheint ja auch überschaubar zu sein und irgendwie sehen sich eh alle Spendenbriefe ähnlich – oder?

  • Sie sparen sich Kosten für die Entwicklung einer eigenen Linie beim Spendenbrief.
  • Die Stanzvorlagen und die groben Bestandteile des Mailings stehen fest, so dass Sie sich auf den Inhalt konzentrieren könne.
  • Das Konzept ist in der Regel bewährt und Sie kaufen nicht die “Katze im Sack”.
  • Spender kennen diese Art von Mailing und finden sich darin zurecht.

Nachteile vorgefertigte Bestandteile

Früher gab es auf der Rückseite des Magazins des Deutschen Fundraising Verbandes (der damals noch BSM – Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing hieß) oft eine ganzseitige Anzeige der Mailing-Fabrik SAZ. Die SAZ hatte dabei die Briefhüllen ihrer Mailings für eine große Anzahl von Kunden abgedruckt. Für mich interessant: Alle Hüllen waren im Prinzip nach dem gleichen Schema großflächig auf der Vorderseite bedruckt und es war spontan fast nicht erkennbar, von wem der Brief nun stammte. Und damit beginnen die Nachteile eines Materialkonzeptes:

  • Es ist schwieriger, mit einem übernommenen Materialkonzept, die eigene Unverwechselbarkeit zu pflegen.
  • Spender finden eine witzige Idee beim ersten Mal noch ganz nett. Wenn dann aber von mehreren spendensammelnden Organisationen die gleiche Idee verwendet wird, fragen sich Spender schon etwas irritiert, was das denn nun soll. Und unsere Spender erhalten in der Regel eben von vielen Seiten Post.
  • Wie passt denn das Agenturkonzept zu Ihrer sonstigen Kommunikation? Können und wollen Sie es sich leisten, dass ein Mailing völlig aus Ihrer Kommunikationslinie ausbricht? Welche Konsequenz hat der Stilbruch im Blick der Spender?
  • Ein bewährtes Konzept kann auch schnell zum abgegriffenen Konzept werden. Oder wer freut sich heute noch über Adressaufkleber … ?

Mein Fazit

Ich empfehle, beim Stichwort “Materialkonzept” sehr genau aufzupassen und hinzuhören. Geht es dem Agentur-Vertreter in erster Linie darum, die Ideen der Agentur unterzubringen? Oder vermag er es, empathisch Ihre Sichtweise einzunehmen und ein für Ihre Organisation passendes Konzept zu entwickeln? Im Idealfall arbeiten Sie über mehrere Jahre mit einer Agentur zusammen, so dass es sich lohnt, ein für Sie passendes Materialkonzept zu entwerfen, ein Konzept, welches an Ihr Corporte Design andockbar ist.

Nehmen Sie zur Prüfung eines Angebots eines Materialkonzeptes die kritische Sicht der Spender ein. Lassen Sie sich verschiedene Muster zeigen, wo das Konzept zum Einsatz kam und stellen Sie sich vor, Sie als Spender hätten diese Mailings erhalten. Wie wäre Ihre Reaktion beim ersten Brief gewesen, wie beim zweiten, wie beim dritten? Wenn’s dann immer noch passt, dann können Sie den Einsatz in Erwägung ziehen.

Das beste Materialkonzept ist …. Ihr Materialkonzept!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.