Prominente Fürsprecher – Segen oder Fluch?

Prominente als Leuchtturm für die Arbeit der Organisation. Nicht immer geht die Rechnung auf.
Prominente als Leuchtturm für die Arbeit der Organisation. Nicht immer geht die Rechnung auf.

“Und dann suchen wir noch einen Promi als Schirmherrn.” Wer kennt diesen Satz nicht, der bei vielen Kampagnenplanungen fällt. Dahinter steckt die unausgesprochene Hoffnung, dass prominente Fürsprecherinnen und Fürsprecher die Werbung für das Projekt, das Mailing oder die Patenschaft so richtig befeuern. In der Tat gibt es einige Beispiele, wo eine Organisation offensichtlich und zum Teil längerfristig durch eine bekannte Persönlichkeit profitiert. Denken wir nur an “Menschen für Menschen” (Karlheinz Böhm), “Pan y Arte” (Dietmar Schönherr) oder das Kinderhilfswerk Plan International (Ulrich Wickert).

Auf der anderen Seite blicken uns von Flyern und Broschüren Professoren, Landräte, Politiker a.D. etc. an, deren Namen nur Eingeweihten etwas sagen, geschweige denn, dass man mit ihnen etwas Positives verbinden würde. Ihre Hauptqualifikation scheint zu sein, dass sie den Verantwortlichen spontan in den Sinn kamen, sie greifbar schienen und schlussendlich “Ja” sagten.

Grundsätzlich gibt es zwei gute Gründe, warum es sich lohnen kann, über einen Prominenten als Fürsprecher (oder wie man häufig liest: Testimonial) nachzudenken: „Prominente Fürsprecher – Segen oder Fluch?“ weiterlesen

Anlass-Spenden

Anlass-Spenden sind im Fundraising-Alltag ein beliebtes, weil sehr unkompliziertes Fundraising-Instrument. Dabei bittet jemand, wir nennen sie die Anlass-Geberin, Menschen aus ihrem Umfeld, aufgrund eines privaten Anlasses, für eine von ihr ausgewählte Organisation zu spenden.

Drei Typen von Anlass-Spenden

a) Geburtstagsspenden

Meist werden diese aufgrund eines besonderen Geburtstages (z.B. 50, 65, 99, …) initiiert mit dem Hinweis, man habe schon alles Nützliche und Unnütze im Haushalt. Die Gäste erhalten mit der Einladung den Hinweis, dass man anstelle von Geschenken um eine Spende an die Organisation XY bittet. Diese soll dann entweder direkt an die Organisation überwiesen werden oder wird bei der Feier in einem Kästchen etc. gesammelt. „Anlass-Spenden“ weiterlesen

Das gelungene Seminar

Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.
Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.

Am Donnerstag darf ich wieder einmal einen Fach-Vortrag halten. Und ich vermute sehr, dass es irgendwelche Erhebungsbögen im Anschluss für die Teilnehmenden gibt, um die Vortragsqualität zu evaluieren. Da wird dann nach dem adäquaten Medieneinsatz gefragt, ob ich auf die Fragen der Teilnehmenden einging, als fachlich kompetent eingeschätzt werde etc.

Bei einigen Kongressen erlebte ich bewundernd Vorträge  von Kollegen, die die Anwesenden begeisterten, den Saal mit Energie füllten und die auch im Nachhinein Bestnoten in der Gesamtbewertung erhielten. Doch wenn ich nach solchen Vorträgen Kolleginnen und Kollegen frage, was sie nun praktisch aus dem gehörten – ja eher schon  erlebtem – mitnehmen würden, blieb es still. Und in mir oft auch. „Das gelungene Seminar“ weiterlesen

Plakative Ethik, die niemandem hilft

So, sie tun’s mal wieder: öffentlichkeitswirksam auf Geld verzichten. Dieses Mal auf Mittel der EU und der Bundesrepublik Deutschland. Wie “Ärzte ohne Grenzen” heute mitteilen, werden sie aus Protest gegen die Abschottungspolitik der EU gegenüber Flüchtlingen, ab sofort auf die Beantragung und Annahme von Mitteln der EU und ihrer Mitgliedsländer (+ Norwegen) verzichten.

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/aerzte-ohne-grenzen-stopp-eu-gelder

Zitat:

Die Organisation verzichtet damit auf Finanzierungen in Höhe von derzeit rund 50 Millionen Euro jährlich und setzt verstärkt auf Privatspender.

Ach wie schön ist es doch, wenn man es sich moralisch so leicht machen kann. Gut, dass es Privatspender gibt. Und die 50 Millionen können dann ja anderen Haushaltspositionen zugute kommen, E-Auto-Prämien oder Flughafenbauten. „Plakative Ethik, die niemandem hilft“ weiterlesen

Rezension: Profi-Handbuch Fundraising

20160515_130425-1-768x902Seit gut 10 Jahren gibt es das Profi-Handbuch Fundraising mittlerweile. Die nunmehr 3., aktualisierte Auflage zeigt das Interesse der Hauptautorin Barbara Crole und des Verlags, das Buch aktuell zu halten.

Der Titel „Profi-Handbuch Fundraising“ ist nicht ganz glücklich gewählt. Zum einen wendet sich dieses Buch in keiner Weise nur an Profis, sondern ist eine sehr praxisnahe und für Einsteiger hervorragend geeignete Einführung. Zum anderen aber suggeriert der Titel, dass es eine Abbildung des Fundraisings darstellt und das ist mir dann zu hoch gegriffen. Im Kern behandelt das Buch alles rund um das gute alte Spendenmailing, die briefliche Bitte um Unterstützung. Bei aller Bedeutung, welche das Mailing im Fundraising hat, gibt es in der Praxis noch sehr viele andere Fundraising-Instrumente, welche hier aber keine Berücksichtigung finden. Das ist nicht schlimm, aber dürfte im Titel zum Ausdruck kommen.

Wie geschrieben, im Kern geht es um das Spendenmailing. „Rezension: Profi-Handbuch Fundraising“ weiterlesen

Wie lauter sind Spendenshops?

T-Shirts und Unterwäsche bestellen, aber Schlappen und Hemd geliefert bekommen? Kein Problem, wenn es ein Spendenshop ist.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

-> Sie bestellen bei einem Online-Shop 2 Pullover, 1 Hose und 4 Paar Socken.

-> Geliefert werden dann aber 7 T-Shirts.

-> Verwundert blicken Sie auf die Rechnung und dort steht etwas von FAQ.

-> Sie lesen die FAQ auf der Website des Unternehmens. Dort steht dann:

2. Wenn ich z.B. ein T-Shirt in den Warenkorb lege, wird dann davon wirklich ein T-Shirt geliefert?

Nein. Die Produkte werden nicht 1:1 geliefert, sie stehen vielmehr symbolisch für die Produkte, die unsere Kunden benötigen. In unserem Shop finden Sie beispielhafte Produkte, die unsere Kunden täglich tragen. Ihr Einkauf wird dabei immer so ausgeführt, wie unsere Lagerbestände gerade sind.

Ich glaube, niemand von uns würde jemals wieder bei so einem Laden einkaufen.

Aber warum wird dann in einem bedeutenden Teil der Fundraising-Szene genau so ein Verhalten toleriert und als vertretbar gut geheißen? Ich hatte bereits einmal meine deutliche Irritation über das grenzwertige Angebot in Spendenshops geschrieben gehabt. Häufig sind diese Shops nichts anderes als die gute alte “Shopping-List”, also eine beispielhafte Darstellung, was aus einer gespendeten Summe x finanziert werden kann.

Nun stoße ich auf Tipp meines Kollegen Clemens Matern erneut auf einen solchen Shop und ich ärgere mich ganz enorm. Denn hier ist das System einfach perfektioniert. Der Spendenshop der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung sieht hervorragend aus und ist optisch und funktional wunderbar programmiert. „Wie lauter sind Spendenshops?“ weiterlesen

Raus aus den Spenderklischees und Fundraising-Strukturfallen

Spender-Schubladen
In welche Schubladen stecken Sie Ihre Förderer? Und was bedeutet das im Alltag?

Jan Uekermann hat eine Erfahrung gemacht, die ihm nicht gefiel. Auf eine bedeutende Spende in Höhe von 500,- Euro, online getätigt, gab es eine blitzschnelle automatische Bestätigungs-E-Mail. Doch dabei blieb es dann auch. Keine persönliche E-Mail danach, kein Anruf, kein Dankbrief. Nun sind 500,- Euro sicher nicht nur für Jan eine höhere Spende. Als Einzelspende bewegt sich das schon in den oberen 5-10% der Spendenbeträge. Die Begründung der Organisation auf Nachfrage war dann, dass Offline-Spenden offline und Online-Spenden online bedankt werden. Punkt. Im Blog von RaiseNow beschreibt er seine Erfahrung. Seine Erwartung fasst er wie folgt zusammen:  “Aber hey, ich denke dass ich auf so eine Spende doch wohl erwarten darf, dass mir dafür nochmal persönlich gedankt wird, gerne ja via E-Mail, dürfte aber auch ein Brief sein – so, wie ich viele Spendenbriefe dieser Organisation erhalte.”

Eine andere Erfahrung schildert die Bloggerin fraurebis. Ein Arzt, unbestrittene Koryphäe seines Faches, wird von eben jener Krankheit betroffen, welche er sonst heilt. Nicht nur, dass ihn – den Fachmann – niemand behandeln will und er viel in der Auseinandersetzung mit einem fachfremden Kollegen über sich und seine Erkrankung erfährt. Er erfährt auch, wie es sich als Patient lebt und wie dies seine Haltung, als er wieder als Arzt tätig wird, zu den Patienten verändert. Jetzt ist ihm klar, was die Patienten von ihm als Arzt erwarten, wie viel Überflüssiges kommuniziert wurde und wie sich das hilflose Liegen anfühlt.

Szenenwechsel – Fundraising-Bühne: Was wissen wir von den Spenderinnen und Spendern, welche wir zu hunderten, zu tausenden, zu hunderttausenden anschreiben? Wissen wir mehr als Seniorinnen-Klischees, als Stichworte zu Sinus-Milieu-Kartoffeln? Wer von uns hat regelmäßig Kontakt zu Spenderinnen und Spendern? „Raus aus den Spenderklischees und Fundraising-Strukturfallen“ weiterlesen

58 Prozent Nichtspender

Sackgasse Fundraising?
Sackgasse Fundraising?

Nach 45 Prozent im Vorjahr haben sich in 2015 nur 42 Prozent der Bundesbürger dazu entschieden, eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen. Die Durchschnittsspende stieg dagegen in den vergangenen 12 Monaten von 128 Euro auf 146 Euro.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Fundraising Verband auf Basis des im Dezember 2015 veröffentlichten TNS Infratest Spendenmonitors.

Und was machen wir Fundraiser? Wir überlegen Jahr für Jahr an immer den gleichen Fundraising-Methoden herum. Lebt das Mailing noch oder ist es tot? Welchen Segen bringt das Online-Fundraising (irgendwann einmal)? Wer erhält den größten Brocken im noch ungeschriebenen Förderer-Testament auf eleganteste Weise? Sind Spenden nach Markt- oder Gabe-Logik zu betrachten? Wie emotional dürfen oder müssen Bilder sein? Und der Deutsche Fundraising Verband claimt “Wir stärken die Kultur des Gebens”. Helfen uns als Hilfsmittel zum Spender- und Spendenverständnis Darstellungen in Pyramiden-, Kreisel-, Kreis- oder Dreiecksform? Und wenn ich mir die aktuellen Referentenskripte auf den Fachtagungen und Kongressen ansehe, so merke ich inhaltlich keine große Veränderung zu den Skripten vor 15 Jahren.  „58 Prozent Nichtspender“ weiterlesen

Rezension: Das Crowdfunding-Handbuch

cfbuch_cover1Leicht verdientes Geld, könnte man meinen, liest man manche euphorische Erfolgsgeschichte aus der Welt des Crowdfundings: Ein geckiges Produkt, eine Plattform, dazu ein kurzes Smartphone-Werbevideo und zwei Monate später findet sich ein fünfstelliger Betrag auf dem Girokonto. Das Ganze garniert mit einigen Follower-Chats und zwei bis drei coolen Newslettern. Wenig Arbeit, viel Geld – der Stoff, aus dem so mancher Traum gestrickt ist.

Doch die Realität im Crowdfunding sieht anders aus: akkurate Planung, viel Zeit im Vorfeld der Kampagne, hohes Engagement bis hin zum Vollzeit-Job während der Kampagne, Durchhänger überwinden, Trouble-Shooting, Steuerfragen lösen, hunderte Gegenleistungs-Päckchen packen und versenden etc. „Rezension: Das Crowdfunding-Handbuch“ weiterlesen

Rezension: Fundraising Management

FR-Management_seger_labaronneFundraising auf 76 Seiten, darin noch zahlreiche Abbildungen und in Farbe … geht das? Ja, das geht, wenn man eine klare Einschränkung in seinem Anspruch vornimmt. Umfangreiche – und oft ungelesene – Fundraising-Handbücher gibt es ja einige am Markt. Mit dem Band 5 der SML Essentials legen Leticia Labaronne und Bruno Seger, langjährige Lehrende des schweizer Diplom-Lehrgangs Fundraising Management (ZHAW School of Management) eine hochkonzentrierte Veröffentlichung vor.

Der Anspruch des Bandes ist, Interessierten einen ersten und möglichst umfassenden Überblick über Strategie, Hintergrund und Methoden des Fundraisings zu geben. Die (wenigen) Praxisbeispiele entstammen dem Schweizer Alltag, sind aber problemlos auf D/A übertragbar.

Der umfassende Überblick gelingt auf den 76 Seiten auch aufgrund zweier Merkmale: Schriftgröße und einen stark lexikalischen Charakter der Beiträge. Die Schriftgröße ist sehr gewöhnungsbedürftig klein geraten, was zwar zu einer gute Übersicht und geringem Seitenumfang führt, aber meiner Lust am Lesen merklich abträglich ist. „Rezension: Fundraising Management“ weiterlesen