Apr 102014
 
"Können wir es schaffen?" - diese Frage bringt das Gehirn zum Denken.

“Können wir es schaffen?” – diese Frage bringt das Gehirn zum Denken.

Der klassische Weg, um innerhalb des Vereins für seine Projektidee zu werben, ist eine Präsentation im Vorstand oder Leitungsgremium. Doch das kann schnell schief gehen, denn Gremien neigen zur Polarisierung. Wenn die Idee hingegen in Frageform präsentiert wird, kann sie zur Gruppenidee werden.

Nur wenige Fundraiserinnen und Fundraiser können immer frei entscheiden, welche ihrer vielen Ideen sie umsetzen dürfen. Finanzielle Mittel und das Wohlwollen von Vorständen und Leitungsgremien müssen oft in langen Diskussionen erworben werden. Ein Merkmal von Gruppen ist, dass sich die Meinung zu einem Projekt polarisiert. In einer Gruppe gibt es nach kurzer Zeit meist zwei Extreme im Meinungsbild. Und je nachdem, welche Gruppe stärker ist, wird unser Projektvorschlag angenommen oder in der Luft zerrissen.
Um mit dieser Gruppendynamik umzugehen, schlage ich einen anderen als den üblichen Vortragsansatz vor. Klassisch ist, dass wir ein Projekt von der Vision bis zur Realisierung hin vorstellen. Ob mündlich, mit Powerpoint oder am Flipchart spielt keine Rolle. Unser Ziel stellen wir, so wird es oft gelehrt, so dar, als ob wir es schon erreicht hätten. Das soll uns selber motivieren.

Fertige Ideen machen träge oder wecken Widerspruch

Leider hat dieser Ansatz einen erheblichen Nachteil. Er macht unser Gehirn träge. Oder-  und schlimmer: Er weckt in uns den Widerspruchsgeist, wenn wir nicht bereits zu Beginn der Idee positiv gegenüberstanden. Wenn etwas zu fertig klingt, suchen wir den Fehler in der Darstellung. Und damit kommen verstärkt Gegenargumente zu Ihrem Vorschlag und je nach Ihrem Geschick in der Argumentation und der Gruppenstimmung, dreht sich plötzlich der Wind gegen Ihr Vorhaben.

Viele Moderationsmethoden versuchen, mit dieser polarisierenden Eigenart von Gruppen umzugehen. Doch diese Methoden können wir nur dann einsetzen, wenn wir den Ablauf der Gruppe definieren können. Für all die Fälle, wo dies nicht geht, schlage ich eine einfache Alternative zum Test vor:

“Wie könne wir es schaffen, dass …?”

Wenn Ihre Idee ein »Sommerfest mit einer Benefizauktion« ist, dann würden Sie dies normalerweise unter diesem Titel vorstellen. Und jeder hat sofort ein Sommerfest und ein Bild von einer Auktion im Kopf – positiv wie negativ.

Nun stellen Sie die Idee in Form einer Frage vor: »Wie können wir es schaffen, unser Sommerfest mit einer Benefizauktion zu kombinieren? (Und dabei 3.000 Euro mehr als bisher einnehmen)«.

Der Unterschied besteht nun darin, dass das Gehirn bei einer Frage fast »automatisch« damit beginnt, nach Antworten zu suchen. Es fühlt sich herausgefordert, es kommt damit auch ein kreativ-spielerischer Ansatz in die Diskussion. Nun präsentieren Sie Ihr Vorhaben unter dieser Überschrift – und damit unter völlig neuem Vorzeichen. Vorausgesetzt ist dabei aber, dass Sie Ihr Konzept noch nicht gleich als ganz fertig vermitteln. Und es macht Sinn, diese Frage nicht nur am Anfang oder am Ende als Folie kurz aufflackern zu lassen, sondern – vielleicht gekürzt – als Unterzeile mitlaufen zu lassen.

Überlegen Sie auch, ob Sie die Frage geschlossen oder offen stellen wollen. Geschlossen klingt es wie bei »Bob der Baumeister«, »Können wir es schaffen …?«. Die offene Frage lautet eher »Wie können wir es schaffen …?«.

Es gibt keine Garantie, dass Ihr Projekt damit automatisch durchkommt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Diskussion ergebnisoffen abläuft, steigt sicherlich an.

Am besten, Sie testen!

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Feb 212014
 
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