Nov 252014
 
Auf zu neuen Stiftungs-Ufern, der Verbrauchsstiftung entgegen.

Auf zu neuen Stiftungs-Ufern, der Verbrauchsstiftung entgegen.

Im letzten Beitrag zeigte ich mich ob der Flut kleiner und kleinster Stiftungsgründungen skeptisch, ob das Modell Stiftung wirklich für so viele Einsatzgebiete taugt, wie es oft vorgeschlagen wird. Eine Alternative zur Gründung einer auf ewig existierenden Stiftung ist die Verbrauchsstiftung.

Die Verbrauchsstiftung stellt einen Sonderfall der Stiftung bürgerlichen Rechts dar. Das Modell der Verbrauchsstiftung wurde neu durch das Ehrenamtsstärkungsgesetz vom 21. März 2013 verankert, nachdem diese lange umstritten und von den Stiftungsaufsichten sehr unterschiedlich behandelt wurde. Die Verbrauchsstiftung stellt eine Alternative zur »ewigen« Stiftung dar. Bei ihr wird in der Satzung festgelegt, inwieweit nicht nur der Ertrag, sondern auch das eigentliche Stiftungskapital zur Zweckerfüllung eingesetzt werden kann. Dabei ist in der Regel ein Mindestzeitraum von zehn Jahren einzuhalten, über welchen das Kapital frühestens aufgezehrt werden darf.

Prominentes Beispiel für eine Verbrauchsstiftung (oft auch Verzehrstiftung genannt) ist die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Diese Stiftung musste nicht auf »ewig« angelegt werden, da die Entschädigung der Zwangsarbeiter zu Lebzeiten erfolgen muss.

Ein neues Fundraising-Instrument

Als Fundraising-Instrument ist die Verbrauchsstiftung noch nicht entdeckt worden. Dabei bietet sie spannende Gestaltungsmöglichkeiten. Die Vorteile der Verbrauchsstiftung liegen in der effektiven Verwirklichung des Stiftungszwecks auch bei kleinerem Grundstockvermögen. Damit wird die Zweckverwirklichung geschützt vor Finanzkrisen oder Missmanagement bei der Mittelanlage. Ferner lassen sich inhaltlich oder zeitlich begrenzte Stiftungszwecke mit der Lebensdauer der Stiftung abstimmen. Das Modell der Verbrauchsstiftung bietet sich aus Fundraising-Sicht auch an, wenn eine Erbschaft nachhaltig Verwendung finden soll, im Volumen aber nicht für eine normale Stiftung ausreichend erscheint. Ggf. ist einer Verbrauchsstiftung auch als Treuhandstiftung einzurichten. Allerdings ist dringend empfohlen, dies vorab mit der Stiftungsaufsicht abzustimmen.

Nach meiner Erfahrung sind durchaus nicht alle potentiellen Stifter so wild darauf, dass ihr Kapital “auf ewig” in der Stiftung liegt, sondern stehen dem Gedanken einer Verbrauchsstiftung sehr positiv gegenüber. Möglicherweise kollidieren hier die Interessen der Stiftungsverwalter und der Stifter. Doch als Fundraiser, die wir auch immer Berater der Spender / Stifter sind, sollten wir diese Option im Hinterkopf haben. Denn primär geht es uns in unseren Stiftungen um Wirkung und nicht um die Verwaltung des größten Portfolios.

Eine kleine Anregung: Gerade bei den von mir gerne kritisierten Klein-Stiftungen zum Bauunterhalt von Kirchen, wäre die Option Verzehrstiftung bedenkenswert. Wie wäre es mit einem Passus in der Stiftungssatzung, der es erlaubt, das Vermögen nach beispielsweise 10 oder 15 Jahren langsam zu verzehren, wenn ein vorab festgelegtes Stiftungsvolumen (z.B. 1 Mio. Euro) nicht erreicht wird. Den Kirchengemeinden wäre damit sicher mehr geholfen, als durch das auf Konten schlummernde zu geringe Kapital.

Fazit: Mit der Verbrauchsstiftung gibt es eine spannende Ergänzung zum Stiftungsboom. Ich bin gespannt, wann dieser Stiftungstyp im Fundraising ankommt und welche Ausprägungen wir erleben werden. Tipps und Beispiele hierzu gerne an mich!

Nov 182014
 
Scheinriese Stiftung

Ich bin ein Freund von Stiftungen … wenn sie zum Fundraising-Mix einer Organisation passen. Zwei Stiftungen habe ich auch maßgeblich konzipiert und bei einer Geburtshilfe geleistet. Doch wie ich auch hier im Blog schon schrieb: Eine Stiftung zu gründen, weil es gerade in Mode scheint oder einem nichts besseres einfällt, halte ich für einen groben [weiter lesen]

Nov 132014
 
Tiefer Fall: Transparenzpreis von PwC abgestürzt

Von 2005 bis 2012 hat sich die Wirtschaftsprüfung- und Beratungsgesellschaft PwC mit dem “Transparenzpreis” in der Nonprofit-Szene Deutschlands getummelt. Damit traf das Unternehmen den Zeitgeist, denn im Nachklapp zu den Rekordspenden zugunsten der vom Tsunami betroffenen Länder, war die Frage, wieviel der eingegangenen Spenden werden zielgerichtet und effizient eingesetzt, in der öffentlichen Diskussion. Die UNICEF [weiter lesen]

Nov 072014
 
Happy End - Spender gut verabschieden

Wir geben uns im Allgemeinen viel Mühe, wenn es darum geht, neue Spender in einer Organisation willkommen zu heißen. Zumindest ist es uns eine Menge Papier wert, wenn ich mir die Begrüßungs-Umschläge so ansehe, die ich erhielt. Doch wie sieht es aus, wenn uns Spenderinnen und Spender verlassen? Gute Abschiede sind selten Wenn Spender nicht [weiter lesen]

Okt 092014
 
Entbehrlich werden - so geht es

Kürzlich forderte ich auf, im Job entbehrlich zu werden. Nicht unbedingt im Sinne, dass künftig Industrieroboter die Arbeit von Fundraisern übernehmen können, sondern im Sinne, dass man guten Gewissens in Urlaub, auf eine neue Stelle und zu neuen Aufgaben gehen kann. Oder dass man sich – der Jahreszeit gemäß – bei einer Krankheit auch auskuriert. [weiter lesen]

Okt 012014
 
Entspannter sein

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Jul 292014
 
3.000-Euro-Spende durch „verrückte“ Tauschaktion

Tauschen ist im Trend, so scheint es mir. Hatte ich vor 14 Tagen noch ein Beispiel zitiert, so lese ich in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, eva-inteam Juli – September 2014, nachfolgenden Bericht, den ich ungekürzt wiedergebe: —————– 3.000-Euro-Spende durch „verrückte“ Tauschaktion Eine ungewöhnliche Tauschaktion hat an Pfingstsamstag Sach- und Geldspenden im Wert von [weiter lesen]

Jul 222014
 
Stiftung gründen oder: ich kauf' mir meinen Verein

Stiftungen gibt es jetzt schon zum Dumpingpreis. Wer bei einigen Trägern, welche ihre Stiftung über das Stiftungszentrum München verwalten lassen, als Stifter aktiv werden will, kann dies mit 5.000 Euro und einer Treuhandstiftung bereits verwirklichen. Aber auch über dieser Minimalgrenze werden sehr viele Stiftungen mit einer verhältnismäßig geringen Kapitalausstattung errichtet. Bei den rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts [weiter lesen]

Jul 182014
 
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Manchmal stößt man bei der Urlaubsplanung unvermutet auf Perlen. In diesem Fall auf eine Fundraising-Perle: Auf der Seite http://www.langeoognews.de/ entdeckte ich ein schönes Beispiel von einem Menschen, Jörg Runnebom, der mit viel Engagement, Spieltrieb, Begeisterung und Ehrgeiz es schafft, Spenden für wichtige Zwecke zu sammeln. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von “Langeoognews” übernehme ich folgenden [weiter lesen]

Jul 082014
 
Seid entbehrlich!

Wir werden gerne gebraucht Ach, wie schön und befriedigend kann es sein, wenn man gebraucht wird. Wir Menschen sind einfach soziale Wesen und ziehen in den meisten Fällen Bestätigung und Selbstbewusstsein auch aus dem Miteinander mit Anderen. Klar, so völlig ohne Dritte kann praktisch niemand existieren. Dazu zählt auch, wenn man im Berufsleben einer sinnstiftenden, [weiter lesen]