Rezension: Profi-Handbuch Fundraising

20160515_130425-1-768x902Seit gut 10 Jahren gibt es das Profi-Handbuch Fundraising mittlerweile. Die nunmehr 3., aktualisierte Auflage zeigt das Interesse der Hauptautorin Barbara Crole und des Verlags, das Buch aktuell zu halten.

Der Titel „Profi-Handbuch Fundraising“ ist nicht ganz glücklich gewählt. Zum einen wendet sich dieses Buch in keiner Weise nur an Profis, sondern ist eine sehr praxisnahe und für Einsteiger hervorragend geeignete Einführung. Zum anderen aber suggeriert der Titel, dass es eine Abbildung des Fundraisings darstellt und das ist mir dann zu hoch gegriffen. Im Kern behandelt das Buch alles rund um das gute alte Spendenmailing, die briefliche Bitte um Unterstützung. Bei aller Bedeutung, welche das Mailing im Fundraising hat, gibt es in der Praxis noch sehr viele andere Fundraising-Instrumente, welche hier aber keine Berücksichtigung finden. Das ist nicht schlimm, aber dürfte im Titel zum Ausdruck kommen.

Wie geschrieben, im Kern geht es um das Spendenmailing. „Rezension: Profi-Handbuch Fundraising“ weiterlesen

Wie lauter sind Spendenshops?

T-Shirts und Unterwäsche bestellen, aber Schlappen und Hemd geliefert bekommen? Kein Problem, wenn es ein Spendenshop ist.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

-> Sie bestellen bei einem Online-Shop 2 Pullover, 1 Hose und 4 Paar Socken.

-> Geliefert werden dann aber 7 T-Shirts.

-> Verwundert blicken Sie auf die Rechnung und dort steht etwas von FAQ.

-> Sie lesen die FAQ auf der Website des Unternehmens. Dort steht dann:

2. Wenn ich z.B. ein T-Shirt in den Warenkorb lege, wird dann davon wirklich ein T-Shirt geliefert?

Nein. Die Produkte werden nicht 1:1 geliefert, sie stehen vielmehr symbolisch für die Produkte, die unsere Kunden benötigen. In unserem Shop finden Sie beispielhafte Produkte, die unsere Kunden täglich tragen. Ihr Einkauf wird dabei immer so ausgeführt, wie unsere Lagerbestände gerade sind.

Ich glaube, niemand von uns würde jemals wieder bei so einem Laden einkaufen.

Aber warum wird dann in einem bedeutenden Teil der Fundraising-Szene genau so ein Verhalten toleriert und als vertretbar gut geheißen? Ich hatte bereits einmal meine deutliche Irritation über das grenzwertige Angebot in Spendenshops geschrieben gehabt. Häufig sind diese Shops nichts anderes als die gute alte “Shopping-List”, also eine beispielhafte Darstellung, was aus einer gespendeten Summe x finanziert werden kann.

Nun stoße ich auf Tipp meines Kollegen Clemens Matern erneut auf einen solchen Shop und ich ärgere mich ganz enorm. Denn hier ist das System einfach perfektioniert. Der Spendenshop der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung sieht hervorragend aus und ist optisch und funktional wunderbar programmiert. „Wie lauter sind Spendenshops?“ weiterlesen

Raus aus den Spenderklischees und Fundraising-Strukturfallen

Spender-Schubladen
In welche Schubladen stecken Sie Ihre Förderer? Und was bedeutet das im Alltag?

Jan Uekermann hat eine Erfahrung gemacht, die ihm nicht gefiel. Auf eine bedeutende Spende in Höhe von 500,- Euro, online getätigt, gab es eine blitzschnelle automatische Bestätigungs-E-Mail. Doch dabei blieb es dann auch. Keine persönliche E-Mail danach, kein Anruf, kein Dankbrief. Nun sind 500,- Euro sicher nicht nur für Jan eine höhere Spende. Als Einzelspende bewegt sich das schon in den oberen 5-10% der Spendenbeträge. Die Begründung der Organisation auf Nachfrage war dann, dass Offline-Spenden offline und Online-Spenden online bedankt werden. Punkt. Im Blog von RaiseNow beschreibt er seine Erfahrung. Seine Erwartung fasst er wie folgt zusammen:  “Aber hey, ich denke dass ich auf so eine Spende doch wohl erwarten darf, dass mir dafür nochmal persönlich gedankt wird, gerne ja via E-Mail, dürfte aber auch ein Brief sein – so, wie ich viele Spendenbriefe dieser Organisation erhalte.”

Eine andere Erfahrung schildert die Bloggerin fraurebis. Ein Arzt, unbestrittene Koryphäe seines Faches, wird von eben jener Krankheit betroffen, welche er sonst heilt. Nicht nur, dass ihn – den Fachmann – niemand behandeln will und er viel in der Auseinandersetzung mit einem fachfremden Kollegen über sich und seine Erkrankung erfährt. Er erfährt auch, wie es sich als Patient lebt und wie dies seine Haltung, als er wieder als Arzt tätig wird, zu den Patienten verändert. Jetzt ist ihm klar, was die Patienten von ihm als Arzt erwarten, wie viel Überflüssiges kommuniziert wurde und wie sich das hilflose Liegen anfühlt.

Szenenwechsel – Fundraising-Bühne: Was wissen wir von den Spenderinnen und Spendern, welche wir zu hunderten, zu tausenden, zu hunderttausenden anschreiben? Wissen wir mehr als Seniorinnen-Klischees, als Stichworte zu Sinus-Milieu-Kartoffeln? Wer von uns hat regelmäßig Kontakt zu Spenderinnen und Spendern? „Raus aus den Spenderklischees und Fundraising-Strukturfallen“ weiterlesen

58 Prozent Nichtspender

Sackgasse Fundraising?
Sackgasse Fundraising?

Nach 45 Prozent im Vorjahr haben sich in 2015 nur 42 Prozent der Bundesbürger dazu entschieden, eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen. Die Durchschnittsspende stieg dagegen in den vergangenen 12 Monaten von 128 Euro auf 146 Euro.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Fundraising Verband auf Basis des im Dezember 2015 veröffentlichten TNS Infratest Spendenmonitors.

Und was machen wir Fundraiser? Wir überlegen Jahr für Jahr an immer den gleichen Fundraising-Methoden herum. Lebt das Mailing noch oder ist es tot? Welchen Segen bringt das Online-Fundraising (irgendwann einmal)? Wer erhält den größten Brocken im noch ungeschriebenen Förderer-Testament auf eleganteste Weise? Sind Spenden nach Markt- oder Gabe-Logik zu betrachten? Wie emotional dürfen oder müssen Bilder sein? Und der Deutsche Fundraising Verband claimt “Wir stärken die Kultur des Gebens”. Helfen uns als Hilfsmittel zum Spender- und Spendenverständnis Darstellungen in Pyramiden-, Kreisel-, Kreis- oder Dreiecksform? Und wenn ich mir die aktuellen Referentenskripte auf den Fachtagungen und Kongressen ansehe, so merke ich inhaltlich keine große Veränderung zu den Skripten vor 15 Jahren.  „58 Prozent Nichtspender“ weiterlesen

Rezension: Das Crowdfunding-Handbuch

cfbuch_cover1Leicht verdientes Geld, könnte man meinen, liest man manche euphorische Erfolgsgeschichte aus der Welt des Crowdfundings: Ein geckiges Produkt, eine Plattform, dazu ein kurzes Smartphone-Werbevideo und zwei Monate später findet sich ein fünfstelliger Betrag auf dem Girokonto. Das Ganze garniert mit einigen Follower-Chats und zwei bis drei coolen Newslettern. Wenig Arbeit, viel Geld – der Stoff, aus dem so mancher Traum gestrickt ist.

Doch die Realität im Crowdfunding sieht anders aus: akkurate Planung, viel Zeit im Vorfeld der Kampagne, hohes Engagement bis hin zum Vollzeit-Job während der Kampagne, Durchhänger überwinden, Trouble-Shooting, Steuerfragen lösen, hunderte Gegenleistungs-Päckchen packen und versenden etc. „Rezension: Das Crowdfunding-Handbuch“ weiterlesen

Rezension: Fundraising Management

FR-Management_seger_labaronneFundraising auf 76 Seiten, darin noch zahlreiche Abbildungen und in Farbe … geht das? Ja, das geht, wenn man eine klare Einschränkung in seinem Anspruch vornimmt. Umfangreiche – und oft ungelesene – Fundraising-Handbücher gibt es ja einige am Markt. Mit dem Band 5 der SML Essentials legen Leticia Labaronne und Bruno Seger, langjährige Lehrende des schweizer Diplom-Lehrgangs Fundraising Management (ZHAW School of Management) eine hochkonzentrierte Veröffentlichung vor.

Der Anspruch des Bandes ist, Interessierten einen ersten und möglichst umfassenden Überblick über Strategie, Hintergrund und Methoden des Fundraisings zu geben. Die (wenigen) Praxisbeispiele entstammen dem Schweizer Alltag, sind aber problemlos auf D/A übertragbar.

Der umfassende Überblick gelingt auf den 76 Seiten auch aufgrund zweier Merkmale: Schriftgröße und einen stark lexikalischen Charakter der Beiträge. Die Schriftgröße ist sehr gewöhnungsbedürftig klein geraten, was zwar zu einer gute Übersicht und geringem Seitenumfang führt, aber meiner Lust am Lesen merklich abträglich ist. „Rezension: Fundraising Management“ weiterlesen

Ein Stein für den Klosterplatz

Gespaltene Fluss-Steine als Spender-Boden vor dem Kloster Einsiedeln.
Gespaltene Fluss-Steine als Spender-Boden vor dem Kloster Einsiedeln.

Ein haltbarer Dank soll es sein, eine Wertschätzung mit Sichtbarkeit – so sind Stifterwände und Spendentafeln konzipiert. Wir finden sie mittlerweile an vielen Stellen. Ich sah solche Namenstafeln auf Holzschindeln an einer Wandervereinshütte, auf Plexiglas im Innenhof eines Caritasverbandes, auf Messing in Museen, in kleinen oder größeren lasergravierten Klinkerausführungen etc. Solche Wände haben eine mehrfache Funktion. Sie sollen

  • an den Spender / die Spenderin öffentlich erinnern,
  • den Dank für die Gabe dauerhaft ausdrücken und
  • andere Menschen motivieren, ebenfalls zu spenden oder zu stiften.

Je nach kultureller oder sozialer Prägung ist ein solcher öffentlicher Dank nicht gewünscht. Statt dessen wird der Dank z.B. bei einer Stifterwand “Im Angedenken an ….” (verstorbene Menschen, welche dem Stifter etwas bedeuten) ausgeführt, oder ein schlichtes “Danke!” als Platzhalter für anonym bleibende Spender formuliert.

Vor dem Kloster Einsiedeln stieß ich auf eine auch ansprechende und sehr schön integrierte “Spenderwand”. Im Zuge einer langjährigen Sanierung des Kloster-Vorplatzes wurde der Bodenbelag neu angelegt. Die historischen verlegten, gespaltenen Flußsteine, wurden wieder verwendet. „Ein Stein für den Klosterplatz“ weiterlesen

Stilkritik: Zwei Appelle ans Christsein

einsiedelnInnerhalb weniger Tage erreichten mich zwei Spendenbitten. Beide fallen aus dem üblichen (etwas langweiligen) Rahmen, beide kommen von katholischen Organisationen und beide werben explizit mit einer kirchlich christlichen Tonart.

Die Pflicht zur Unterstützung der Armen findet sich in allen großen Religionen. Und Spenden aufgrund christlicher Prägung stellt sicher die stabilste, die verlässlichste Motivlage dar, an welche appelliert werden kann. Das gilt natürlich nicht nur für explizit kirchliche Organisationen und nicht nur für kichlich gebundene Menschen. Christlich geprägte Motive beim Geben sind als kulturelles Allgemeingut auch bei Kirchenfernen unterschwellig annehmbar.

Nun, von kirchlichen Organisationen dürfen wir getrost annehmen, dass es ihnen weder fremd noch gar peinlich ist, explizit ihren kirchlichen Hintergrund in den Vordergrund zu stellen und als Grundlage für ihr soziales Wirken zu benennen. Und es ist nachvollziehbar, dass versucht wird, den gemeinsamen religiösen Hintergrund mit ihren Spendern zu betonen, um Gemeinschaft zu konstituieren, die Spendenwahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Die beiden Mailings, welche ich skizzieren möchte, sind von „adveniat – für die Menschen in Lateinamerika“ und vom “Malteser Hilfsdienst e.V.”. „Stilkritik: Zwei Appelle ans Christsein“ weiterlesen

So “ticken” Stifter

irisFür einen gelungenen Stiftungsantrag braucht es eine fundierte Recherche vorab. Und zur Recherche bei Stiftungen gehört das Wissen, dass jede Stiftung anders tickt und vor allem anders geführt wird.

Zwei wichtige Typen von Stiftungen lassen sich pragmatisch unterscheiden. Da gibt es die – meist größeren – managementgeführten Stiftungen und es gibt die „inhabergeführten“ Stiftungen.

Bei den, wie ich sie nennen mag, managementgeführten Stiftungen liegt die Leitung der Stiftung bei angestellten Mitarbeitern. Gerade größere und ältere Stiftungen sind so geführt, haben manchmal eigene Projektbereiche, Ausschreibungen und ein dezidiertes Antragsverfahren.

Häufiger sind mittlerweile, dem Boom der Stiftungsgründungen der letzten 15 Jahre geschuldet, die „inhabergeführten“ Stiftungen. „Inhaber“ ist in Anführungszeichen, da eine Stiftung ja niemandem außer „sich selber“ gehört, eine Vermögensmasse darstellt. Aber diese Stiftungen werden oft von ihrem Stifter oder engen Vertrauten des Stifters / der Stifterin geführt. Sie sollten also eher „stiftergeführte Stiftung“ genannt werden.

Wer von einer solchen, stiftergeführten Stiftung, Unterstützung erhofft, muss sich ganz klassisch mit Motiven auseinandersetzen. „So “ticken” Stifter“ weiterlesen

Anträge bei Stiftungen stellen – aber richtig!

So sollte eine Biite an eine Stiftung nicht aussehen.
So sollte eine Bitte an eine Stiftung nicht aussehen.

Wenn eine Stiftung eine Website hat, Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen ist oder auf anderem Weg in einem öffentlichen Stiftungsverzeichnis gelandet ist, wird sie früher oder später Förderanträge erhalten. Mich erreichte bei eva’s Stiftung kürzlich beispielsweise ein Antrag, aus welchem der nebenstehende Textausschnitt stammt. Mir wird in einem zweiseitigen Brief ein soziales Beratungsprojekt vorgestellt. Als Bitte lese ich die Formulierung:

“Unsere Bitte an Sie: Unterstützen Sie [xxx] in seiner Startphase und beim weiteren Aufbau mit einem finanziellen Beitrag. Denn gute Árbeit und soziale Gerechtigkeit muss für alle möglich sein. Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung. Selbstverständlich stellen wir dafür Spendenquittungen aus. Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen, gerne füllen wir auch Ihre Antragsformulare aus.” „Anträge bei Stiftungen stellen – aber richtig!“ weiterlesen